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03. September 2010

Nach Webers Abgang

Ansgar Tietmeyer soll Bankenverband führen

Von Holger Appel und Markus Frühauf

12. März 2010 Der Verband der privaten Banken sucht einen neuen Hauptgeschäftsführer. Dieses für die Lobbyarbeit in Berlin wichtige Amt hat seit 18 Jahren Manfred Weber für den Bundesverband deutscher Banken (BdB) ausgeübt. Doch die zunehmende Kritik an seinem Führungsstil sowie der Vorwurf von Mitgliedsbanken, der Bankenverband habe sich in der Finanzkrise weggeduckt, haben den 59 Jahre alten Weber dazu veranlasst, seinen bis zum Jahr 2013 laufenden Vertrag zu kündigen. Über die Nachfolge will der BdB-Vorstand um Präsident Andreas Schmitz, den Vorstandssprecher von HSBC Trinkaus & Burkhardt, bis Mai entscheiden. Dem Vorstand gehören Deutsche-Bank-Vorstandschef Josef Ackermann und Commerzbank-Chef Martin Blessing an.

Nach Informationen der F.A.Z. soll Ansgar Tietmeyer die Stelle übernehmen. An diesem Montag findet in Berlin die BdB-Mitgliederversammlung statt, die Personalie wird dabei aber wohl noch nicht unterschriftsreif sein. „Es gibt konstruktive Gespräche“, verlautet von den Beteiligten. Tietmeyer leitet die EU-Vertretung der Deutschen Bank in Brüssel. Der in Münster/Wetsfalen geborene Volkswirt ist 42 Jahre alt, verheiratet, hat vier Kinder und ist in der katholischen Kirche engagiert. Nach Stationen in Düsseldorf und Paris kam er im Jahr 2005 nach Brüssel.

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Auf den künftigen Hauptgeschäftsführer kommt eine unangenehme Aufgabe zu. Denn die Finanzkrise hat die Interessen der Mitgliedsinstitute auseinanderlaufen lassen. Eine einheitliche Linie der privaten Banken wird vermisst. So hat die Deutsche Bank zuletzt für Verstimmung gesorgt, als sie ihre Produktinformationen für die Risiken von Finanzprodukten veröffentlichte, ohne dies mit dem Bankenverband abzustimmen. Zum gleichen Zeitpunkt befand sich der BdB noch mit seinen Mitgliedern in der Abstimmung zum „Beipackzettel“, den Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner für die Bankkunden fordert. Weber hatte an der Spitze der privaten Banken den Kampf gegen die staatlichen Garantien für Landesbanken und Sparkassen ausgefochten. Als die Commerzbank im Januar 2009 staatliche Kapitalzufuhren über 18,2 Milliarden Euro benötigte, litt darunter auch seine Glaubwürdigkeit. Denn mit der Forderung nach „weniger Staat in der Kreditwirtschaft“ ist es nicht vereinbar, wenn der Bund beim zweitwichtigsten Mitgliedsinstitut größter Anteilseigner ist.

Vor allem der Deutschen Bank, der sich als global agierende Investmentbank neue Perspektiven eröffnen, wird nachgesagt, aus der Verbandslinie regelmäßig auszuscheren. Ein Beispiel ist der Einlagensicherungsfonds, mit dem die privaten Banken Kundeneinlagen über das gesetzliche Mindestmaß von 50 000 Euro hinaus garantieren. Doch die Zusage, Einlagen bis zu 30 Prozent des Eigenkapitals je Kunde zu garantieren, können die Banken nicht mehr aufrechterhalten. Allein bei der Deutschen Bank würden je Kunde Einlagen von mehr als 10 Milliarden Euro im Insolvenzfall geschützt. Die Einlagen der deutschen Lehman-Kunden konnten nur mit Hilfe einer staatlichen Garantie ausgezahlt werden. Mit dieser Rückendeckung hatte der BdB dazu eine Anleihe über 6,7 Milliarden Euro begeben.

Vor allem die Deutsche Bank ist kaum noch gewillt, über die Einlagensicherung für die Verluste anderer Banken zu haften. Sie fühlt sich allein stark genug, ihren Kunden die Sicherheit ihrer Einlagen zu garantieren. Zwar hat sich der Bankenverband mit Reformen der Einlagensicherung auseinandergesetzt. Doch deutet das Schweigen des noch amtierenden Hauptgeschäftsführers Weber darauf hin, dass bislang keine nennenswerten Fortschritte erreicht wurden.



Text: maf.
Bildmaterial: Pein

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