23. Mai 2012

Deutsche Bank

Ackermann senkt das Renditeziel

02. Februar 2012 Die Schuldenkrise verdirbt Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann seinen Abschied von der Konzernspitze. Eigentlich wollte der Schweizer für 2011 einen Rekordgewinn von zehn Milliarden Euro präsentieren. Doch davon ist Deutschlands größtes Geldhaus nun meilenweit entfernt: Es sind nur 5,4 Milliarden vor Steuern geworden, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Im vierten Quartal fiel sogar ein Verlust an, weil die große Verunsicherung der Investoren das einst lukrative Kapitalmarktgeschäft zum Stillstand brachte.
Vom Investmentbanking ist die Bank zum Leidwesen der Ratingagenturen nach wie vor sehr abhängig. Zuwächse im Privatkundengeschäft konnten die Einbußen nicht ausbügeln. Auf griechische Staatsanleihen fielen weitere Abschreibungen an. Es wird nun Aufgabe von Ackermanns Nachfolgern Anshu Jain und Jürgen Fitschen sein, irgendwann einmal zweistellige Milliardengewinne einzufahren und damit zu großen amerikanischen Rivalen wie JPMorgan aufzuschließen.
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Ackermann sprach am Donnerstag von „ansehnlichen“ Ergebnissen. „Unsere ’klassischen’ Geschäftsfelder haben 2011 mit Rekordergebnissen marktbedingte Schwächen im Investmentbanking ausgeglichen.“ Ein Jahr zuvor hatte das Institut wegen massiver Abschreibungen auf die Tochter Postbank nur vier Milliarden Euro verdient. Die Dividende soll 2011 mit 75 Cent stabil bleiben.
Eine Dekade stand der bald 64-Jährige an der Konzernspitze. Zuletzt eilte er von Krisengipfel zu Krisengipfel, um als Vertreter der internationalen Bankenbranche eine Lösung für das hochverschuldete Griechenland auszuhandeln. Auch in den kommenden Tagen wird Ackermann wieder nach Athen reisen. Eine Einigung in den Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und dem internationalen Bankenorganisation (IIF) hält er für möglich. In diesem Falle sei das Risiko, dass sich das griechische Virus in andere Teile der Euro-Peripherie ausweiten werde, sehr gering.
Mit der Hauptversammlung im Mai übergibt Ackermann nun das Ruder an das neue Führungsduo. Bankexperten sind skeptisch, dass das Institut schnell wieder zu Hochform auflaufen kann. „Es ist nicht davon auszugehen, dass die Deutsche Bank im ersten und zweiten Quartal 2012 im Investmentbanking zu den Ergebnissen der Vorjahre zurückkehren wird“, sagt Merck-Finck-Analyst Konrad Becker. „Die Rentabilität der Deutschen Bank wird erst mal gedämpft bleiben.“
Das Jahresergebnis lag deutlich unter den Analystenerwartungen, die der Bank im Schnitt vor Steuern 6,8 Milliarden Euro zugetraut hatten. Wesentlicher Grund waren das überraschend schwache vierte Quartal sowie Sonderbelastungen, etwa Abschreibungen auf kriselnde Unternehmensbeteiligungen, aber auch Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten. Nach Steuern verdiente das Frankfurter Institut 2011 mit 4,3 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr (2,3 Milliarden) - allerdings nur dank Steuereffekten. Ackermann sagte in der Pressekonferenz, die Bank habe Abschreibungen und Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten bewusst großzügig angesetzt, damit er die Deutsche Bank so geordnet wie möglich an seine Nachfolger übergeben könne.

Hohe Einbußen im Investmentbanking

Im vierten Quartal lag der Vorsteuerverlust bei 351 Millionen Euro. Allein in der Investmentbanking-Sparte (CB&S) belief sich das Minus wegen herber Einbußen im Anleihe- und Aktiengeschäft auf 422 Millionen, vor einem Jahr gab es noch einen Gewinn von 603 Millionen. Für Rechtsstreitigkeiten vor allem wegen umstrittener Hypothekengeschäfte in den Vereinigten Staaten legte die Bank 380 Millionen Euro zurück, was das Ergebnis zusätzlich belastete.
Damit hat auch das Bild von Chef-Investmentbanker Jain einen Kratzer bekommen. Der „indische Bond-Junkie“ war mit seiner Londoner Mannschaft in der Vergangenheit der Star im Konzern, regelmäßig lieferte er den Löwenanteil der Gewinne ab. Bis auf weiteres muss er sich nun mit weniger zufriedengeben. Die Deutsche Bank hat nach den Worten Ackermanns im Investmentbanking angesichts der Schwäche mancher Konkurrenten Marktanteile gewonnen - aber eben in einem unbefriedigenden Marktumfeld. Jain schloss einen radikalen Personalabbau aus. Er sei kein Freund eines extremen Vorgehens mit einem starken Personalabbau im Boom und einem starken Personalabbau in der Krise.

Deutsche Bank gibt sich mit weniger Eigenkapitalrendite zufrieden

Ackermann zeigte sich ernüchtert von den Aussichten für den langjährigen Gewinnmotor der Bank: „Wir gehen davon aus, dass Investmentbanken selbst bei einem besseren Marktumfeld auf absehbare Zukunft das hohe Ertragsniveau früherer Spitzenzeiten nicht mehr erreichen werden“, sagte er. Jains Sparte habe im zweiten Halbjahr die Erwartungen „leider nicht erfüllen können“. Noch vor einem Jahr hatte Ackermann auf eine „neue Normalität“ gehofft, in der zweistellige Milliardengewinne wieder möglich seien. Von einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent hat er sich endgültig verabschiedet, selbst 20 Prozent seien erst auf lange Sicht wieder drin. 2011 war es gerade die Hälfte. „Doch auch wenn der Kuchen künftig kleiner werden dürfte, kann sich die Deutsche Bank daraus ein größeres Stück herausschneiden“, fügte Ackermann an. Die Sparte sei weniger anfällig als früher.
Doch bei anderen europäischen Häusern, die in den nächsten Tagen mit ihren Zahlen folgen, dürfte sich ein ähnliches Bild zeigen. Experten von Credit Suisse schätzen, dass die Institute im Investmentbanking im vierten Quartal nochmal 15 Prozent weniger eingenommen haben als bereits im schwachen dritten Vierteljahr. Bei den großen amerikanischen Instituten betrug das Minus fünf Prozent. Die europäischen Häuser sind stärker am hiesigen Anleihe-Markt aktiv, wo in der zweiten Jahreshälfte so gut wie nichts mehr ging.
Das Privatkundengeschäft (PBC) hatte Ackermann in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut - vor allem mit der Postbank-Übernahme. Inzwischen zählt die Deutsche Bank weltweit knapp 30 Millionen Privatkunden. Die Investitionen zahlen sich mehr und mehr aus: Die Sparte lieferte im Schlussquartal einen stabilen Gewinn von 227 Millionen Euro ab. Die Vermögensverwaltung (AWM), über Jahre das Sorgenkind im Konzern, steigerte ihr Ergebnis auf 165 Millionen Euro von 59 Millionen vor Jahresfrist. Große Teile des Asset Managements hat die Deutsche Bank ins Schaufenster gestellt - und Finanzkreisen zufolge eine ganze Reihe von Bietern angelockt. Möglicherweise kann Ackermann den Verkauf noch vor seinem Abgang unter Dach und Fach bringen.
Insgesamt sieht Ackermann die Bank auf gutem Wege: In einem weniger schwierigen Marktumfeld sollte sie in der Lage sein, mindestens 10 Milliarden Euro vor Steuern zu verdienen, indem man 6 MIlliarden Euro für das Investmentbanking und 3 Milliarden Euro für das Filialgeschäft veranschlage. Daneben hat die Bank noch weitere Geschäftsbereiche wie die Vermögensverwaltung.


Text: gb., Reuters
Bildmaterial: dpa, F.A.Z.

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