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Sponsorenvertrag verlängert
Borussia Dortmund baut an seiner Zukunft
Von Carsten Knop und Werner Sturbeck, Essen
06. Februar 2012 An diesem Wochenende haben Borussia Dortmund und die Evonik Industries AG vorzeitig den nach der Fussball-Bundesligasaison 2012/13 auslaufenden Sponsorenvertrag um drei Jahre verlängert. Der Essener Spezialchemiekonzern wird als Hauptsponsor des einzigen börsennotierten deutschen Fußballvereins bis Mitte 2016 jährlich 10 Millionen Euro als Grundbetrag an den BVB überweisen. „Dazu kommen im Erfolgsfall Prämien für den Gewinn der Deutschen Meisterschaft, des DFB-Pokals oder der Teilnahme an europäischen Wettbewerben“, sagte der Evonik-Vorstandsvorsitzende Klaus Engel im Gespräch mit dieser Zeitung - und in jedem Fall ist es mehr Geld als bisher.
Es ist dies im noch jungen Jahr schon der dritte Vertrag, mit dem BVB-Chef Hans-Joachim Watzke die zurück gewonnene Stärke und Attraktivität demonstrieren kann: Erst wurde Marco Reus, der Erfolgsgarant bei Borussia Mönchengladbach, für stolze 17 Millionen Euro eingekauft. Gerade hat Watzke - zwei Jahre vor Vertragsablauf - Trainer Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc bis 2016 an den Verein gebunden. Danach wurde die Vertragsverlängerung mit dem Hauptsponsor Evonik möglich, dessen Vorgängergesellschaft RAG 2006 dem BVB in tiefer Krise beisprang. Schon die Einigung mit Klopp und Zorc hatte der Kursentwicklung der BVB-Aktie sehr gut getan.
Die Rückkehr zur Spitze
Die Lebensweisheit „Never change a winning Team“ passt zum Naturell des bodenständigen Engel so gut wie zum Sauerländer Watzke, der gern über den tiefen Konservatismus seiner westfälischen Heimat witzelt. Der Evonik-Vorstandsvorsitzende versichert, dass strategisches Kalkül der vorzeitigen Vertragsverlängerung zugrunde liegt: „Wir wollten erst mal sicher gehen, ob der Erfolgstrainer und der Sportdirektor die Verträge verlängern. Und danach haben wir umgehend beschlossen, mitzuziehen.“
Die Verlängerung des Hauptsponsorenvertrages ist keine Selbstverständlichkeit. Der BVB ist sechs Jahre nach seiner schärfsten Krise nicht nur sportlich, sondern auch betriebswirtschaftlich in den Kreis der Spitzenteams der Bundesliga zurückgekehrt. Der amtierende Deutsche Meister hat sich nach einem verkorksten Saisonstart inzwischen an die Tabellenspitze neben Bayern München und Revierrivalen Schalke vorgearbeitet. Und der Umsatz der ersten sechs Monate im Geschäftsjahr 2011/2012 bewegt sich souverän auf Rekordkurs. „Wir haben bis Ende Dezember schon 101 Millionen Euro umgesetzt“, berichtet Watzke. Das sind schon zwei Drittel des Umsatzes, den der Verein in der Meistersaison gemacht hat. Allein rund 30 Millionen Euro brachte die - nur kurze - Rückkehr in die Champions League ein. Ohne diese versiegte Quelle rechnet Watzke im zweiten Halbjahr mit einem Umsatz zwischen 70 Millionen und 80 Millionen Euro.
Zusammenhalt in guten und schlechten Zeiten
Wenn der Vorsitzende der BVB-Geschäftsführung seinen Verein unter betriebswirtschaftlichen Aspekten in der Bundesliga einstuft, klammert er gern Wolfsburg, Bayer Leverkusen und Hoffenheim wegen ihrer reichen Unternehmenssponsoren oder Mäzene aus. Auch die Münchener Bayern spielten wegen der wirtschaftlichen Stärke ihres Bundeslands in einer anderen finanziellen Liga. Zwar hätte der BVB nach den jüngsten sportlichen Erfolgen immerhin auch Gelegenheit gehabt, einen spendableren Hauptsponsor zu gewinnen. „Die Möglichkeit hätte es sicherlich gegeben. Aber jetzt auszutesten, wo unser Marktwert liegt, das ist nicht unsere Art miteinander umzugehen“, sagt Watzke. In Westfalen gelte, dass man in guten wie in schlechten Zeiten zusammenhält.
Der BVB hat im Existenzkampf dem Essener Unternehmen viel zu verdanken. Aber inzwischen ist die Geschäftsverbindung keine Einbahnstrasse mehr. Fünf Jahre nach dem gefährlichsten Tiefpunkt in der mehr als hundertjährigen Vereinsgeschichte hat der BVB mit einer das Publikum mitreißenden, jungen Mannschaft den Meistertitel geholt. „Vor der Meisterschaft kannte jeder zweite Deutsche Evonik, ein Jahr später sind es zwei von drei“, weiß Engel aus Umfragen. Aber anders als zum Beispiel der großzügige Wolfsburg-Sponsor VW oder auch Bayer stellt das Spezialchemieunternehmen Evonik keine Produkte her, die der Verbraucher kennt und kauft. Engel sieht deswegen den Sponsoring-Aufwand aber nicht als vergeudet an.
„Es gibt andere, nicht zu unterschätzende Effekte, der Bekanntheitsgrad des Unternehmens insgesamt in der Gesellschaft, die Wahrnehmung als Arbeitgeber oder die Sympathiewerte im In- und Ausland“, sagt Engel. Anfängliche Animositäten in den Belegschaften an anderen Standorten in Deutschland sieht er behoben.
Auch Anhänger anderer Bundesligisten imponiert das innovative BVB-Konzept: Aus der Fast-Pleite in wenigen Jahren mit jungen Spielern wieder auferstanden. Diese Sympathien merkt man bei Evonik an den Eintrittskarten, die Mitarbeiter außerhalb Nordrhein-Westfalens bestellen. „Seit der Eurokrise ist die BVB-Karte die härteste Währung in Europa“, sagt Engel. Aber auch in Asien, der wichtigsten Wachstumsregion für das Unternehmen, registriert er, dass Evonik wegen der Verbindung zum BVB stärker und positiv wahrgenommen wird.
Tore auf der richtigen Seite
In der am Wochenende verlängerten Partnerschaft verfolgen Evonik und BVB verwandte Ziele. Der Essener Spezialchemiekonzern will sich im dritten Anlauf zum Börsengang einen Platz im Dax sichern. Mit einem Rekordgewinn im Jahr 2011 hat Engel betriebswirtschaftlich zwar den Boden schon bereitet. Aber angesichts der noch ungelösten Staatschulden- und Eurokrise ist das Kapitalmarktumfeld weiterhin fragil. Auch der BVB strebt nach einem dauerhaften Platz unter den führenden Bundesliga-Vereinen. Watzke, der zwei Tage nach seinem Antritt Anfang 2005 den drohenden Untergang des Bundesligisten verkünden musste, hat seither die Schulden um 140 Millionen Euro bis auf heute nur noch 27 Millionen Euro Netto-Verbindlichkeiten abgebaut, im Meisterjahr ein Rekordergebnis präsentiert und im Wiederholungsfall eine erste Dividende in Aussicht gestellt. Aber auch für ihn ist die Lage noch fragil.
„Geld schießt zwar keine Tore. Aber mit höherem Geldeinsatz erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Tore auf der richtigen Seite fallen, dramatisch“, sagt Watzke. Das BVB-Budget für die Lizenzspieler macht mit rund 40 Millionen Euro nur gut ein Drittel der Mannschaftsausgaben von Bayern München aus. Hilfreich wären mehr Einnahmen aus europäischen Wettbewerben. Aber dafür muss die junge Mannschaft internationale Erfahrungen sammeln. Einkäufe von Top-Spielern sind keine Alternative. Denn Watzke hat eine klare Ansage: „Wir wollen den maximalen sportlichen Erfolg unter Beibehaltung strenger wirtschaftlicher Seriosität, sprich keine neuen Schulden.“
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: dpa, Schoepal, Edgar
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