23. Mai 2012

XETRA-FRÜH/DAX-Anleger gehen weiter auf Risiko

FRANKFURT (Dow Jones)--Auf „Grün" stehen am Donnerstag die Ampeln am deutschen Aktienmarkt. In Griechenland ist eine Einigung der Politiker auf Sparmaßnahmen greifbar nahe, was die Nachfrage nach risikoreichen Anlagen wie Aktien antreibt. Zumal Händler berichten, dass die Anleger auf viel Liquidität sitzen, die investiert werden soll. Ausdruck der zunehmenden Risikoneigung ist der Euro, der zum US-Dollar im frühen Handel erstmals seit zwei Monaten über 1,33 Dollar gestiegen ist. Für den XDAX geht es gegen 8.30 Uhr MEZ um 0,6 Prozent auf 6.790 Punkte nach oben.

Die lang ersehnte Einigung in Athen auf umfangreiche Einsparungen im Haushalt scheint kurz bevor zu stehen. Bei den meisten der von den Hilfsgebern geforderten Reformen konnten sich die Parteispitzen der griechischen Drei-Parteien-Koalition einigen. Unstimmigkeiten gibt es noch über Rentenkürzungen im Volumen von 300 Millionen Euro. Ein Vertreter der Regierungsvertreter sagte, Griechenland sei eine Frist von 15 Tagen eingeräumt worden, um auch in diesen Stolperstein noch aus dem Weg zu räumen. Nach Börsenschluss trifft sich in Brüssel die Eurogruppe. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos hat angekündigt, dorthin zu reisen und ein positives Urteil der Finanzminister der Eurozone zu den griechischen Sparvorschlägen einzuholen.

"Es ist ein reiner Sentiment-Markt, der von solchen Schlagzeilen getrieben wird", sagt ein Händler angesichts der Nachrichten aus Athen. Wie schon am Mittwoch, könnten vor allem die Aktie von Banken und Versicherern davon profitieren. „Der Markt setzt derzeit eindeutig darauf, dass Athen am Ende Geld bekommt", fügt Lutz Karpowitz von der Commerzbank hinzu.

Neben dem schier unendlichen Gezerre um einen Schuldenschnitt und ein zweites Rettungspaket für Athen könnten vor allem die Notenbanker am Mittag Impulse setzen. Angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche in Großbritannien dürfte die Bank of England (BoE) abermals das Volumen des Kaufprogramms für Staatsanleihen aufstocken. Die meisten Ökonomen erwarten einen Aufschlag von 50 Milliarden Pfund, einige Volkswirte rechnen gar mit zusätzlichen 75 Milliarden Pfund. Das könnte die Börsen zusätzlich antreiben.

Auch die EZB wird am Mittag über die künftige Geldpolitik entscheiden. Im Gegensatz zur BoE dürfte die Euro-Notenbank aber zunächst Kurs halten. Schließlich steht der zweite Dreijahrestender zur Versorgung der Banken mit Liquidität erst Ende des Monats an. Dessen Auswirkungen wird EZB-Präsident Mario Draghi wohl erst einmal abwarten. Das erste dieser langfristigen Refinanzierungsgeschäfte verbesserte die Refinanzierungsbedingungen für Europas Kreditinstitute bereits deutlich und trieb die Aktienkurse nach oben.

Für Kursbewegungen an den europäischen Aktienbörsen dürften vor allem Geschäftszahlen der Unternehmen sorgen - die Berichtssaison ist in vollem Gang. Mit Daimler und HeidelbergCement haben vorbörslich zwei DAX-Unternehmen ihre Bücher geöffnet. Aktien von Daimler legen im Frankfurter Handel um 1,6 Prozent zu. Die Stuttgarter haben beim operativen Gewinn 2011 etwas besser angeschnitten als von Analysten im Konsens erwartet. Auch die vorgeschlagene Dividende liegt mit 2,20 Euro je Aktie über der Konsensprognose von 2,04 Euro. HeidelbergCement hat im vergangenen Jahr mehr Umsatz und Gewinn erwirtschaftet als Analysten im Konsens erwartet hatten. Die Aktie springt um 2,9 Prozent nach oben. Neben Kosteneinsparungen profitierte das Unternehmen von einem milden Winter.

Der Modekonzern Hugo Boss hat im vierten Quartal mehr Umsatz und Gewinn erzielt, als vom Management und von Analysten erwartet. Dazu trug nicht zuletzt der Absatz in den hauseigenen Geschäfte bei. Für die Aktie geht es um 2,1 Prozent nach oben.

Siemens handeln unterdessen 1,9 Prozent schwächer. Der Technologiekonzern will Optionsschuldverschreibungen von 3 Milliarden Dollar ausgeben. Das Geld soll zur Refinanzierung anderen Anleihen und für „allgemeine Unternehmenszwecke" verwendet werden.

DJG/bek/kko 
 

(END) Dow Jones Newswires

February 09, 2012 02:36 ET (07:36 GMT)

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