23. Mai 2012

XETRA-SCHLUSS/Freundlich - Kein Jubel trotz Griechen-Einigung

FRANKFURT (Dow Jones)--Freundlich ist der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag aus dem Handel gegangen. Trotz der Einigung in Griechenland gab es keine Jubelstürme. Einige Händler sprachen sogar von ersten Gewinnmitnahmen nach dem Motto "Selling the News". Für gute Stimmung sorgten bessere Wochendaten vom US-Arbeitsmarkt. Die Entscheidung der EZB zugunsten unveränderter Zinsen war erwartet worden. Kräftige Kursgewinne gab es bei den Automobilwerten. Hier trieben gute Daimler-Geschäftszahlen und die Aussicht auf eine höhere Dividende. Auch Finanzwerte waren gesucht. Unter Druck standen jedoch erneut die Versorger-Aktien. Der DAX stieg um 0,6 Prozent oder 40 auf 6.788 Punkte, zwischenzeitlich hatten die Griechenlandmeldungen den deutschen Leitindex auf das neue Jahreshoch von 6.838 Zähler getrieben.

In Griechenland haben die Parteiführer der Regierungskoalition am Nachmittag überraschend schnell den Bedingungen der internationalen Geldgeber für ein zweites Rettungspaket zugestimmt. "Die Parteichefs haben den Forderungen zugestimmt", sagte Ministerpräsident Papademos. Alle offenen Fragen seien gelöst. Knackpunkt war nach einem Verhandlungsmarathon mit der sogenannten "Troika" aus EU, IWF und EZB eine Lücke bei den Einsparungen in Höhe von 300 Millionen Euro. Die Summe sollte ursprünglich aus dem Rentensystem kommen. Der Sprecher von Ministerpräsident Papademos kündigte an, dass Griechenland die 300 Millionen Euro einsparen werde, ohne zu konkretisieren, an welcher Stelle das geschehen soll.

In Brüssel tagt weiter die Eurogruppe, um über das zweite Rettungspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro zu beraten. In einer Pressekonferenz zur EZB-Zinsentscheidung wollte Präsident Mario Draghi nichts dazu sagen, ob und inwiefern sich die Zentralbank an einem Schuldenerlass beteiligen wird. Auch wiesen einige deutsche Parlamentarier darauf hin, dass die Zahlungen an Athen noch nicht in trockenen Tüchern seien.

Die Entscheidung der EZB für gleichbleibende Zinsen war vom Markt erwartet worden. Auf Interesse stießen jedoch Maßnahmen zur erleichterten Hinterlegung von Sicherheiten (Collaterals) bei der EZB. Sieben Notenbanken haben dies beantragt. "Etwas überraschend ist nur, dass Frankreich und Österreich mit dabei sind", sagte ein Händler. Von den anderen Ländern Irland, Spanien, Italien, Zypern und Portugal sei dies hingegen erwartet worden. Auch mit der Ausweitung des Anleihenkaufprogramms durch die Bank of England um 50 Milliarden auf 325 Milliarden Pfund Sterling hatte der Markt gerechnet.

Positiv aufgenommen wurden die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Sie gingen überraschend um 15.000 zurück, obwohl ein Anstieg um 3.000 erwartet worden war. "Das untermauert einfach das Bild der guten US-Arbeitsmarktdaten von letzter Woche", sagte ein Händler.

Für Kursbewegungen sorgten vor allem Geschäftszahlen von Unternehmen - die Berichtssaison ist in vollem Gang: Daimler führten mit einem Plus von 4,6 Prozent auf 46,68 Euro die Kursgewinner im DAX an. Die Stuttgarter haben beim operativen Gewinn 2011 etwas besser angeschnitten als von Analysten im Konsens erwartet. Vor allem die höhere Dividende wurde im Markt gefeiert: Daimler schlägt hier 2,20 Euro je Aktie vor, dies lag deutlich über der Konsensprognose von 2,04 Euro. Im Sog von Daimler legten auch BMW um 3,7 Prozent und VW um 2,1 Prozent zu.

Händler sprachen von heftigen Umschichtungen in die Automobilwerte - Leidtragende waren die Versorgertitel. "Aus defensiven Aktien geht man weiter raus und in die Autotitel rein", sagte ein Händler. RWE verloren darauf 1,3 Prozent, E.ON 2,2 Prozent. Zudem belasteten schwache Zahlen der französischen GdF Suez die Branche. Lufthansa gaben nach ihren Verkehrszahlen um 1,5 Prozent auf 11,04 Euro nach.

HeidelbergCement hat im vergangenen Jahr mehr Umsatz und Gewinn erwirtschaftet als Analysten im Konsens erwartet hatten. Neben Kosteneinsparungen profitierte das Unternehmen von einem milden Winter. Die Aktie, die zuletzt bereits stark gestiegen war, gab um 0,3 Prozent auf 38,61 Euro nach.

Siemens büßten 0,6 Prozent auf 75,52 Euro ein. Der Industriekonzern könnte das mittelfristiges Umsatzziel von 100 Milliarden Euro anders erreichen als bisher geplant. Das selbstgesteckte Umsatzziel gelte zwar weiter, sagte Finanzvorstand Joe Kaeser in einem Interview mit dem Handelsblatt. "Aber vielleicht muss man die Route neu berechnen," fügte er hinzu. Zudem will der Technologiekonzern Optionsschuldverschreibungen im Wert von 3 Milliarden Dollar ausgeben.

Auch im MDAX gab es kräftige Kursbewegungen. Wacker Chemie sprangen um 7,1 Prozent auf 91,00 Euro. Händler sprachen von Eindeckungen durch Leerverkäufer. Die Aktie sei aus Angst vor schwachen Margen derart leerverkauft worden, dass es 42 durchschnittliche Handelstage benötige, um diese Positionen zu decken.

Hugo Boss stiegen um 0,7 Prozent auf 77,30 Euro. Der Modekonzern hat im vierten Quartal mehr Umsatz und Gewinn verbucht, als vom Vorstand und von Analysten erwartet. Dazu trug nicht zuletzt der Absatz in den hauseigenen Filialen bei. "2011 war ein weiteres Rekordjahr für Hugo Boss. Und auch das Jahr 2012 hat für uns gut begonnen", sagte Vorstandsvorsitzender Claus-Dietrich Lahrs. Rhön-Klinikum legten trotz eher schwacher Daten um 1,7 Prozent auf 15,26 Euro zu.

HeidelbergerDruck waren mit einem Abschlag von 6,5 Prozent auf 1,51 Euro der größte Kursverlierer. Die britische Bank HSBC hat die Aktie abgestuft und begründet dies damit, dass der Hersteller von Druckmaschinen auch im laufenden Geschäftsjahr einen beachtlichen Verlust einfahren dürfte.

DJG/mod/flf 

(END) Dow Jones Newswires

February 09, 2012 12:11 ET (17:11 GMT)

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