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Breitbandanschlüsse
Telekom mietet Leitungen von Netcologne
Von Helmut Bünder, Bonn
15. Januar 2012 Der Markt für schnelle Breitbandanschlüsse kommt in Bewegung: Die Deutsche Telekom mietet für den Zugang zu ihren Endkunden zum ersten Mal die Glasfaserleitungen eines Wettbewerbers. Dazu hat der Bonner Konzern einen Kooperationsvertrag mit dem Kölner Stadtnetzbetreiber Netcologne abgeschlossen, dem bald ähnliche Vereinbarungen mit anderen Konkurrenten folgen sollen. „Netcologne und die Deutsche Telekom wollen sich in Zukunft die gegenseitige Netznutzung für schnelle Internetanschlüsse ermöglichen. Solche Kooperationen streben wir auch mit anderen Unternehmen an“, sagte Telekom-Deutschlandchef Niek Jan van Damme der F.A.Z.
Netcologne ist einer der Vorreiter beim Glasfaserausbau. Die Leitungen führen bis in die Wohnhäuser („Fibre to the Building“, FTTB) und ermöglichen dort schnelles Surfen mit Geschwindigkeiten von bis zu 100 Megabit in der Sekunde.
Auf dieser Infrastruktur wird die Telekom nun versuchen, Kunden für eigene Angebote zu gewinnen. Netcologne mietet im Gegenzug zu Sonderkonditionen VDSL-Anschlüsse der Telekom an, um Lücken im eigenen Hochgeschwindigkeitsnetz zu schließen. Die VDSL-Technik führt die Glasfaser bis zu den Schaltkästen der Telekom heran und verkürzt so die Strecke, die zuvor mit den alten Kupferleitungen überbrückt werden musste. Auf diese Weise lassen sich Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit in der Sekunde erreichen, ein Vielfaches dessen, was ein Standardanschluss bietet.
Telekom hat Investitionen gestutzt
Obwohl regional auf das Verbreitungsgebiet von Netcologne im Regierungsbezirk Köln begrenzt, markiert der Vertrag einen Wendepunkt: Erstmalig tritt der Ex-Monopolist, der die „letzte Meile“ in die Kundenhaushalte viele Jahre unter eigener Kontrolle hatte, als Einkäufer von Festnetzanschlüssen auf. „Das ist ein wichtiger Schritt für die Marktentwicklung. Wir sind stolz darauf, als erstes Unternehmen in Deutschland eine solche Vereinbarung mit der Deutschen Telekom geschlossen zu haben“, sagte Hans Konle, Geschäftsführer von Netcologne, der F.A.Z. Das Unternehmen hatte zuvor auch mit Vodafone über eine Kooperation gesprochen. Der Düsseldorfer Telekom-Konkurrent will diese Pläne aber nicht weiterverfolgen.
Ihre Investitionspläne für ein eigenes Glasfasernetz hat die Deutsche Telekom wegen der hohen Kosten und einer noch verhaltenen Nachfrage zurückgestutzt. Ursprünglich wollte sie bis Ende dieses Jahres bis zu vier Millionen Haushalte mit Glasfaser versorgen. Jetzt ist nur noch von wenigen hunderttausend Anschlüssen die Rede. Stattdessen sucht der Konzern verstärkt die Zusammenarbeit. „Durch die gemeinsame Nutzung wird der Ausbau wirtschaftlicher, weil die Netze so besser ausgelastet werden“, sagte van Damme. Weit gediehen sind auch die Gespräche mit verschiedenen Energieversorgern. Weil rund zwei Drittel der Gesamtkosten auf den Tiefbau entfallen, bietet es sich an, dass die Netzgesellschaften bei der Verlegung neuer Strom- und Gasleitungen gleich auch Glasfaserkabel oder Leerrohre vergraben. Diese passive Infrastruktur könnten sie anschließend der Telekom vermieten. Alternativ sei die Gründung von „Joint Ventures“ denkbar, die die Netze bauen und gemeinsam betreiben, sagte van Damme.
Unter dem Schlagwort „open access“, also freier gegenseitiger Zugang, ringt die Branche seit zwei Jahren um eine engere Zusammenarbeit beim Ausbau des flächendeckenden Turbo-Netzes. Die Gesamtkosten dafür werden auf bis zu 50 Milliarden Euro veranschlagt, was selbst die Deutsche Telekom nicht allein stemmen kann. Die Glasfaserinfrastruktur entsteht deshalb als Flickenteppich einzelner Regionalnetze verschiedener Betreiberunternehmen. Unter Moderation der Bundesnetzagentur hatten sie sich im vergangenen Jahr auf gemeinsame technische Standards und Schnittstellen verständigt. Die Zugangspreise sollen dagegen jeweils bilateral ausgehandelt werden. Eine Preisregulierung im Glasfasernetz wollen die investierenden Unternehmen vermeiden.
Den Telefonunternehmen sitzt die Konkurrenz der Kabelnetzbetreiber im Nacken, die mit ihren auf 100 Megabit und mehr aufgerüsteten Netzen und vergleichsweise günstigen Preisen immer mehr Breitbandkunden an sich binden. Fast jeder zweite Neukunde hat sich im vergangenen Jahr für einen Kabelanbieter entschieden. Rund 13 Prozent der deutschen Haushalte surfen inzwischen über das TV-Kabel. Im Vergleich dazu führen Glasfaseranschlüsse immer noch ein Schattendasein. Führend sind bisher einige Stadtnetzbetreiber. So hat Netcologne bis November vergangenen Jahres rund 65 000 zahlende Nutzer gewonnen. Auch in anderen Großstädten wie in München und Augsburg, wo M-Net die Hochgeschwindigkeitsleitungen verlegt, geht es voran.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa
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