23. Mai 2012

XETRA-START/Misstrauen gegen Athen sorgt für schlechte Stimmung

FRANKFURT (Dow Jones)--Die Aussicht auf womöglich noch monatelang immer neue Akte im Drama um ein zweites Rettungspaket für Griechenland haben den deutschen Aktienmarkt unter negativem Vorzeichen in den Donnerstag starten lassen. An den asiatischen Börsen ist den Anlegern bereits in der Nacht der Geduldsfaden gerissen, sie nahmen Gewinne mit und schickten die Indizes südwärts. Auch der als Maß für den Risikoappetit der Anleger geltende Euro gibt gegenüber Dollar und Yen nach und notiert nur noch bei 1,30 Dollar. Gleichzeitig weiten sich die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus der Peripherie des Gemeinsamen Währungsgebiets aus. Bis 9.48 Uhr verliert der DAX 1,3 Prozent oder 90 auf 6.669 Punkte. In der zweiten Reihe geht es für den MDAX um 1,7 Prozent oder 174 auf 10.179 Punkte nach unten. Der TecDAX verliert 1,8 Prozent oder 14 auf 767 Punkte.

Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker zeigte sich am Vorabend im Anschluss an eine Videokonferenz der Finanzminister aus dem Gemeinsamen Währungsgebiets zwar zuversichtlich, dass am Montag kommender Woche "alle notwendigen Entscheidungen" für eine Freigabe der 130 Milliarden Euro schweren zweiten Überlebensration für Athen fallen werden. Dessen ungeachtet scheinen Deutschland, Finnland und die Niederlande aber auf Nummer sicher gehen zu wollen: Angesichts der im April anstehenden Parlamentswahlen in Athen und der Frage, ob sich die neue Regierung an die Sparpläne und Reformgelübde ihrer Vorgängerin halten wird, drohen sie Berichten zufolge damit, die volle Summe erst nach dem Urnengang auszuzahlen. Bis dahin soll ein Überbrückungskredit sicher stellen, dass die Hellenen die am 20. März fälligen 14,5 Milliarden Euro bedienen können.

Die Societe Generale spricht vor diesem Hintergrund von einer "Atmosphäre des verschwindenden Vertrauens". Europa scheine "gefährlich nahe an dem Punkt zu sein, eine Lehmanhafte Entscheidung zu treffen". Die US-Regierung hatte 2008 entschieden die Investmentbank Pleite gehen zu lassen, was eine weltweite Kreditkrise auslöste. Auch die Drohung der Rating-Agentur Moody's mit der Abstufung der Bonität zahlreicher europäischer Geldhäuser, darunter die Deutsche Bank und die Commerzbank, drückt auf die Stimmung.

Für neue Impulse dürfte am Nachmittag der Philly-Fed-Index sorgen. Er misst die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe der Region Philadelphia. Volkswirte rechnen für Februar mit einem Stand von +10,0 nach +7,3 Punkten im Vormonat. Das Pendant für die Region New York hat freilich bereits positiv überrascht, daher dürfte das Risiko für den Philly-Fed-Index ebenfalls auf der Upside liegen. Wie jeden Donnerstag wird darüber hinaus die Entwicklung der Erstanträge auf Leistungen aus der US-Arbeitslosenversicherung erwartet. Hier lautet der Ökonomenkonsens auf ein Plus von 7.000 binnen Wochenfrist.

Bereits am Vormittag planen Frankreich und Spanien den Kapitalmarkt anzuzapfen. Dabei wollen die Iberer Schuldtitel im Volumen von bis zu 4 Milliarden Euro unter die Anleger bringen, die Gallier im Volumen von bis zu 8,5 Milliarden Euro.

Nach der Drohung von Moody's stehen im frühen Frankfurter Geschäft vor allem die Aktien der Kreditinstitute unter Druck: Deutsche Bank verbilligen sich um 3,8 Prozent auf 31,89 Euro, Commerzbank gar um 4,3 Prozent auf 1,97 Euro. Europaweit verlieren die Banktitel im Schnitt 2,3 Prozent und haben damit die rote Laterne unter den Sektoren inne.

Siemens leiden unter schwachen Zahlen von ABB und geben um 1,4 Prozent auf 72,92 Euro nach. Vor allem in der Energiesparte enttäuschten die Schweizer mit einer schwachen Marge. Die soll bei Siemens aber den Löwenanteil des angestrebten Umsatzwachstums auf 100 Milliarden Euro stemmen.

Im MDAX halten sich Douglas wacker und legen gegen den Trend um 0,3 Prozent auf 33,84 Euro zu. "Der Markt setzt weiter auf eine Restrukturierung bei dem Einzelhändler", sagt ein Börsianer. Wie das Handelsblatt am Donnerstag berichtet, könnte Douglas die Bekleidungskette AppelrathCüpper sowie die Hussel-Süßwarenläden abspalten. Bereits einen Tag zuvor hatte das manager magazin über einen Verkauf der Buchhandelstochter Thalia spekuliert.

DJG/jej/ros 
 

(END) Dow Jones Newswires

February 16, 2012 04:03 ET (09:03 GMT)

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