23. Mai 2012

XETRA-FRÜH/DAX erholt erwartet - Griechenland will liefern

FRANKFURT (Dow Jones)--Hoffnung auf chinesische Schützenhilfe im Kampf gegen die Staatsschuldenkrise im Euroraum und Anzeichen für ein Einlenken der griechischen Regierung bei den Bedingungen für ein zweites Hilfspaket sollten am Mittwoch für eine kräftige Erholung am deutschen Aktienmarkt sorgen. "Die Risikobereitschaft nimmt kräftig zu", so ein Händler mit Blick auf den steigenden Euro, deutlich erholte Rohstoffpreise und gute Vorlagen von den Auslandsbörsen. Der Euro legte in Asien rund einen Cent vom Tief unter 1,31 Dollar zu. An Wall Street und in Asien stiegen die Aktienkurse mit den Nachrichten aus Griechenland zu und bügelten deutliche Verluste aus. Indikationen für den DAX deuten auf ein Plus von 70 Punkten hin und damit einen erneuten Anlauf in Richtung der 6.800er Marke.

Gute Nachrichten für das verschuldete Europa kommen auch aus China: Der Gouverneur der People's Bank of China (PBoC), Zhou Xiaochuan, stellte in der Nacht während des Pekinger EU-China-Gipfels weitere Käufe von in Euro denominierten Vermögenswerten in Aussicht. Bereits zuvor hatte der Chef der chinesischen Notenbank die jüngsten Aussagen von Ministerpräsident Wen Jiabao wiederholt, denen zufolge das Land den Eurorettungsfonds EFSF stärker unterstützen will.

Für Beruhigung sorgen Signale aus Athen, die Führer der beiden griechischen Koalitionsparteien wollten nun doch die von der Eurogruppe geforderten Zusagen über die Implementierung der Sparbeschlüsse im Laufe des Mittwoch abgeben. Damit soll die Haushaltssanierung des Pleite-Landes auch über die Parlamentswahl im April hinaus sichergestellt werden. Damit würde eine Voraussetzung für die Freigabe weiterer Finanzhilfen geschaffen. Auch auf die von den Gebern zur Bedingung gemachten zusätzliche Ausgabenkürzungen über 325 Millionen Euro soll sich das Kabinett geeinigt haben.

Heino Ruland von Ruland Research weist jedoch skeptisch auf den Wahl-Termin im April hin: "Die Frage ist, ob die derzeitigen Regierungsparteien nach der Wahl noch etwas zu sagen haben", sagte er im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Die Umfragen sprächen derzeit eher dagegen.

Angesichts der schwelenden Staatsschuldenkrise dürfte am Vormittag vor allem die erste Veröffentlichung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Gemeinsamen Währungsgebiet die Aufmerksamkeit der Börsianer auf sich ziehen. Volkswirte rechnen für das vierte Quartal mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,4 Prozent gegenüber den vorangegangenen drei Monaten. Auch auf das BIP aus Italien dürfte genau geachtet werden. Für Hoffnung sorgt das überraschend gute BIP aus Frankreich: Es rutschte entgegen der Befürchtung nicht um 0,1 Prozent ins Minus, sondern stieg um 0,2 Prozent.

Aus den USA steht am Nachmittag mit dem Empire-State-Manufacturing-Index der erste regionale Stimmungsindikator für Februar auf dem Programm. Hier lautet der Ökonomenkonsens auf 15,00 nach 13,48 Punkten im Vormonat. Der Empire-State-Manufacturing-Index misst die Aktivität im Verarbeitenden Gewerbe der Region New York. Zusammen mit dem Pendant für die Region Philadelphia gilt er als guter Vorläufer des landesweiten ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe der USA.

Nach den asiatischen Halbleiterwerten dürften auch die europäischen Pendants von der Hoffnung auf einen nachlassenden Preisdruck innerhalb der Branche profitieren. Auslöser sind düstere Perspektiven für den DRAM-Hersteller Elpida. Nach ergebnislosen Verhandlungen mit staatlichen Stellen und privaten Gläubigern haben die Japaner ein dickes Fragezeichen hinter die Fortsetzung ihres Geschäfts gesetzt.

Für die Aktien geht es daraufhin um bis zu 21 Prozent nach unten. Nach dem Motto "des einen Leid, des anderen Freud", ziehen die Kurse der Wettbewerber hingegen kräftig an: Hynix verteuern sich in Südkorea um 6,2 Prozent, Samsung Electronics legen um 2,7 Prozent zu. Auch Infineon dürften davon profitieren, nachdem die Aktie am Vortag fast 5 Prozent abgestürzt war. Belastet hatte hier eine Schadensersatzforderung von 1,7 Milliarden Euro durch den Insolvenzverwalter von Qimonda. Händler rechnen hier mit einer kräftigen Erholung, da die Forderung "unrealistisch" sei.

TUI werden vorbörslich rund 6 Prozent fester gestellt. Die Quartalszahlen werden als gemischt betrachtet, es treibt jedoch der Verkauf von 17,4 Prozent an Hapag Lloyd an das Albert-Ballin-Konsortium in Hamburg.

Munich Re werden kräftig im Plus erwartet, nachdem Morgan Stanley das Kursziel auf 140,80 Euro erhöht hat. Dies liegt 30 Prozent über dem aktuellen Kurs.

DJG/mod/ros 
 

(END) Dow Jones Newswires

February 15, 2012 02:06 ET (07:06 GMT)

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