23. Mai 2012

Autozulieferer

Bosch verkauft Teile seines Bremsengeschäfts

Von Holger Paul und Susanne Preuß
10. Januar 2012 „Wir sind Industrieinvestoren, und wir sind darauf spezialisiert, Unternehmen aus schwierigen Situationen heraus operativ zu verbessern“, sagte Michael Psaros, der Mitgründer von KPS Capital Partners, in einer Telefonkonferenz. Das nun von Bosch erworbene Bremsengeschäft soll daher um weitere Zukäufe ergänzt werden, um so den beiden Hauptrivalen Continental und TRW Paroli bieten zu können. Das neue Unternehmen werde vom ersten Tag an profitabel sein und einen positiven Cash-flow haben, sagte Psaros. Allerdings hat Bosch dazu offenbar einige Vorarbeiten geleistet, denn im vergangenen Jahr sei das Geschäft mit Basisbremsen unter dem Strich noch defizitär gewesen, hieß es in der Finanzwelt.
Details zum Kaufpreis wurden nicht genannt, dem Vernehmen nach soll es sich aber um rund 200 Millionen Euro gehandelt haben. Im operativen Geschäft erwirtschaftete die Bosch-Sparte zuletzt einen Gewinn vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen (Ebitda) von knapp 50 Millionen Euro. KPS werde keine Bankschulden in das neue Unternehmen bringen sondern vielmehr weitere eigene Mittel für das Wachstum bereitstellen, sagte Psaros. Man starte das Geschäft mit einer Bilanz, „die felsenfest ist“, versicherte er. Ein neuer Name für das Unternehmen soll nächsten Monat feststehen.
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Elektronische Bremssteuerung bleibt bei Bosch

Für Bosch ist das Geschäft mit Bremsen durchaus von Bedeutung: Knapp 20.000 Mitarbeiter setzten zuletzt rund 5 Milliarden Euro um. Verkauft wurde davon jetzt die Basisbremse, also Produkte wie Bremssättel, Scheiben-, Trommel- und Parkbremsen, mit denen zuletzt ein Umsatz von rund 850 Millionen Euro erzielt wurde. Obwohl Bosch von Teilbereichen keine Ergebnisse nennt, war es seit langem ein offenes Geheimnis, dass der Stuttgarter Konzern hier Verlust macht. Schon seit längerem hat Bernd Bohr, der als Geschäftsführer die Kraftfahrzeugsparte von Bosch verantwortet, zu erkennen gegeben, dass man diesen Bereich gerne abstoßen möchte.
Für viel zukunftsträchtiger hält der Konzern die Bremskraftverstärker und Bremsregelungen einschließlich Antiblockier- und Stabilitätssystemen. Diese haben deutlich mehr Innovationspotential und bieten damit auch höhere Renditechancen. „Bremskraftverstärker werden immer intelligenter“, sagte ein Bosch-Sprecher. „Gerade in Hybrid- und Elektro-Autos wird es immer bedeutender sein, dass die Bremsung in starkem Maße über die elektrische Maschine funktioniert, weil die Mechanik ihrerseits nur unnötig Wärme erzeugt.“
Vor einigen Jahren noch stellte sich die Situation anders dar. Die Bosch-Führung glaubte damals, eine bessere Position zu haben, wenn die komplette Bremse von den Basisteilen bis zu den Regelungssystemen als Ganzes verkauft werden könnte. Noch 2007 wurde aus dieser Überlegung heraus für rund 300 Millionen Euro der australische Anbieter Pacifica gekauft, der einen Umsatz von 500 Millionen Euro erzielte. Jetzt ist Pacifica Teil des verkauften Geschäfts.
Es habe auch andere Interessenten gegeben, hieß es bei Bosch. Neben KPS waren noch zwei andere Finanzinvestoren am Schluss im Rennen. Die von der Investmentbank Macquarie gesteuerten Verhandlungen zogen sich über mehr als sieben Monate hin. Interesse soll auch der japanische Bremsenspezialist Akebono gezeigt haben, der 2009 schon den amerikanischen Teil des Basisbremsengeschäfts von Bosch gekauft hat. Es sei nun aber wichtig gewesen, einen Käufer zu finden, der den Mitarbeitern eine Perspektive bieten könne, hieß es in Stuttgart. Von den 5200 Mitarbeitern, die zu dem jetzt verkauften Bereich gehören, haben nur 30 ihren Arbeitsplatz in Deutschland. Mehr als die Hälfte der Belegschaft arbeitet im Raum Asien-Pazifik (1300 in Indien, gut 1000 in China und 400 in Australien). Psaros kündigte an, dass alle Beschäftigten übernommen werden, ließ aber offen, ob es nach dem Vollzug der Transaktion zu einem Personalabbau kommen wird. Auch die für die Basisbremse verantwortliche Bosch-Managerin Martina Merz bleibe an Bord, betonte der KPS-Chef.
Der Finanzinvestor aus New York hat vor einem Jahr ein Büro in Frankfurt eröffnet und will der ersten Übernahme nun weitere folgen lassen. „Wir arbeiten an zwei weiteren Käufen, wir wollen uns hier langfristig engagieren“, sagte Psaros. KPS hat derzeit einen Fonds mit 2 Milliarden Dollar zur Verfügung, davon sind rund 60 Prozent schon investiert oder verplant.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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