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Douglas
„Thalia soll in zwei Jahren wieder nachhaltig Geld verdienen“
10. Dezember 2012 Der Spruch von der „Advent“-Überraschung für den Hagener Handelskonzern Douglas Holding ist inzwischen zwar reichlich abgegriffen, aber Ende vergangener Woche passte er dann doch noch einmal. 93 Prozent der Aktien konnte die Beteiligungsgesellschaft Advent International zusammen mit der Douglas-Gründerfamilie Kreke bei ihrem Übernahmeangebot bis dahin einsammeln - eine Quote, die beide Seiten trotz des hohen Angebotspreises von 38 Euro je Aktie nicht unbedingt erwarten konnten. „Das hat uns positiv überrascht“, sagt Henning Kreke, der Vorstandsvorsitzende der Douglas Holding AG. „Jeder von uns hatte seine private Vermutung, wir lagen aber alle falsch“, ergänzt Ranjan Sen, der als einer von zwei Deutschland-Geschäftsführern von Advent das Douglas-Investment leitet.
Denn jetzt ist die Schwelle von 95 Prozent, die einen Rückzug von der Börse deutlich erleichtern würde, plötzlich in greifbare Nähe gerückt. Aus dem Börsenindex M-Dax scheidet die Douglas-Aktie wegen des inzwischen sehr geringen Streubesitzes ohnehin aus (F.A.Z. vom 10. Januar). Und sowohl Advent als auch Kreke hätten nichts dagegen, Douglas künftig ohne den Zwang zu Quartalsberichten zu führen. „Wir warten nun die nächsten 14 Tage ab. Aber wenn man über 95 Prozent kommen sollte, ist ein Squeeze-out eine Option, die die Gesellschafter prüfen werden“, kündigt Sen an.
Zeit zum Nachdenken, was man mit einem deutschen Konsumgüterkonzern und seinen Geschäftsbereichen Parfüm (Douglas), Schmuck (Christ), Bücher (Thalia), Mode (Appelrath Cüpper) und Süßwaren (Hussel) alles machen könnte, hatte der Finanzinvestor genug. Denn es vergingen Monate, in denen zunächst die anderen Großaktionäre, nämlich die Familie Oetker, weitere Nachfahren des Unternehmensgründers Herbert Eklöh sowie der Drogeriemarktbesitzer Erwin Müller, überzeugt werden mussten, bevor Advent die offizielle Übernahmeofferte lancieren konnte. Dafür soll es nun im Schulterschluss mit der Unternehmerfamilie Kreke umso zügiger vorangehen, wobei Sen mehrfach betont, dass keine radikalen Umbrüche bevorstehen, aber der eine oder andere neue Akzent gesetzt wird. „Henning Kreke und sein Managementteam führen weiter das operative Geschäft. Wir sehen uns als der Sparringspartner, der neue Impulse setzen kann“, beschreibt Sen die Rollenverteilung.
Dass Advent und die Krekes auf einer Linie liegen, zeige sich auch daran, dass Henning Kreke den Konzern weiter lenken und sein Vater Jörn Kreke weiter Aufsichtsratsvorsitzender bleiben soll, versichert Sen. „Das ist nicht eine Frage der Höflichkeit gegenüber der Familie Kreke. Wir wollen vielmehr grundsätzlich die besten Teams, denn das ist Teil des Geschäftsmodells von Advent.“ Die Familie wird ihren Anteil an Douglas am Ende der Transaktion auch von bisher 12 auf dann 20 Prozent aufstocken. „Für uns war es bei der vor fast einem Jahr auf den Weg gebrachten Transaktion ein klares Anliegen, den Einfluss der Familie bei Douglas zu erhöhen“, blickt Kreke zurück. Tatsächlich sei der Einfluss eher größer als 20 Prozent, ergänzt Sen und spricht von einer „Partnerschaft auf Augenhöhe“. Advent wolle von der langjährigen Erfahrung der beiden Vollbluthändler profitieren. „Ich weiß, dass klingt alles schön weihnachtlich, aber es ist durchaus ernst gemeint. Advent wird Douglas bei den anstehenden Herausforderungen partnerschaftlich zur Seite stehen“, sagt er.
Advent versteht sich nach Sens Beschreibung als Impulsgeber - und vor allem als Türöffner für ferne Regionen wie Asien, Südamerika oder Osteuropa. Dort ist der Handelskonzern bisher noch nicht präsent. „Wir stehen beispielsweise schon im Dialog mit unserem Büro in Schanghai, um zu prüfen, wie die Douglas-Parfümerien möglicherweise den Einstieg in China angehen könnten. Ist dies sinnvoller über ein Gemeinschaftsunternehmen oder geht man besser direkt mit einem Dutzend Parfümerien im Großraum Peking oder Schanghai an den Start?“, beschreibt Sen die in Angriff genommenen ersten Themenkomplexe. „Für uns eröffnen sich durch die Partnerschaft mit Advent neue Kontakte für Zugänge in verschiedenen Märkten, die wir zuvor so nicht hatten“, ergänzt Kreke. „Das gilt vor allem für unsere Douglas-Parfümerien.“
Aber Advent ist auch als Finanzinvestor bekannt, der seinen Beteiligungen ehrgeizige Ziele setzt. Und von daher könnte der Wind im Douglas-Konzern durchaus ein wenig rauher werden. Das gilt insbesondere für Thalia, die angeschlagene Buchhandelskette. Mit der Aussage, dass die Krise nicht nur den Marktführer, sondern alle großen stationären Buchhandelsketten treffe, wird sich Advent nicht zufriedengeben. Und die schon von Kreke eingeleitete Restrukturierung, die bislang die Schließung von 15 der 300 Thalia-Standorte vorsieht, komme zwar gut voran, müsse aber „eng begleitet und sofern erforderlich neu kalibriert werden“, formuliert es Sen.
Am Markt wird schon seit längerem spekuliert, dass Kreke sich auch deshalb mit einem Finanzinvestor verbünden wollte, um die notwendigen harten Maßnahmen nicht allein verantworten zu müssen. Weitere Filialschließungen seien jedenfalls nicht auszuschließen, sagt er nun und gibt als Ziel vor: „Wir wollen Thalia innerhalb der nächsten 24 Monate so aufstellen, dass dort wieder nachhaltig Geld verdient wird.“ Was dann mit der Buchhandelskette geschieht, ob sie Teil von Douglas bleibt oder verkauft werden soll, lassen beide Partner offen. „Das werden wir entscheiden, wenn es soweit ist“, sagt Kreke und erinnert daran, dass der Handelskonzern seit jeher ein aktives Portfoliomanagement betrieben und immer wieder Unternehmen gekauft oder veräußert hat. Zunächst müsse Thalia die Vorgabe erfüllen, wenigstens wieder die Kapitalkosten zu verdienen. Ein Ziel, das in der Private-Equity-Welt nicht allzu ambitioniert daherkommt. „Aber jetzt wollen wir erst einmal unsere bisher gesteckten Ziele erreichen. Und wenn die einzelnen Gesellschaften mehr verdienen können, sagt niemand nein“, ergänzt Sen.
Aus Sicht von Advent steckt in Douglas noch sehr viel Potential, das es gemeinsam zu heben gilt. „Die Unternehmensgruppe soll sich künftig noch innovativer im Markt behaupten.“ Bei den Parfümerien und der Juwelierkette Christ soll die weitere Internationalisierung im Fokus stehen, wobei sich Christ zunächst die europäischen Nachbarländer vornehmen will. Aus den neu gewonnenen Kontakten könnten sich nach den Worten von Kreke zudem durchaus interessante Akquisitionsmöglichkeiten ergeben. Wachsen soll Douglas überdies über eine noch stärkere Verzahnung des stationären Handels mit dem Online-Geschäft, das bisher nur in Deutschland richtig angelaufen ist und dort etwa 10 Prozent des Umsatzes ausmacht. „Hier sind weiter zweistellige Wachstumsraten möglich“, beschreibt es Kreke. „Und das wollen wir nun international ausrollen.“
Die Mittel für solche Investitionen seien vorhanden, versichern beide Seiten. Zudem hat Advent die Übernahme, die einen Gesamtwert von rund 1,5 Milliarden Euro hat, zur Hälfte mit eigenen Mitteln finanziert und dem neuen Konzern damit eine Eigenkapitalquote von 50 Prozent verpasst. Das ist ein Wert, der auch die weitere Aufnahme von Fremdkapital ermöglichen würde, obwohl Sen den Gedanken an eine Unternehmensanleihe derzeit zurückweist. Die Zinskosten dafür wären zu hoch, argumentiert er. Dass für die Übernahme neben Bankkrediten auch ein - meist sehr teures - Mezzaninkapital von 200 Millionen Euro aufgenommen wurde, sei keine Vorgabe der beteiligten Banken gewesen, betont er. „Wir haben uns bewusst für eine konservative Finanzierungsstruktur entschieden und sehen keinen Grund für eine Veränderung“, sagt Sen.
Und wenn in ein paar Jahren das Ende der Partnerschaft naht, weil Advent nur ein Eigentümer auf Zeit ist und die Familie Kreke eher in Jahrzehnten denkt? Was kommt dann? Ein Vorkaufsrecht für die von Advent gehaltenen Aktien habe die Familie Kreke nicht, sagt der Douglas-Lenker, der nach eigenem Bekunden ein sehr herausforderndes, spannendes Jahr absolviert hat und sich nun wieder auf „normale Tagesarbeit“ als Händler freut. Mehr wollen sich beide am Start des neuen Abschnitts in der Douglas-Geschichte zum „Exit“ nicht entlocken lassen, obwohl er sicher ein wichtiger Teil ihrer Gespräche in den vergangenen Monaten war. „Was die Zukunft bringt“, sagt Kreke, „das lassen wir mal auf uns zukommen.“ Und Sen fügt augenzwinkernd hinzu: „Am Anfang einer Ehe redet man bestimmt nicht gleich wieder über ihr Ende.“
Henning Kreke ist Vorstandsvorsitzender der Douglas Holding, Ranjan Sen ist Geschäftsführer von Advent. Das Gespräch führten Brigitte Koch und Holger Paul.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Advent International, F.A.Z., Wresch, Jonas
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