23. Mai 2012

Deutsche Bank

Ackermann übt sich zum Abgang in Teamgeist

Von Hanno Mussler, Frankfurt
02. Februar 2012 Bahn frei für Josef Ackermann. Als der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank zum zehnten und letzten Mal zur Bilanzkonferenz der Bank den Hermann-Josef-Abs-Saal betritt, folgen ihm seine Nachfolger Anshu Jain und Jürgen Fitschen mit deutlichem Abstand auf das Podium. Ackermann ist daran gelegen, die Distanz zu überbrücken. Mehrmals wird er in seiner Rede und in seinen Antworten auf die Fragen der Journalisten betonen, wie wichtig "das Team" für das Jahresergebnis der Deutschen Bank sei. Gleichzeitig offenbart Ackermann aber auch mit den eigentlich abwiegelnd gemeinten Worten "es hat keine großen Streitereien gegeben", dass seine Nachfolgesuche und sein gescheiterter Wechsel auf den Aufsichtsratsvorsitz im Vorstand nicht nur harmonisch diskutiert wurden.
Auf die Frage, was er denn von der ab Juni 2012 amtierenden Doppelspitze aus dem Investmentbanker Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen halte, gibt Ackermann preis, dass er tatsächlich jemanden von außerhalb des Vorstands, offenbar den früheren Bundesbankpräsidenten Axel Weber, als seinen Nachfolger favorisiert hat. Doch der "externe Kandidat" habe nicht zur Verfügung gestanden, sagte Ackermann. Weber wechselte inzwischen zur UBS.
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Ohne seine beiden Nachfolger namentlich zu nennen, sagte Ackermann, die nun gefundene Lösung decke die Bedürfnisse der auf zwei Säulen - Investmentbanking und Privatkundengeschäft - stehenden Deutschen Bank gut ab. Aber auch wenn ein externer Kandidat Vorstandsvorstandsvorsitzender geworden wäre, hätte Jain eine entscheidende Rolle gespielt, versichert Ackermann. Schließlich gehöre er, Ackermann, zu den größten Förderern Jains.
Auf die Frage, ob das Tischtuch zwischen ihnen zerschnitten sei, weil Ackermann offenkundig ihm, Jain, die alleinigen Nachfolge nicht zugetraut habe, gibt sich Jain locker. Ackermann sei seit mehr als 15 Jahren ein sehr unterstützender, aber auch kritischer Chef gewesen. Ob sie noch gut miteinander könnten? "Indeed", antwortet Jain und lächelt charmant.
Der 48 Jahre alte Inder ist es gewohnt, mit seinem Investmentbanking für zwei Drittel der Erträge der Deutschen Bank zu stehen. Im Jahr 2011 aber stand das durch Übernahmen von Postbank, Sal. Oppenheim und dem niederländischen Firmenkundengeschäfts von ABN Amro gestärkte Privat- und Geschäftskundengeschäft für 58 Prozent der Erträge. Doch trotz des für ihn selbst "enttäuschenden" Quartalsergebnisses macht Jain mit seinem geschliffenen Englisch eine gute Figur. Später am Buffet bleibt er allerdings eine Antwort auf die Frage schuldig, ob er denn ein deutsches Lieblingswort habe. Lerne er denn intensiver als früher deutsch, da er doch nun nach Frankfurt umziehe, wird er gefragt. Jain nickt. Ein deutsches Wort aber lässt sich Perfektionist Jain nicht entlocken.
Selbstkritsch hatte sich zuvor Ackermann geäußert, als er über den Versuch sprach, Aufsichtsratvorsitzender der Deutschen Bank zu werden. Da habe er sich gegen seine eigentliche Überzeugung in die Pflicht nehmen lassen, um die "Bank zu befrieden". Das sei nicht so klug gewesen. Auch habe er es versäumt, Gespräche mit den wichtigen Aktionären zu führen, an deren Widerstand schließlich der schnelle Sprung ins Kontrollgremium scheiterte.
Was er vom 31. Mai an machen werde? Diese Frage beantwortet Ackermann zwei Mal recht unterschiedlich. Er genieße es, dies mit bald 64 Jahren noch nicht zu wissen. Später sagte er, es sei doch bekannt, dass er eine relativ wichtige Aufgabe übernehme. Gemutmaßt wird, dass Ackermann Präsident des Verwaltungsrats des Schweizer Versicherers Zurich Financial wird.
Eine Ackermann-Gala werde es zu seinem Abschied nicht geben, ließ Ackermann noch wissen. Er möge keine Laudatios. Auch am Donnerstag gab es keine Ackermann-One-Man-Show. Anders als vor Beginn der Bilanzpressekonferenz im Vorjahr stellten sich alle zwölf Mitglieder des erweiterten Vorstands (Group Executive Committee) als Mannschaft den Fotografen. Risikovorstand Hugo Bänziger gab sogar seinen Platz auf, damit Jain neben Ackermann zu stehen kommt. Ackermann delegierte auch mehr Fragen als in den Vorjahren. Fünf von elf Vorstandskollegen kamen zu Wort. Keine Gelegenheit, sich zu äußern, erhält Jains künftiger Co-Vorstandsvorsitzender Fitschen.
Jains diesmal schwaches Investmentbanking steht im Vordergrund. Die Anmerkung eines Journalisten, dass Ackermann in seiner Rede die Bedeutung des "klassischen Bankgeschäftes" derart betont habe, dass dies einer "schallenden Ohrfeige für das Investmentbanking und Jain" gleichkomme, pariert Ackermann souverän selbst. Ja, das Investmentbanking habe das Jahresergebnisziel um 3,5 Milliarden Euro klar verfehlt. Das liege an den schwierigen Märkten und den zurückhaltenden Investmentbanking-Kunden, nicht an Jain. Ackermann legt zum Ende seiner Amtszeit Wert auf Teamgeist und Harmonie.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP, dapd, dpa, F.A.Z.

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