23. Mai 2012

WSJ BLOG/Brüsseler Ansichtssachen - Reine Ansichtssache

Von Ulrike Dauer

Nur eine Woche, nachdem Brüssel entschieden hat, dass börsengehandelte Derivate nicht mit ihren außerbörslichen Cousins im Wettbewerb stehen, haben EU-Gesetzgeber

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eine bahnbrechende Regelung verabschiedet, die nun doch alle in einen Topf wirft. Verwirrt?

Die neue EU-Verordnung, bekannt als EMIR, derzufolge die meisten Derivate künftig an regulierten Plattformen gehandelt werden müssen, dürfte auch Wasser auf die Mühlen der gescheiterten Fusionspartner Deutsche Börse und NYSE Euronext sein. Die europäischen Wettbewerbshüter hatten deren geplantes Zusammengehen vor allem deshalb untersagt, weil sie den viel größeren Bereich des so genannten OTC-Handels in ihre Marktdefinition nicht einschließen wollten.

Hätte Brüssel dieses außerbörsliche Geschäft ebenfalls berücksichtigt, wäre man dort niemals zum Ergebnis gekommen, dass beide Börsen eine Quasi-Monopolstellung im Derivatemarkt einnehmen würden. In Europa hätte ihr Marktanteil dann lediglich unter 15 Prozent betragen, wie Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni jüngst in einem Zeitungsinterview sagte, weltweit sogar unter vier Prozent.

In Brüssel haben sich nun die EU-Regierungen und das Europäische Parlament auf die neue Verordnung EMIR geeinigt, die noch im Frühjahr in Kraft treten dürfte. Als Lehre aus der Finanzkrise müssen dann die meisten Derivate über Börsen gehandelt werden und eben nicht mehr „über die Ladentheke" („over the counter" - OTC). Zudem sollen die Geschäfte über zentrale Clearinghäuser abgewickelt und ein Transaktionsregister erstellt werden. Damit sollen die Transparenz im Derivatemarkt erhöht und die Risiken begrenzt werden. "Die Ära der Undurchsichtigkeit und der obskuren Transaktionen ist vorbei", sagte Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Mit der Regulierung werde das Risiko einer künftigen Finanzkrise und aller ihrer Konsequenzen für die Realwirtschaft, das Wachstum, die Jobs und die öffentlichen Haushalte deutlich reduziert.

Auf der anderen Seite hatte Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia in der vergangenen Woche bei seinem Veto argumentiert, dass die beiden Börsen mit ihren Derivatetöchtern Eurex und Liffe nur untereinander konkurrierten. Nicht jedoch mit dem OTC-Handel, der überwiegend zwischen den einzelnen Banken stattfindet.

Vor allem die Geldhäuser, denen angesichts der geplanten Regulierung der Verlust eines undurchsichtigen und hochprofitablen Geschäfts droht, unterstützten Almunia in seiner Marktbetrachtung, die viele andere Marktteilnehmer erstaunte. Eine starke Derivatebörse aus Eurex und Liffe hätte wohl eine starke Sogwirkung entfaltet.

Nun hat der Widerstand der Banken gegen die neue Regulierung der OTC-Derivate durch die EU scheinbar nachgelassen, wobei unklar ist, inwiefern der Meinungswandel von der gestoppten Mega-Fusion befördert wurde. Der Bundesverband deutscher Banken, der für große Finanzinstitute wie Deutsche Bank und Commerzbank spricht, begrüßte am Freitag die Verordnung. Dort glaubt man, dass die "vorgesehenen Regeln für die OTC-Derivatemärkte die Systemstabilität erhöhen werden". Allerdings bräuchten die Banken Zeit, um sich auf die neuen Regeln vorzubereiten, zumal viele technische Regelungen noch zu erarbeiten seien.

Die Börsen werden künftig von zusätzlichem Geschäftsvolumen profitieren, das auf ihre Plattformen umgeleitet wird. Ob sie sich damit zufrieden geben oder die neue Verordnung nutzen werden, die Marktdefinition der EU, die zur Ablehnung der Fusion geführt hat, nochmals gerichtlich klären zu lassen, bleibt abzuwarten. Die Fusion zur Mega-Börse würde eine Klage ohnehin nicht mehr retten, dafür käme ein Urteil zu spät.

DJG/DJN/uxd/smh

(END) Dow Jones Newswires

February 13, 2012 04:36 ET (09:36 GMT)



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