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Arbeitsmarkt
Personalbedarf knackt Rekordmarke
Von Sven Astheimer
30. August 2011 Der Personalbedarf der deutschen Wirtschaft steigt ungeachtet aller Konjunktursorgen weiter. Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit legte nach einem leichten Rückgang im Vormonat im August um 5 Punkte zu und erreichte mit 170 Zählern sogar ein neues Rekordhoch. „Die Nachfrage steigt in fast allen Branchen“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde.
In der Bauvorbereitung, dem Maschinenbau, der Metallindustrie, in Architektur- und Ingenieurbüros, im Handel und der Logistik habe die Einstellungsbereitschaft gegenüber dem Vorjahr um mehr als ein Viertel zugenommen. Auch in der Gastronomie, dem Gesundheits- und Sozialwesen, im Gebäudemanagement und dem öffentlichen Dienst seien viele Stellen frei. Jede dritte neue Stelle stammt aus der Zeitarbeit. Die vollständigen Monatsdaten stellt die Bundesagentur an diesem Mittwoch in Nürnberg vor.
Eine Studie hat die Debatte über die Bedeutung des Niedriglohnsektors neu entfacht. „Der Niedriglohnsektor in Deutschland ist für Millionen Menschen der Einstieg in eine besser bezahlte Beschäftigung“, lautet die verbreitete Zusammenfassung eines Gutachtens, welches das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) im Auftrag der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erstellt hat. Demnach schaffen jährlich ein Viertel aller Geringverdiener den Sprung zum Normalverdiener. Den umgekehrten Weg gehen weniger als 5 Prozent.
Niedriglohnsektor schützt vor Armut
Die Studie basiert auf Daten aus dem sozioökonomischen Panel, einer seit 1984 durchgeführten Befragung von rund 20.000 Personen. Zur Abgrenzung zwischen Normal- und Niedriglohnbereich wurde ein Stundenlohn von rund 9 Euro zugrunde gelegt. Dies entspricht der gängigen Definition von zwei Dritteln des mittleren Lohns. Nach dieser Definition ist der Anteil der Geringverdiener an allen Beschäftigten von rund 16 Prozent Mitte der neunziger Jahre auf mehr als 22 Prozent 2009 gewachsen. Der Studie zufolge schützt der Niedriglohnsektor auch vor Armut.
Während unter den Geringverdienern 16 Prozent als armutsgefährdet gelten, sind es unter Arbeitslosen rund 60 Prozent. Häufig stelle Niedriglohnarbeit in Form von Teilzeitarbeit oder Minijobs einen Zuverdienst zum Haushaltseinkommen dar. Eine dritte Erkenntnis sei, dass die Angst der Mittelschicht vor einem Abrutschen in den Niedriglohnbereich empirisch nicht begründet ist. Der Bereich der Normalverdiener sei in den vergangenen Jahren konstant geblieben, sagte Studienautor Holger Schäfer vom IW. „Per saldo hat der Niedriglohnsektor neue, zuvor nicht existente Beschäftigungsgelegenheiten geschaffen.“
INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr sprach angesichts der Ergebnisse von Niedriglöhnen als „Einstiegslöhnen“ und warnte davor, den Arbeitsmarkt stärker zu regulieren: „Mindestlöhne verhindern nicht nur den Einstieg in den Arbeitsmarkt, sondern auch den finanziellen Aufstieg.“ Brigitte Pothmer, die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, verwies in ihrer Stellungnahme darauf, dass drei Viertel der Niedriglöhner den sozialen Aufstieg nicht schafften und deshalb eine allgemeine Lohnuntergrenze notwendig sei. Vom Niedriglohnsektor als „sozialem Sprengstoff“ sprach Klaus Wiesehügel, der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen- Agrar-Umwelt und forderte von der Regierung einen flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2012.
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