22. Mai 2013

Änderung der Nutzungsregeln

Facebook ist ganz normal

Von Winand von Petersdorff
24. November 2012 Das Schmerzliche an Facebook ist für viele, dass es doch ein ganz normales Unternehmen ist, in dem die Entscheidungsfindung auf denselben vertrauten, gleichwohl ausgelatschten Pfaden erfolgt wie in all den anderen Konzernen. Je wichtiger die Entscheidung, desto weiter oben wird sie getroffen.
Frische Kritik entzündet sich an der Entscheidung des börsennotierten Konzerns, seine Nutzungsbedingungen verändern zu wollen, ohne künftig seine Nutzer daran mitwirken zu lassen. Und sie hat eine gewisse Wucht, weil Facebook ziemlich erfolgreich den Eindruck zu erwecken vermochte, etwas ganz Besonderes zu sein, nicht nur, was das Geschäftsmodell angeht, sondern auch, was die Einbindung der Kunden betrifft.
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Ein Kniff zur Beschwichtigung

Denn Chef Mark Zuckerberg hatte seinen Nutzern nach einem Datenschutz-Skandal das Mitbestimmungsrecht eingeräumt. Facebook hatte sich über eine Änderung der Nutzungsbestimmungen herausnehmen wollen, hochgeladene Daten der Nutzer ungefragt unbegrenzt ausbeuten zu können. Die Folge war ein Shitstorm. Zuckerberg gestand Fehler ein - das ist in den Vereinigten Staaten eine sehr beliebte Geste - und gab den Nutzern Mitwirkungsrechte. Die allerdings will er jetzt wieder einkassieren, wegen Nutzlosigkeit, wie der Konzern argumentiert.
Die Partizipation war so organisiert, dass im ersten Schritt mindestens 7000 Nutzer Einwendungen gegen geplante Änderungen von Nutzungsbedingungen formulieren mussten, im zweiten Schritt 30 Prozent aller Facebooker in der ganzen Welt gegen die Änderung votieren mussten. In der Realität funktionierte das System nicht. So hat Facebook in der Regel seine Änderungswünsche nicht gerade herausposaunt, so dass schon die erste Hürde schwer zu nehmen war. Doch 30 Prozent der knapp eine Milliarde Facebook-Kunden zu Widersprüchen zu animieren ist dann doch eine besondere Anforderung. Bei Abstimmungen im Sommer hätten sich gerade 0,04 Prozent der Nutzer beteiligt, argumentiert Facebook. Im Lichte dieser Zahlen klingt die Abschaffung der Mitwirkungsrechte vernünftig.
Doch es kommt auch sofort der Verdacht auf, dass dieses Mitwirkungsinstrument von vornherein nur gewährt wurde, weil es keine Auswirkungen auf die Entscheidungen der Zentrale hatte. Es riecht im Nachhinein nach einem Public-Relations-Kniff zur Beschwichtigung der zornigen Netzgemeinde.

Versprechen muss man halten

Gleichzeitig kommt die Verkündung des Facebook-Managements, die Aktivierung seiner Netzgemeinde habe nicht funktioniert, bei genauerem Blick doch einer gewaltigen Entzauberung gleich. Wie bitte? Die neue Netzökonomie, die geradezu unentwegt die Enthierarchisierung der Wirtschaftswelt predigt wie die Einbindung seiner Nutzer, schafft genau das nicht?
Nun gut, jede Entzauberung hat ihr Gutes. Sie klärt die Verhältnisse. Konzerne sind keine demokratische Veranstaltung. Die Nutzer von Facebook sind nicht die Freunde von Facebook, sie sind Kunden. Darin gleichen sie Besuchern von Gaststätten. Kein Wirt macht wirtschaftlich relevante Entscheidungen vom Votum seiner Gäste abhängig. Wenn denen das Ambiente nicht passt, die Preisgestaltung, die Öffnungszeiten oder der Wirt, dann können sie wegbleiben. Wer mit allem einverstanden ist, bleibt.
Facebook selbst ist ein börsennotiertes Unternehmen. Wer Geld von Aktionären einsammelt, der ist in allererster Linie diesen verpflichtet. Zuckerberg hat spätestens mit dem Börsengang versprochen, aus den Nutzerdaten seiner Facebook-Gemeinde so viel Kapital wie möglich herauszuschlagen. Und Versprechen muss man halten.


Text: F.A.S.
Bildmaterial: dpa

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