22. Mai 2013

UPDATE: MÄRKTE USA/Apple-Zahlen bremsen die Wall Street ein

(NEU mit US-Treasury-Tabelle)

Von Thomas Rossmann 

Die Enttäuschung über die Zahlen von Apple hat am Donnerstag die Kurse an der Wall Street belastet. Vor allem der Nasdaq-Composite-Index, in dem die Apple-Aktie mit rund zehn Prozent gewichtet ist, gab deutlicher nach. Mit den Ergebnissen für das erste Quartal, vor allem aber mit dem Ausblick für das laufende Vierteljahr enttäuschte der Technologie-Konzern Anleger und Analysten. Auch die iPhone-Verkäufe lagen mit 47,8 Millionen am unteren Ende der Erwartungen. Die Apple-Aktie verlor 12,4 Prozent auf 450,50 Dollar. Mit dem aktuellen Kursverlust hat die Aktie in den vergangenen vier Monaten, seit dem Allzeithoch im September 2012 von über 700 Dollar, rund 236 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung eingebüßt.

Seit Wochen kursierten am Markt Spekulationen, dass Apple der wachsenden Konkurrenz durch Samsung und andere Smartphone-Hersteller Tribut zollen muss und die hohen Wachstumsraten bald der Vergangenheit angehören könnten. Diese Sorgen erhielten durch den Quartalsbericht neue Nahrung. Der Gewinn je Aktie lag mit 13,81 Dollar leicht unter dem Vorjahresergebnis - wenn auch über den Erwartungen der Analysten. Beim Umsatz war es umgekehrt: Dieser stieg um 18 Prozent, verfehlte aber die Prognosen des Marktes.

Mit den Apple-Ergebnissen standen auch die Kurse der Zulieferer überwiegend unter Druck. So verzeichneten die Aktien von Qualcomm, Cirrus Logic und Triquint teils deutliche Abschläge. Nur die Titel von Jabil Circuit konnten sich dem Abwärtstrend entziehen. Mit Spannung werde nun auf die Quartalszahlen von Apple-Konkurrent Samsung am Freitag gewartet. Auf dem heiß umkämpften Smartphone-Markt sind die Südkoreaner derzeit Marktführer.

Dagegen rückten die durchweg guten US-Konjunkturdaten in den Hintergrund. Der von Markit ermittelte Flash-Einkaufsmanager-Index für Monat Januar ist gestiegen. "Nach China scheint nun auch die US-Wirtschaft Fahrt aufzunehmen", sagte ein Händler. Darauf deuteten auch die positive Arbeitsmarktdaten hin. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung fielen um 5.000 auf den niedrigsten Wert seit fünf Jahren. "Das ist eine gute Nachricht für den in der kommenden Woche anstehenden offiziellen US-Arbeitsmarktbericht", sagte Stratege Doug Cote von ING Investment Management.

Die Indizes zeigten sich am Ende des Handelstages mit einer uneinheitlichen Tendenz. Der Dow-Jones-Index erhöhte sich um 0,3 Prozent auf 13.825 Punkte und markierte damit erneut ein Fünfjahreshoch. Der S&P-500 schloss unverändert bei 1.495 Punkten. Im Verlauf war der Index erstmals seit dem 12. Dezember 2007 wieder über die Marke von 1.500 Punkten geklettert. Der technologielastige Nasdaq-Composite verlor dagegen 0,7 Prozent auf 3.130 Punkte. Der Umsatz stieg auf 0,68 (Mittwoch: 0,63) Milliarden Aktien. Den 1.698 (1.458) Kursgewinnern standen 1.330 (1.569) -verlierer gegenüber. Unverändert schlossen 126 (121) Titel.

Leidtragende der guten Konjunkturdaten waren die Notierungen am Anleihemarkt, die unter Druck standen. Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg auf 1,85 Prozent. "Mit der Kopplung des Niedrigzinsniveaus der US-Notenbank an die Entwicklung am US-Arbeitsmarkt stellen sich viele Investoren mittlerweile die Frage, wie lange die Zinsen noch nahe Null liegen werden", sagte Startege Andrew Wilkinson von Miller Tabak. Entscheidend sei aber auch, wie die aktuell recht gute konjunkturelle Entwicklung das Anleiherückkaufprogramm der Notenbank beeinflusse.

Die guten US-Konjunkturdaten weckten am Ölmarkt Hoffnungen auf eine steigende Nachfrage. Der Preis für ein Barrel der Sorte WTI kletterte zum Settlement um 0,8 Prozent auf 95,95 Dollar. Die wöchentlichen Lagerbestandsdaten hatten dagegen kaum Einfluss auf das Sentiment. Hier fiel der Anstieg beim Rohöl mit 2,8 Millionen Barrel leicht über den prognostizierten 1,7 Millionen Barrel aus.

Am Devisenmarkt stand vor allem die Dollar-Entwicklung im Fokus. Der Greenback gab zum Euro etwas nach, legte allerdings zum Yen deutlich zu. Nachdem der stellvertretende Finanzminister Japans, Takehiko Nakao, eine genaue Beobachtung der Wechselkurse angekündigt hatte, stiegen wieder die Spekulationen über eine mögliche Yen-Abwertung. Allerdings stelle sich die Frage, wie dies erreicht werden soll, vor allem nach den jüngst beschlossenen Maßnahmen der Bank of Japan, so eine Händlerin. Der Dollar notierte im späten US-Handel bei 90,36 Yen und damit auf dem höchsten Stand seit Juni 2010. Dabei profitierte der Greenback auch von den guten US-Konjunkturdaten. Der Euro lag bei 1,3375 Dollar.

Der Goldpreis fiel zum Settlement auf 1.669,90 Dollar Feinunze. Mit den guten wöchentlichen Daten vom US-Arbeitsmarkt hätten die Anleger aggressivere Lockerungen der US-Geldpolitik nun ausgepreist, erläuterte ein Händler die fallenden Notierungen. Zudem sei es nach der zuletzt eher lustlosen Entwicklung des Goldpreises und dem verpassten Sprung über die Marke von 1.700 Dollar zu Umschichtungen gekommen.

Bei den Einzelwerten zogen die Titel von 3M um 0,2 Prozent an, das Industriekonglomerat übertraf mit dem Umsatz im vierten Quartal die Markterwartungen. Microsoft-Titel zeigten sich unverändert. Der Softwareriese wird sich nach der Schlussglocke in die Bücher schauen lassen. Netflix-Papiere schossen um 42 Prozent empor, der Online-Filmverleiher überzeugte mit seinem Ausblick.

=== 
INDEX           zuletzt  +/- %  absolut 
DJIA          13.825,33   0,33    46,00 
S&P-500        1.494,82   0,00     0,01 
Nasdaq-Comp.   3.130,38  -0,74   -23,29 
Nasdaq-100     2.723,53  -1,40   -38,64 
 
 Kupon  Fälligkeit   Kurs    Veränderung   Rendite  Veränderung 
  1/8%    2-year     99 25/32   unchg       0,243%   unchg 
  3/8%    3-Year    100  0/32   dn 1/32     0,370%   +0,8 Bp 
  3/4%    5-year     99 29/32   dn 2/32     0,766%   +1,4 Bp 
1 1/8%    7-Year     99  5/32   dn 3/32     1,250%   +1,7 Bp 
1 5/8%   10-year     97 31/32   dn 5/32     1,852%   +1,7 Bp 
2 3/4%   30-year     94  7/32   dn 11/32    3,046%   +1,8 Bp 
 
DEVISEN   zuletzt  '+/- %  Do, 7.55 Uhr  Mi, 17.55 Uhr 
EUR/USD    1,3375   0,26%        1,3340         1,3307 
EUR/JPY  120,8739   1,44%      119,1553       117,6497 
EUR/CHF    1,2421   0,12%        1,2407         1,2368 
USD/JPY   90,3600   1,15%       89,3290        88,4360 
GBP/USD    1,5791  -0,32%        1,5841         1,5849 
=== 

Kontakt zum Autor: thomas.rossmann@dowjones.com

 
DJG/DJN/ros 
 

(END) Dow Jones Newswires

January 24, 2013 17:21 ET (22:21 GMT)

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