23. Mai 2012

„Sprunghafter Anstieg“

Junge Spanier lockt der deutsche Arbeitsmarkt

Von Sven Astheimer
11. Juli 2011 Der Aufschwung am deutschen Arbeitsmarkt lockt immer mehr Südeuropäer an. Vor allem junge Spanier sind zunehmend bereit, ihre Koffer zu packen. Im Juni haben sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit rund 17.000 Iberer auf der Jobbörse der Europäischen Kommission um eine Beschäftigung gezielt in Deutschland bemüht. Monika Varnhagen, Direktorin für Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Arbeitsagentur, sprach gegenüber dieser Zeitung von „einem sprunghaften Anstieg“ in den vergangenen Monaten. Vor allem arbeitssuchende Ingenieure, Informatiker und Facharbeiter seien für deutsche Arbeitgeber interessant, sagte Varnhagen.
Das Goethe-Institut meldet ebenfalls eine deutlich höhere Nachfrage nach Deutschkursen. „Die Anfragen in Spanien haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt“, sagte ein Sprecher des Instituts. Auch auf junge Menschen in Portugal, Griechenland, Irland und einigen mittelosteuropäischen Staaten wirke sich „die Strahlkraft Deutschlands“ deutlich aus.
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Das neue Interesse der Spanier an Deutschland führt ZAV-Direktorin Varnhagen auf einen Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Madrid im Februar zurück, als die deutsche Regierungschefin um spanische Fachkräfte warb. Das Land leidet seit langem unter einer relativ hohen Jugendarbeitslosigkeit. Mehr als 40 Prozent der jungen Spanier sind laut Europäischem Statistikamt Eurostat erwerbslos, das ist der schlechteste Wert in ganz Europa.

Kooperationen ausbauen

Wie groß die Zuwanderung letztlich ausfallen wird, kann ZAV-Direktorin Varnhagen derzeit nicht abschätzen. Für Akademiker, speziell Ingenieure, sieht sie gute Chancen auf eine rasche Integration, zumal bei entsprechenden Sprachkenntnissen. Schwieriger sei die Lage für Bewerber mit einer Ausbildung, da sich der Qualifikationsstand doch erheblich von dem der dualen Ausbildung in Deutschland unterscheiden könne. Im Herbst will die Bundesagentur in Sevilla deutsche Arbeitgeber mit Bewerbern zusammenbringen. Ähnliche Veranstaltungen haben schon in Madrid und Barcelona statt gefunden.
Die Bundesagentur wurde zuletzt auch aus Portugal offiziell zu einer engeren Kooperation aufgefordert. Das kleine Land im Südwesten Europas meldete im Frühjahr fast 14.000 arbeitslose Ingenieure. Die lahmende Konjunktur und die Haushaltskrise bieten jungen Menschen dort ebenso wenig Perspektiven wie im krisengeschüttelten Griechenland. Dort sehen die deutschen Arbeitsvermittler vor allem gute Perspektiven angesichts von mehr als 1000 arbeitslosen Medizinern, die zum Teil schon über gute Deutschkenntnisse verfügten. Angesichts langer Wartezeiten auf eine Facharztausbildung in ihrer Heimat könnte die Bereitschaft zu Auswanderung auf griechischer Seite ebenfalls steigen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung schätzt, dass in Deutschland bis zum Jahr 2020 rund 67.000 niedergelassene Ärzte in den Ruhestand gehen. Schon heute endet die Suche nach einem Nachfolger oft erfolglos. Im vergangenen Jahr schlossen deshalb etwa 700 Praxen.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

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