25. Mai 2013

Promi-Paare

Karrieren im Scheinwerferlicht

Von Henning Peitsmeier und Susanne Preuß
09. Februar 2013 Das Anbandeln ist nicht so einfach für Prominente. Kaum vorstellbar, dass Dieter Zetsche nach einen Internet-Flirt beim Date auftaucht, und die Chance, eine naturverbundene Schönheit beim Baumschnittkurs des Gartenbauvereins Heckengäu kennenzulernen, hat der Vorstandsvorsitzende des Daimler-Konzerns auch eher nicht. In der Welt der Topmanager gibt es andere Gelegenheiten: Transatlantikflüge zum Beispiel oder Talkshows oder, wie im Fall des Stuttgarter Schnauzbartträgers, das 125-Jahr-Jubiläum des Automobils, moderiert vom Multitalent Desirée Nosbusch. An jenem Abend dürfte es gefunkt haben, wobei: Genaueres weiß man nicht. Nur, dass die beiden jetzt, zwei Jahre später, ein Paar sind.
Und wie alle berühmten Paare müssen Zetsche und Nosbusch nun mit den Schnüffeleien der Boulevardmedien leben. Aber nicht nur die interessieren sich für Privates. Ein Wirtschaftsjournalist des Luxemburger „Tageblatt“ robbt sich an Dieter Zetsche heran und wagt den Vorstoß. Schließlich kommt er aus Esch-sur-Alzette, dem Heimatstädtchen der heute 48 Jahre alten Medienfrau. Ein von der Stahlindustrie geprägter Ort, ohne Glamour sonst, aber jetzt, wenn neben Desirée der Herr der Sterne strahlt, ist das natürlich ein Thema. Die Gelegenheit ist günstig: am Abend vor der Jahrespressekonferenz mischen sich traditionell die Daimler-Vorstände unter die Journalisten, die anreisen, um über Erfolg und Misserfolg des Stuttgarter Konzerns zu berichten. Aus Luxemburg kam bisher niemand. Dieses Jahr sind es gleich drei Kollegen, die der Einladung der dortigen Vertriebsniederlassung zu einer Reise nach Stuttgart gefolgt sind. Zufall? Zetsche jedenfalls ist präpariert: Er würde ja auch fragen, wenn er in der Rolle des Journalisten wäre, aber er würde dann wohl genau die Antwort erwarten, die er als Dieter Zetsche jetzt gebe: Privatsache, nichts als Privatsache. Dann klingelt praktischerweise Zetsches Handy, und er kann dem Thema entfliehen. Bis der nächste fragt. Als zu fortgeschrittener Stunde ein französischer Journalist Zetsche zu seiner neuen „D-Klasse“ gratuliert, muss der Konzernchef das auch noch ertragen, aber wieder klingelt das Handy.
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Das Thema müsste damit vorläufig abgehakt sein. Selbst die Neugier der Vorstände ist schon befriedigt: gegenseitiges Beschnuppern war schon einmal möglich, als sich die Vorstandsmitglieder informell mit Partner trafen, wie man es bei Daimler ab und zu tut. Getuschel kann so gar nicht erst aufkommen.
Auch der Klatschpresse haben Nosbusch und Zetsche bisher wenig Aufsehenerregendes geliefert. Das erste Auftreten ohne Fehl und Tadel beim Mercedes-CSI Zürich, dem bedeutendsten Springreitturnier der Schweiz: Nosbusch wieder einmal als Moderatorin, Zetsche als Vertreter des Sponsors und als ein leidenschaftlicher Reiter zumal. Dass Zetsche wenig später Nosbusch nicht bei der Verleihung der Goldenen Kamera besirgleitete, sondern sie danach im Berliner In-Lokal „Borchardt“ erwartete, durfte die Boulevard-Presse noch erfahren. Das Signal: die Beziehung soll keine geheime, aber bitte auch keine öffentliche sein.
Als Prototyp der deutschen Powerpaare gilt die Liaison von Nina Ruge und Wolfgang Reitzle. Vor 15 Jahren, im Showbusiness eine halbe Ewigkeit, kamen die damalige ZDF-Moderatorin („Leute heute“) und der einstige Automanager (BMW und Ford) zusammen. Jetzt, da das Liebespaar Nosbusch-Zetsche für Schlagzeilen sorgt, könnten Ruge und Reitzle ebenfalls wieder ins Rampenlicht rücken, sollte man meinen. Weit gefehlt! „Die Anfragen nach Homestorys haben keineswegs zugenommen“, sagt ein Unternehmenssprecher von Linde, dem Industriegase-Spezialisten, bei dem Reitzle vor zehn Jahren den Chefposten übernommen hat. Weniger hatte es damals Zweifel gegeben an der 2001 geschlossenen Ehe mit der prominenten Blondine, als an Reitzles Karrieresprung von der Ford-Sparte „Premier Automotive Group“ an die Spitze eines Dax-Konzerns. Ein einziges Missverständnis sei die Beziehung von Reitzle und Linde, hieß es lange. Auf Automessen war Reitzle ein Star, stets umringt von Journalisten und Managern. So einen genialen Techniker wollte man sich nicht in einem biederen Gasladen vorstellen.
Eine Lifestyle-Moderatorin mit dem markigen Spruch „Alles wird gut!“ dagegen passte perfekt zu dem eitlen Manager, dem sie in der PS-Branche wegen seines Menjou-Bärtchens den Spitznamen Errol Flynn gegeben hatten. Doch die Welt des Glitzers und Glamours hat Reitzle und Ruge selten zusammen erlebt. Sie wählten gemeinsame Termine sehr sorgfältig aus, heißt es. Und dann sind es Veranstaltungen wie in der vergangenen Woche im Rahmen der Münchner Sicherheitskonferenz, als Ruge ihren Ehemann zu einem großen Abendessen beim Promi-Gastronom Michael Käfer begleitete. „Mein Stil ist eher das feinsinnige Understatement“, hat Reitzle einmal gesagt.
So ein Satz ist von Carsten Maschmeyer nicht überliefert. Anders als Reitzle ist der Multimillionär, der aus dem Nichts den Finanzvertrieb AWD aufgebaut und kurz vor Ausbruch der Finanzkrise an den Schweizer Versicherer Swiss Life verkauft hat, regelmäßig in der Regenbogenpresse, seit er mit der Schauspielerin Veronica Ferres liiert ist. Da reicht es, dass er sich zu seinem 50. Geburtstag seinen Schnauzbart rasieren ließ. Oder dass seine Verlobte in der „Bunten“ den Hochzeitstermin für diesen Sommer kundtut und nicht für Ostern, „weitere Details“ aber noch für sich behält.
Solche belanglosen Geschichten können Maschmeyer allemal lieber sein als Porträts mit Überschriften wie „Der Drückerkönig und die Politik“ oder ausführliche Darstellungen über seine Verstrickung in die Affäre um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff, für dessen Buchpublikation er die Werbung finanziert hatte. Dann lieber hübsche Bilder an der Seite von „Deutschlands Quotenqueen“ („Bunte“) und „sanfte Szenen einer Patchworkfamilie“ (ebenfalls „Bunte“).
Fest entschlossen, Job und Privatleben strikt zu trennen, waren ZDF-Journalistin Maybrit Illner und Telekom-Chef René Obermann. Kaum hatten beide im August 2010 geheiratet, wurde Illner beruflich auf die Probe gestellt: Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen Telekom-Manager wegen Bestechungsvorwürfen und durchsuchte dabei auch das Haus des Ehepaares. Illner sagte die Moderation der ZDF-Sendung ab, weil nicht auch nur der Anschein entstehen sollte, „dass Art und Umfang der Berichterstattung mit ihrer persönlichen Situation zu tun haben könnte“, wie der Sender damals erklärte.
Solch öffentliche Probleme scheinen vermeidbar, wenn man beim Anbandeln dann doch die traditionelle Form wählt, und sich in der eigenen Firma umschaut, wie einst Dieter Zetsches Vorgänger Jürgen Schrempp. Der hatte sich von seiner langjährigen Ehefrau Renate getrennt, weil seine Bürochefin Lydia Deininger ihn deutlich mehr dafür bewunderte, wie er den schwäbischen Autobauer zur Welt AG umbaute. Heimlich blieb das Verhältnis von „Rambo“ und „Hexle“, wie beide genannt wurden, aber schon deshalb nicht, weil es munter zuging bei den Schrempps. Noch heute kursieren unzählige Anekdoten. Manche Aktionäre auf der Daimler-Hauptversammlung forderten darüber Auskunft. Erst im Frühjahr 2008 wurde ihre Stelle als Sekretärin ihres mittlerweile angetrauten Gatten gestrichen, für die sie geschätzte 200.000 Euro im Jahr kassierte - ohne dass man ihre Anwesenheit bemerkt hätte. Schrempp musste schon drei Jahre vorher seinen Hut nehmen. Diese Art von Schlagzeilen dürfte Zetsche dem Konzern ersparen.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: ddp, dpa, Röth, Frank, Wonge Bergmann / F.A.Z.

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