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Ende einer Ära
ThyssenKrupp trennt sich vom Edelstahl
31. Januar 2012 ThyssenKrupp verkauft seine Edelstahlsparte Inoxum an den finnischen Wettbewerber Outokumpu. Bei dem Zusammenschluss werde Inoxum ein Wert von rund 2,7 Milliarden Euro beigemessen, teilte ThyssenKrupp am Dienstag in Essen mit. ThyssenKrupp werde einen Minderheitsanteil von 29,9 Prozent an dem gemeinsamen Unternehmen erhalten.
Der Aufsichtsrat der ThyssenKrupp AG, der der Transaktion noch zustimmen muss, werde am Nachmittag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammentreffen. ThyssenKrupp hatte im Mai 2011 angekündigt, sich bis Ende 2012 von seiner Edelstahl-Sparte trennen zu wollen.
Verzicht auf auf betriebsbedingte Kündigungen
Die Verhandlungspartner hätten am Dienstagmorgen eine Einigung mit den Arbeitnehmervertretern erzielt, teilte ThyssenKrupp weiter mit. Diese beinhalte unter anderem Regelungen zur Standort- und Beschäftigungssicherung.
Die Produktion im Stahlwerk Krefeld soll den Angaben zufolge schrittweise bis Ende nächsten Jahres eingestellt werden. Das Stahlwerk am Standort Bochum werde mindestens bis Ende 2016 fortgeführt. Grundsätzlich solle bis Ende 2015 auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden.
Ende einer Ära
Edelstahl findet sich zwar in jedem Haushalt - doch die Herstellung ist für die Unternehmen in Europa seit langem kein gutes Geschäft. Selbst in Boomjahren wie 2010 gelang es Weltmarktführer ThyssenKrupp nur mit großer Mühe, schwarze Zahlen in seiner Traditionssparte zu erzielen. Jede Konjunktureintrübung drückte dagegen den Bereich gleich in die Verlustzone. Als Grund hat die Branche hohe Überkapazitäten ausgemacht, änderte daran aber wenig. Der Verkauf des Edelstahlgeschäfts von ThyssenKrupp an den Konkurrenten Outokumpu könnte diesen Stillstand nun beenden.
Für ThyssenKrupp bedeutet die Trennung das Ende einer rund 100-jährigen Ära. Der Krupp-Konzern gilt als einer der Erfinder von nichtrostendem Stahl. Am 17. Oktober 1912 wurde das Patent für die „Herstellung von Gegenständen, die hohe Widerstandskraft gegen Korrosion erfordern...“ angemeldet. Das war der Beginn einer langen Erfolgsgeschichte.
Seine Güte erhält Edelstahl durch verschiedene Legierungszusätze, darunter mindestens 10,5 Prozent Chrom. Sie machen normalen Stahl zu einem rostfreien Werkstoff, der in fast allen Bereichen eingesetzt wird. Das Material gilt in Industrie, Medizin, Luft- und Raumfahrt und Bauwesen als unverzichtbar. Aber auch im täglichen Leben - in Küche und Bad - findet sich jede Menge Edelstahl. Es ist Werkstoffbasis sowohl für alltäglich vertraute Haushaltsgeräte als auch für technisch anspruchsvolle und sensible Einsatzbereiche.
Edelstahl gilt eigentlich als Wachstumsmarkt. Und doch gibt es Probleme. Zuletzt konnten die Hersteller in Europa kaum noch auskömmliche Preise erzielen. Dafür machen sie die asiatische - vor allem die im vergangenen Jahrzehnt rasant gewachsene chinesische - Konkurrenz verantwortlich.
Mit staatlichen Hilfen gepäppelt, haben die neuen Konkurrenten zunächst vor allem für den eigenen Bedarf in China produziert, drängen nun aber immer stärker ins Ausland. Anders als bei normalem Stahl sind die Mengen beim Edelstahl nicht so groß, Transportkosten fallen deshalb nicht so stark ins Gewicht. Inzwischen macht nach Branchenangaben Edelstahl aus Asien rund ein Fünftel des europäischen Marktes aus.
Bislang taten sich die europäischen Hersteller schwer, die eigenen Überkapazitäten anzupassen und den Markt zu konsolidieren. ThyssenKrupp gab etwa in der Wirtschaftskrise 2009 die Suche nach einem Partner auf. Dabei spielte auch die Angst vor zu harten Auflagen der Wettbewerbsbehörden eine Rolle. Denn der Edelstahlmarkt in Europa ist klein. Neben ThyssenKrupp und Outokumpu mischen noch der spanische Konzern Aceriniox und Aperam, eine Ausgliederung des weltgrößten Stahlkonzerns ArcelorMittal mit.
Doch angesichts der immensen Konkurrenz und der schwierigen Lage der europäischen Edelstahlhersteller hoffen Outokumpu und ThyssenKrupp, dass ihnen die Behörden für den Zusammenschluss keine zu großen Hürden aufbauen. Die Unternehmen verweisen darauf, dass ihre Produkte sich gut ergänzen. So produziert ThyssenKrupp etwa vor allem für die Autobranche und Hersteller von weißer Ware wie Miele, Outokumpu für die Chemie- und Energieindustrie. Für Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel etwa steht fest, dass das Geschäft gut für den gesamten Markt ist.
ThyssenKrupp selbst hätte damit den größten Brocken bei seinem Konzernumbau beiseitegeschafft. Der seit gut einem Jahr amtierende Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger will sich so Luft für Investitionen in das von ihm als zukunftsträchtiger eingestufte Technologiegeschäft verschaffen. Dabei bremste ihn bislang ein Schuldenberg von zuletzt noch gut 3,5 Milliarden Euro.
Text: AFP
Bildmaterial: dapd, dpa
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