24. Mai 2013

Immobilienmarkt

Jetzt wird auch der Speckgürtel teuer

18. Februar 2013 Die Bundesbank beobachtet die 2012 abermals kräftig gestiegenen Immobilienpreise mit Sorge. „Im Vergleich zu 2011 schwächte sich die Preisdynamik zwar in den Großstädten und Ballungsgebieten ab, sie gewann aber sichtbar an Breite“, schrieb sie in ihrem am Montag veröffentlichten Monatsbericht. „So übertrugen sich die Preisimpulse von den Städten ins Umland, vom Neubau- ins Gebrauchtimmobiliensegment und von den Geschosswohnungen auf Einfamilienhäuser.“ Die sich daraus ergebenden gesamtwirtschaftlichen Risiken „bestehen nicht zuletzt aufgrund der breiteren Streuung des Preisauftriebs unvermindert weiter“.
In 125 Städten erhöhten sich die Preise für Wohneigentum im vergangenen Jahr um durchschnittlich 5,25 Prozent. 2011 waren es sogar 5,5 Prozent, so die Bundesbank, die sich auf Daten der Marktforscher BulwienGesa stützt.
„Nach wie vor traten die stärksten Preiserhöhungen bei Eigentumswohnungen in den Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern auf“, so die Notenbank. Sie verteuerten sich um sieben Prozent; 2011 waren es zehn Prozent. Dafür seien die Preise für gebrauchte Eigentumswohnungen, aber auch für Reihenhäuser schneller gestiegen. In Städten mit weniger als 250.000 Einwohnern sei der Preisdruck nach wie vor merklich schwächer.
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Auch die Mietpreise legen deutlich zu

Die Preissteigerungen sind zudem auf den Mietmarkt übergesprungen. „Die Neuvertragsmieten wurden 2012 erneut spürbar angehoben“, heißt es im Monatsbericht. Für Neubauwohnungen in den 125 Städten wurden demnach 4,75 Prozent mehr verlangt, bei Wiedervermietungen 3,5 Prozent mehr. „Seit 2010 ist der Mietanstieg bei neuen Wohnungen rund viermal, bei Bestandsobjekten rund dreimal so hoch wie im Durchschnitt der vorangegangenen Dekade ausgefallen“, erklärte die Bundesbank. Allerdings reiche das bei weitem noch nicht an die Steigerungsraten zu Anfang der neunziger Jahre heran. „Besonders kräftig hat sich die Überlassung von Wohnraum in den Großstädten verteuert.“
Trotzdem warnt die Bundesbank davor, diese Entwicklung mit staatlichen Eingriffen zu stoppen. „Die Regulierung von Mieten ist ein Eingriff in die Preisbildung, die nur aus guten Gründen in Erwägung zu ziehen ist“, betonte sie. „Die Begrenzung von Mietsteigerungen bei Neuvertragen birgt nicht zu unterschätzende Risiken im Hinblick auf die Verzerrung marktgerechter Anreize zur Schaffung neuen Wohnraums.“
Zwar sei die Zahl der Baugenehmigungen für Drei- und Mehrfamilienhäuser um 15.000 auf 100.000 gestiegen, doch dürfte dies kaum ausreichen, „um die Lage auf den Wohnimmobilienmärkten spürbar zu entspannen“, hieß es. So stieg die Zahl der Einwohner im vergangenen Jahr um 200.000 Personen - vor allem durch Zuwanderung. „So zieht es Zuwanderer vornehmlich in die wirtschaftlich florierenden Gegenden mit einem guten Arbeitsplatzangebot.“ Deutschland sei aber auch für ausländische Kapitalinvestoren interessant. Diese würden vor allem in die als „relativ transparent und liquide geltenden Immobilienmärkten der Großstädte“ investieren. Befeuert wird der Boom zudem von günstigen Zinskonditionen. „Im Jahresdurchschnitt gewährten Banken Wohnungsbaukredite zu einem Zinssatz von 3,25 Prozent.“ Dadurch werde der Immobilienkauf für immer mehr Haushalte „mit begrenzten Einkommensmöglichkeiten und erhöhten Erwerbsrisiken“ erschwinglich.


Text: Reuters
Bildmaterial: Klein, Nora, Sonntag, Florian

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