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BASF
Margret Suckale warnt vor englischen Verhältnissen
16. September 2011 Wie hat sie es geschafft, als erste Frau in der 146 Jahre währenden Unternehmensgeschichte in den Vorstand der BASF einzuziehen? Diese Frage amüsiert Margret Suckale. Schließlich hat sie sich einen Namen gemacht. Im Tarifkonflikt mit der Lokführergewerkschaft GDL kämpfte sie als Personalverantwortliche öffentlich für die Belange der Deutschen Bahn. Und sie erreichte am Ende einen gesichtswahrenden Kompromiss für beide Seiten. Sie hat Anfeindungen standgehalten und sich Achtung erworben. Am Anfang hielten sie manche noch für die Pressesprecherin, später dann wurde sie für viele Fernsehzuschauer zum Gesicht der Bahn. Nein, die Tatsache, dass sie eine Frau sei, war es wohl nicht allein, dass sie jetzt bei der BASF sei, sagt sie und lacht. „Ich bringe auch Sachverstand mit.“
Im BASF-Vorstand trägt die 55 Jahre alte Juristin seit Mai nicht nur die Verantwortung für die weltweit mehr als 100.000 Mitarbeiter. Ihr unterstehen zugleich die großen Verbundstandorte des Konzerns in Europa, und sie ist als Arbeitsdirektorin für das Stammwerk in Ludwigshafen zuständig – mit 33.000 Mitarbeitern der größte Chemiestandort der Welt. Zudem liegen der Service und die Wartung der Anlagen, der Umweltschutz, der Arbeitsschutz und die Betriebssicherheit in ihren Händen. „Es gibt im Dax vermutlich keine vergleichbare Position mit dieser Breite“, sagt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. „Solch eine Aufgabe wird einem nur einmal angeboten.“
Ein neues Zentrum für „Work-Life-Management“
Was sie bei der Bahn erlebt hat, soll sich bei der BASF jedenfalls nicht wiederholen. Das Thema der Tarifeinheit sei schließlich immer noch nicht gelöst, sagt sie. Seit das Bundesarbeitsgericht im Vorjahr die bisherige Praxis gekippt habe, bestehe die Gefahr, dass kleine Interessengruppen ganze Unternehmen lahmlegten. Dabei gehe es nicht nur um Lufthansa und die Piloten oder die Bahn und die Lockführer – „treffen kann es jeden“. Tatsächlich wächst in der produzierenden Industrie die Sorge, dass etwa Sicherheitspersonal oder Feuerwehren ihre Sonderstellungen zu einem ähnlichen Arbeitskampf nutzen könnten. „Wir müssen aufpassen, dass es keine englischen Verhältnisse gibt und der Standort leidet.“
Gemeinsam mit anderen Unternehmen und der Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände werde die BASF deshalb in Berlin weiter um eine rechtliche Neuregelung kämpfen, auch wenn der Deutsche Gewerkschaftsbund die Gemeinschaftsinitiative kürzlich verlassen hat. Man solle die Tarifeinheit gesetzlich verankern, „denn sie war in den letzten 60 Jahren die Basis für eine stabile Sozialpartnerschaft“. Von den eigenen Führungskräften verlangt Suckale ebenfalls soziale Kompetenz. „Jemand, der ein Superexperte ist, aber keine guten Führungseigenschaften hat, wird bei uns als Führungskraft keine Karriere machen.“ Eine Frauenquote lehnt die erste Frau im Vorstand zwar ab, die Vielfalt im Konzern, die Internationalität und eine breit gefächerte wissenschaftliche Ausbildung will sie dennoch fördern. Den Kampf um Mitarbeiter gewinne man ohnehin nicht mehr nur über Gehälter. In den nächsten zwei Jahren soll deshalb in direkter Nachbarschaft des Werks ein neues Zentrum für „Work-Life-Management“ entstehen, mit Gesundheitsberatung, Fitnesscenter und deutlich ausgebauter Kinderbetreuung.
Rund 500 Stellen aufbauen
Am Stammsitz in Ludwigshafen obliegt Suckale die Umsetzung eines ambitionierten Investitionsprogramms. Bis Ende 2015 will der Konzern 9 bis 10 Milliarden Euro in die Hand nehmen, zwei Drittel davon sollen in Gebäude und Anlagen fließen. Im neuen Standortvertrag sind Kündigungen bis 2015 ausgeschlossen, in diesem Jahr wird der Konzern erstmals seit längerem wieder rund 500 Stellen aufbauen.
Ob die Chemiekonjunktur den Wachstumsplänen Rückenwind verschafft, ist indes noch offen. Nach fulminantem Wachstum im ersten Halbjahr zeichnen sich nämlich graue Wolken ab. Man sehe zwar zurzeit keinen Anlass zur Sorge, „aber die Eurokrise und die hohe Staatsverschuldung einiger Euroländer sind Risiken für die weitere Konjunkturentwicklung“. Die BASF gehört zu den Initiatoren einer Kampagne, in der 50 deutsche und französische Spitzenmanager im Sommer per Zeitungsanzeige vor einem Scheitern des Euro warnten. An dieser Forderung hat sich bis dato nichts geändert. „Vielen ist nicht klar, welche Vorteile der Euro bringt, weil er so selbstverständlich ist.“
Text: F.A.Z. / tag.
Bildmaterial: Andreas Pein
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2012.
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