23. Mai 2012

XETRA-START/DAX mit Griechenland und China kräftig erholt

FRANKFURT (Dow Jones)--Kräftig aufwärts geht es zur Wochenmitte am deutschen Aktienmarkt. Hoffnung auf chinesische Schützenhilfe im Kampf gegen die Staatsschuldenkrise im Euroraum und Anzeichen für ein Einlenken der griechischen Regierung bei den Bedingungen für ein zweites Hilfspaket treiben den Markt. Der DAX legt gegen 9.51 um 1 Prozent oder 66 auf 6.794 Punkte zu. Schon am Vorabend hatte die Wall Street mit einem Schlußsprint auf die Nachrichtenlage reagiert. Auch die Börsen in Asien, der Euro und Rohstoffe zogen an. Umgekehrt kommen die sonst als sicherer Hafen gesuchten Bundesanleihen unter Druck.

Gute Nachrichten für das verschuldete Europa kamen aus China: Der Gouverneur der People's Bank of China, Zhou Xiaochuan, stellte in der Nacht während des Pekinger EU-China-Gipfels weitere Käufe von in Euro denominierten Vermögenswerten in Aussicht. Bereits zuvor hatte der Chef der chinesischen Notenbank die jüngsten Aussagen von Ministerpräsident Wen Jiabao wiederholt, denen zufolge das Land den Eurorettungsfonds EFSF stärker unterstützen will.

Für Beruhigung sorgen aber vor allem die Signale aus Athen. Die Führer der beiden griechischen Koaltionsparteien wollten nun doch die von der Eurogruppe geforderten Zusagen über die Implementierung der Sparbeschlüsse im Laufe des Mittwochs abgeben. Damit soll die Haushaltssanierung auch über die Parlamentswahl im April hinaus sichergestellt werden. Dies ist eine Voraussetzung für die Freigabe weiterer Finanzhilfen. Auch auf die von den Gebern verlangten Ausgabenkürzungen über 325 Millionen Euro soll sich das Kabinett geeinigt haben. Heino Ruland von Ruland Research weist jedoch skeptisch auf den Wahl-Termin im April hin: "Die Frage ist, ob die derzeitigen Regierungsparteien nach der Wahl noch etwas zu sagen haben", sagte er im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Die Umfragen sprächen derzeit eher dagegen.

Angesichts der schwelenden Staatsschuldenkrise steht die erste Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Gemeinsamen Währungsgebiet im Blick. Volkswirte rechnen für das vierte Quartal mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent gegenüber den vorangegangenen drei Monaten. Für einen Hoffnungsschimmer sorgt das überraschend gute BIP aus Frankreich: Es rutschte entgegen der Befürchtung nicht um 0,1 Prozent ins Minus, sondern stieg um 0,2 Prozent. Das deutsche BIP fiel zwar um 0,2 Prozent ins Minus, erwartet war aber ein Rückgang um 0,3 Prozent.

Aus den USA steht am Nachmittag mit dem Empire-State-Manufacturing-Index der erste regionale Stimmungsindikator für Februar auf dem Programm. Hier lautet der Ökonomenkonsens auf 15,00 nach 13,48 Punkten im Vormonat. Der Empire-State-Manufacturing-Index misst die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe der Region New York. Zusammen mit dem Pendant für die Region Philadelphia gilt er als guter Vorläufer des landesweiten ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe der USA.

Nach den asiatischen Halbleiterwerten profitieren auch die europäischen Pendants von der Hoffnung auf einen nachlassenden Preisdruck innerhalb der Branche. Auslöser sind düstere Perspektiven für den DRAM-Hersteller Elpida. Nach ergebnislosen Verhandlungen mit staatlichen Stellen und privaten Gläubigern haben die Japaner ein dickes Fragezeichen hinter die Fortsetzung ihres Geschäfts gesetzt. Für die Aktien ging es daraufhin fast 15 Prozent nach unten. Nach dem Motto "des einen Leid, des anderen Freud", zogen die Kurse der Wettbewerber an.

Auch Infineon profitieren davon, nachdem die Aktie am Vortag fast 5 Prozent abgestürzt war. Belastet hatte hier eine Schadensersatzforderung von 1,7 Milliarden Euro durch den Insolvenzverwalter von Qimonda. Händler und Analysten sehen diese Forderung jedoch immer mehr als "unrealistisch" an. Die Infineon-Aktie legt um 1,1 Prozent auf 7,18 Euro zu.

adidas springen um 3 Prozent auf 59,51 Euro auf ein neues Allzeithoch. Hier treiben Hoffnungen, China könnte die Steuer für Luxusgüter senken. Das Reich der Mitte ist einer der wichtigsten Wachstumträger für den Sportartikel-Hersteller. Auch Puma steigen um 2,2 Prozent auf 245 Euro. Das Konkurrenzunternehmen von adidas hat die Gewinnprognosen für das vierte Quartal zumeist deutlich übertroffen.

Munich Re legen um 1,1 Prozent auf 108,20 Euro zu, nachdem Morgan Stanley das Kursziel auf 140,80 Euro erhöht hat. Dies liegt rund 30 Prozent über dem aktuellen Kurs.

TUI steigen um 3 Prozent auf 6,39 Euro. Die Quartalszahlen werden als gemischt betrachtet, es treibt jedoch der Verkauf von 17,4 Prozent an Hapag Lloyd an das Albert-Ballin-Konsortium in Hamburg. TUI bezeichnet den Ausstieg aus dem Reederei-Geschäft als einen großen Schritt in Richtung Schuldenfreiheit.

DJG/mod/ros 
 

(END) Dow Jones Newswires

February 15, 2012 04:05 ET (09:05 GMT)

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