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Mehr Geld für Tickets
Höhere Preise für zufriedene Bahnkunden
Von Kerstin Schwenn
06. Dezember 2012 Alle Jahre wieder zu Beginn des Winterfahrplans erhöht die Deutsche Bahn ihre Preise. Darauf können sich die Kunden auch in diesem Jahr verlassen: Vom kommenden Sonntag an müssen sie im Schnitt 2,8 Prozent mehr zahlen - zum Beispiel für ein Ticket der 2. Klasse im ICE von Hamburg nach München statt 135 künftig 139 Euro. Wer das für teuer hält, wird von der Bahn darüber aufgeklärt, dass sie ohnehin den weit überwiegenden Anteil ihrer Fern-Fahrkarten mit Rabatt verkaufe - also entweder zum Sparpreis oder an Bahncard-Besitzer. Damit sich alles weiter rechnet, werden allerdings auch die Bahncards am 9. Dezember teurer.
Gleichzeitig gehören die rund fünf Millionen Menschen mit Bahncard zu einem besonders privilegierten Kundenkreis. Schon bisher können sie in rund 120 deutschen Städten im Anschluss an ihre Bahnreise mit dem Fernfahrschein den öffentlichen Nahverkehr kostenlos nutzen. Von Sonntag an gilt dieses „City-Ticket“ in Bussen und Bahnen nun auch für Fahrten am Ausgangsort.
Stammkunden reisen kohlendioxidfrei
Damit nicht genug: Die Stammkunden der Bahn reisen vom 1. April nächsten Jahres an im Fernverkehr umweltbewusster, weil komplett kohlendioxidfrei. Die Energiemenge für die Fernfahrten aller Bahncard- und Zeitkarteninhaber wird als Ökostrom ins Netz eingespeist. Die Bahncard-Besitzer koste das „grüne“ Angebot keinen Aufschlag, wie Bahnchef Rüdiger Grube kürzlich betonte. Mindestens drei Viertel aller Züge im Fernverkehr sollen dann ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren. Damit verdreifacht die Bahn den Ökostrom-Anteil. Käufer einer Einzelfahrkarte ohne Bahncard-Rabatt können für einen Euro Aufpreis ebenfalls ökologisch korrekt reisen.
Die Kundenzufriedenheit ist Grube bekanntermaßen viel wert. Deshalb werden jetzt die Bonuszahlungen der Bahnmanager auch daran geknüpft - und nicht nur an den Gewinn. Zu diesem Zweck wird die Zufriedenheit der Fahrgäste regelmäßig gemessen. Pünktlichkeit und Sicherheit sind dabei wichtige Kriterien. Berücksichtigt wird im Bonus künftig auch das Erreichen von Umweltzielen im Lärmschutz und Kohlendioxidausstoß. Eine Jahresabschluss-Vergütung erhalten im Konzern rund 3000 leitende Angestellte und 1800 außertariflich bezahlte Mitarbeiter.
In den vergangenen Wochen hat die Bahn zum ersten Mal alle annähernd 300.000 Beschäftigten im In- und Ausland zu ihrem Befinden befragt. Die Ergebnisse der Umfrage sollen Anfang Januar veröffentlicht werden.
Den Mitarbeitern wollen derweil die Bahntarifpartner das Leben erleichtern. Nach dem Demografie-Tarifvertrag, den Bahn und die Gewerkschaft EVG am Donnerstag verkündeten, werden vom nächsten Frühjahr an die Beschäftigungsbedingungen der Eisenbahner „individueller und flexibler ausgestaltet“. Arbeitszeit oder Qualifizierung sollen sich stärker an den Bedürfnissen der Einzelnen orientieren. So dürfen ältere Schichtarbeiter ihre Arbeitszeit bald um rund 20 Prozent reduzieren - der Lohnverlust wird teilweise ausgeglichen.
Zugleich soll jedem Auszubildenden, der seine Berufsausbildung erfolgreich abschließt, eine unbefristete Beschäftigung angeboten werden. Der Tarifvertrag hält für die Beschäftigten kurz vor Weihnachten noch eine weitere gute Nachricht parat: Betriebsbedingte Kündigungen wird es bei der Bahn auch in Zukunft nicht geben.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dapd
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2013.
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