23. Mai 2012

XETRA-MITTAG/Stimmungsumschwung mit guten Bond-Auktionen und ZEW

FRANKFURT (Dow Jones)--Günstige Bond-Auktionen in Italien und Spanien sowie ein unerwartet starker deutscher ZEW-Konjunkturindikator lösen an den Kapitalmärkten am Mittag einen Stimmungsumschwung aus. Der DAX steigt gegen 12.02 Uhr um 30 Punkte oder 0,4 Prozent auf 6.768 Punkte und notiert damit in der Nähe seines Tageshochs. Der Markt sei erleichtert, dass Auktionen spanischer und italienischer Schuldenpapiere gut gelaufen seien, trotz der Abstufung der Länder durch die Rating-Agentur Moody's. "Moody's ist nun abgehakt", so ein Händler mit Blick darauf, dass der DAX am Vormittag mit den Abstufungen über weite Strecken kaum verändert oder leicht im Minus gehandelt hatte. Die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen tendieren wenig verändert und reagieren somit nicht auf die Abstufungen. Der Euro löst sich deutlich vom frühen Tagestief bei 1,3126 Dollar und ist wieder über 1,32 Dollar gestiegen.

Ein weiterer Katalysator für den Kursanstieg ist der unerwartet deutliche Anstieg des Konjunkturindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Die Konjunkturerwartungen liegen erstmals seit Mai 2011 wieder im positiven Bereich, die Einschätzung der aktuellen Lage hat sich ebenfalls kräftig verbessert. "Die Daten deuten auf eine schnelle Konjunkturerholung hin", meint ein Marktteilnehmer mit Blick darauf, dass die Konjunktur im vierten Quartal in eine Delle gemündet ist.

Am Morgen hatten weitere Liquiditätsspritzen der japanischen Notenbank stärkere Verluste wegen der Abstufungen durch Moody's verhindert. Das Land will energischer gegen Deflation vorgehen und hat angekündigt, dafür frisches Geld zu drucken. Das Kaufziel für Wertpapiere wurde um 10 Billionen Yen auf 65 Billionen Yen aufgestockt.

Allerdings gibt es auch noch skeptische Stimmen zu den Märkten. Der DAX sei zunächst in einer Handelsspanne zwischen dem Aufwärtstrend bei knapp 6.600 Punkten und dem Jahreshoch bei 6.838 Punkten gefangen. Neu gestellt würden die Weichen voraussichtlich erst vom Treffen der Eurozone-Finanzminister am Mittwoch zur Griechenland-Krise. Hier soll auch die Vereinbarung zum freiwilligen Schuldenschnitt privater Gläubiger veröffentlicht werden. "Sollten sich zu wenig private Gläubiger beteiligen, könnte das die Stimmung wieder belasten", meint ein Marktteilnehmer.

Bei den Einzelwerten stehen Deutsche Börse im Blick. Mit einem Plus von 4,2 Prozent auf 50,84 Euro führen sie die Gewinnerliste im DAX an. Händler verweisen auf die hohe Dividende, inklusive einer Sonderzahlung von 1 Euro schüttet die Börse 3,30 Euro je Aktie aus. Daraus ergibt sich laut der DZ-Bank eine Dividendenrendite von 6,8 Prozent. Durchaus attraktiv, zu Zeiten wenn Bundesanleihen gerade mal 2 Prozent Zinsen abwerfen. Die hohe Dividende überschattet die eigentlichen Geschäftszahlen, die unter den Erwartungen geblieben sind.

MAN liegen nach Geschäftszahlen 1,6 Prozent im Plus bei 83,70 Euro. Und das, obwohl das Unternehmen in die roten Zahlen gerutscht ist. Die von einem Korruptionsskandal gebeutelte Ex-Tochter Ferrostaal hat dem Nutzfahrzeughersteller MAN im Schlussquartal die Bilanz verhagelt. Allerdings kommen die Nachrichten nicht unerwartet. Die BHF Bank spricht von Zahlen, die im Rahmen der Erwartungen ausgefallen sind. Im Handel hofft man auf Synergieeffekte mit Scania. "Die Kooperationsgespräche mit Scania laufen gut", so der MAN-Vorstandschef.

Gut im Markt liegen auch Beiersdorf, die mit einem Plus von 1,2 Prozent auf 47,37 Euro von guten Zahlen des Konkurrenten L´Oreal profitieren. Dagegen verlieren ThyssenKrupp 2,7 Prozent auf 21,31 Euro. Händler und Analysten sprechen von enttäuschenden Zahlen. Zwar sei der Auftragseingang etwas besser ausgefallen, dafür habe der Umsatz die Erwartungen geringfügig verfehlt. Das bereinigte EBIT habe die Erwartungen um 17 Prozent verfehlt. Das Nettoergebnis habe aufgrund von Sondereinflüssen deutlich unter den Erwartungen gelegen. Abermals habe Steel Americas dem Konzern das Ergebnis verhagelt.

DJG/hru/ros 
 

(END) Dow Jones Newswires

February 14, 2012 06:05 ET (11:05 GMT)

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