23. Mai 2012

Groupon-Gründer Andrew Mason

„Wir wollen die Preise dynamisch setzen“

Mr. Mason, im Winter 2010 lief das Gerücht, dass Google für Groupon eine Milliardensumme geboten hat. Denken Sie manchmal, dass Sie den richtigen Zeitpunkt verpasst haben, um Ihr Unternehmen zu verkaufen?

23. Januar 2012 Warum sollte ich das tun?

Weil Sie daran ziemlich gut verdient hätten. Haben Sie den Plan, Ihr Unternehmen zu verkaufen?

Lassen Sie es mich so sagen: Ich fühle mich einfach glücklich, die Möglichkeit zu haben, ein unabhängiges Unternehmen zu führen. Wir sind so zuversichtlich wie noch nie, was unsere Zukunft betrifft.
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Es gibt also keine Verkaufspläne?

Nein.

Mit Google Offers haben Sie einen großen Wettbewerber, außerdem gibt es Groupon-Klone rund um den Globus. Ist der Konkurrenzkampf hart?

Ich würde es nicht unbedingt einen harten Wettbewerb nennen. Wir beobachten alle Marktentwicklung und nehmen jeden Konkurrenten ernst - egal ob global oder lokal. Aber ehrlich gesagt: Wir sind selbst unser größter Konkurrent. Unser Erfolg hängt von unseren eigenen Fähigkeiten ab, davon, was wir leisten und von der Frage, wie wir innovativer werden. Unser Erfolg hat mehr damit zu tun, was wir selbst machen, als damit, wie sich unsere Wettbewerber verhalten.

Im November ist Groupon an die Börse gegangen. Wie würden Sie die Entwicklung seitdem bewerten?

Ich denke, unser Abschneiden sollte besser über einen längeren Zeitraum betrachtet werden. Wir sind erst seit drei Monaten börsennotiert. Das ist auch der Grund, warum wir dem kurzfristigen Kursverlauf nicht so viel Aufmerksamkeit schenken. Unser Fokus ist, den Anlegern langfristig Wert zu bieten und beständig an unserem Erfolg zu arbeiten.

Was bedeutet das konkret?

Die eine Aufgabe ist, weiter zu wachsen. Aber wir müssen auch in unsere Zukunft investieren. Das sind Felder, von denen wir denken, dass dort gute Möglichkeiten für ein Unternehmen liegen, das angetreten ist, um fundamental die Art und Weise zu verändern, wie Menschen lokal einkaufen und Händler verkaufen. Zudem muss uns ganz besonders bewusst sein, dass die Internetnutzung immer mobiler wird. Wir sind davon überzeugt, dass Groupon in einer guten Position ist, für Konsumenten Bestandteil des täglichen Lebens und zur ganz normalen Gewohnheit zu werden. Das ist etwas, was auch die Summe an Verkäufen für lokale Geschäfte vergrößern kann.

Wie sehen Ihre mobilen Lösungen aus?

Wir haben in Amerika viel experimentiert und wir werden zwei Innovationen in der ersten Hälfte dieses Jahres nach Europa bringen: Groupon Now, ein Echtzeitdienst für Angebote, und außerdem auf einzelne Kunden zugeschnittene Angebote. Das ist einer der wichtigsten Wünsche, die wir von Kunden hören. Sie wollen Schnäppchen, die für sie relevant sind. Wir haben die letzten Jahre an unserem Smart-Deal-Algorithmus gearbeitet und sind jetzt bereit, diesen auch international einzusetzen.

Welche Daten nutzt dieser Algorithmus?

Wir fragen den Konsumenten etwa, wo er wohnt oder welches Geschlecht er hat. Und wir werden ihn um ein paar weitere Angaben bitten, beispielsweise welche Art von Angeboten ihn besonders interessiert. Dann werden wir aus unserem Katalog genau den einen Deal heraussuchen, der am relevantesten ist für diesen Konsumenten.

Wie wichtig werden mobile Anwendungen wie Groupon Now in Zukunft werden?

Ich denke, es gibt eine Handvoll Branchen, die sich durch Smartphones oder Tabletcomputer fundamental verändert - und der Handel gehört dazu. Wenn ein Konsument, unabhängig vom Standort, immer online sein kann, öffnet das Möglichkeiten, die es mit Desktopcomputern nicht gegeben hat. Wir investieren in Produkte und Technik, von denen wir denken, dass sie zu der Revolution passen, die gerade um uns herum passiert.

Warum sollte ein Konsument etwa zu einer Bäckerei gehen, von der ein Groupon-Now-Angebot stammt, und nicht die nächstbeste nehmen, die näher liegt?

Wir wollen Groupon Now dahingehend entwickeln, dass Konsumenten jeden lokalen Einkauf mit uns beginnen. Es könnte sein, dass eine Bäckerei zwei Häuserblocks entfernt ein Angebot hat und die nächstbeste Bäckerei gerade keines. Dann muss sich der Kunde entscheiden, was er will. Im Laufe der Zeit wollen wir aber Dinge einführen, wie etwa dynamische Preissetzung, um die Bedürfnisse der Konsumenten besser zu befriedigen. Das könnte zum Beispiel so aussehen, dass wir einem Konsumenten, der weiter entfernt von einem Geschäft ist, einfach einen größeren Rabatt anbieten. Da gibt es einen großen Experimentier- und Entdeckungsspielraum.

Sie haben mal gesagt, dass der Konsument an Groupon denken soll, wenn er hungrig ist. Wie wollen Sie das erreichen?

Wie gesagt, wir brauchen einfach gute, attraktive, also direkt und leicht erreichbare Angebote, egal wo der Konsument sich gerade aufhält. Das zu schaffen ist dann unsere Aufgabe: Wenn man mobil Groupon nutzt und weiß, dass dort verlässliche Angebote sind, dann wird man das jedes Mal wieder machen, wenn man hungrig ist.

Um die mobile Strategie in Europa und Deutschland voranzutreiben, haben Sie sich vor kurzem für eine Kooperation mit der Deutschen Telekom entschieden.

Die Zusammenarbeit mit der Telekom ist deshalb so wichtig, weil es ein Wettbewerbsvorteil sein kann, wenn Kunden der Deutschen Telekom einen leichteren Zugang zu Groupon auf ihren Smartphones bekommen. Wir denken, dass die Telekom genau der richtige Partner ist, um mehr Konsumenten zu erreichen. Derzeit liegt der Fokus noch auf dem europäischen Markt, aber da die Telekom mit ihrer Tochter T-Mobile USA auch weiter auf dem amerikanischen Markt engagiert sein wird, werden wir in der nahen Zukunft auch dort über eine Kooperation nachdenken.

Trotz des Erfolgs, den Sie mit Groupon hatten und haben, glauben manche Analysten, dass es für Sie in diesem Jahr schwierig werden könnte. Manche prophezeien gar ein Ende. Wie stehen Sie zu solchen Untergangsphantasien?

(lacht) Ich bin überzeugt, dass wir 2012 überleben werden und auch danach noch lange weiterleben.

Das Gespräch führte Martin Gropp.





Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Roeder, Jan

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