22. Mai 2012

US-Anleihen im späten Handel sehr fest - Daten und Europa stützen

NEW YORK (Dow Jones)--Schwache Einzelhandelsdaten aus den USA und neue Hiobsbotschaften aus Europa haben am Dienstag Anleger in den vermeintlich sicheren Hafen der US-Anleihen getrieben. Im späten New Yorker Handel stiegen zehnjährige Anleihen mit einem Kupon von 2,000 Prozent um 16/32 auf 100-24/32 und rentierten mit 1,92 Prozent. Der mit 3,125 Prozent verzinste Longbond gewann 1-4/32 auf 101-7/32, seine Rendite fiel damit auf 3,06 Prozent.

Die Daten zum Einzelhandel versetzten den Konjunkturaussichten einen herben Dämpfer. Die Einzelhandelsumsätze gelten als wichtiger Indikator für die Konsumausgaben der US-Verbraucher, die mit einem Anteil von rund 70 Prozent am Bruttoinlandsprodukt eine Schlüsselrolle für US-Wirtschaft spielen. Die US-Bürger hatten ihren Konsum im Januar aber weitaus weniger deutlich gesteigert als erwartet, was vor allem an einem überraschenden Rückgang bei den Pkw-Umsätzen lag. Die Einzelhandelsumsätze stiegen auf Monatssicht um 0,4 Prozent, während befragte Volkswirte einen Zuwachs um 0,9 Prozent prognostiziert hatten.

"So ganz unerwartet kommen die Daten freilich nicht. Allgemein ist mit einem schwachen Konsum zum Start in das neue Jahr gerechnet worden", erläuterte Marktstratege Dan Greenhaus von BTIG den Datenkranz. Konjunkturskeptiker fühlten sich durch die Daten in ihrem Ruf nach neuen quantitativen Lockerungen durch die US-Notenbank bestätigt.

Doch auch die europäische Schuldenkrise lieferte wieder Kaufargumente für die US-Festverzinslichen. Die Ratingagentur Moody's stufte die Bonität diverser EU-Staaten ab. Betroffen waren mit Italien, Spanien und Portugal auch jene, die im Rahmen der Schuldenkrise zuletzt für Schlagzeilen gesorgt hatten. Zudem ist die Konjunktur in Portugal im vierten Quartal kräftig eingebrochen.

Stärkeren Auftrieb erhielten die Notierungen auch vom griechischen Schuldendrama: Das geplante neue Hilfsprogramm für Griechenland verzögert sich weiter. Eurogruppenleiter Jean-Claude Juncker sagte das für Mittwoch geplante Treffen der Eurozonen-Finanzminister ab, das einen Kredit von weiteren 130 Milliarden Euro an Griechenland hätte absegnen sollen. Hintergrund war der Umstand, dass die Hellenen nicht alle gestellten Bedingungen erfüllt hatten.

"Der Markt verarbeitet weiter die Auswirkungen der griechischen Sparbeschlüsse. Bei der Umsetzung dürfte es viele Unwägbarkeiten geben, das hilft natürlich den US-Anleihen", sagte ein Rentenstratege mit Blick gen Europa.

Im Handel war aber auch von verstärkten Investitionen und Umschichtungen in den Markt für Unternehmensanleihen die Rede. Insbesondere die niedrigen Renditen bei US-Staatsanleihen hätten diesen Trend begünstigt, hieß es. Gefragt waren vor allem Papiere mit hohen Renditen und damit solche, die von Unternehmen mit schwacher Kreditwürdigkeit emittiert wurden.

DJG/DJN/flf 

(END) Dow Jones Newswires

February 14, 2012 15:44 ET (20:44 GMT)

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