20. Mai 2013

Musterhäuser

Fertighäuser zum Ausprobieren

Von Christine Scharrenbroch
01. August 2011 Das Empfangsgebäude steht schon: Rene Jobu nagelt gerade die Eckpfosten an die Fassade aus anthrazitfarbigen Holzlamellen. Der Schreiner ist von Anfang an auf der Baustelle im Gewerbepark Frechen bei Köln dabei. Mit seinem Trupp hat er die 12 Meter langen Wand- und Deckenelemente entgegengenommen, die auf mehreren Lastwagen vom Werk der Schwörer Haus KG auf der Schwäbischen Alb kamen. In nur drei Tagen haben die Arbeiter das 300 Quadratmeter große Fertighaus aufgebaut. Bald werden hier die Gäste der Musterhausausstellung mit Informationen, Kaffee und Kuchen versorgt. Jobus Kollegen sind gerade mit der Dachisolierung und der Fußbodenheizung beschäftigt. „In drei Wochen wollen wir fertig sein“, sagt der Schreiner.
Zwischen den vielen Kränen und Lastwagen ist kaum ein Durchkommen auf dem Baugelände direkt am Autobahnkreuz Köln-West. Schräg gegenüber dem Empfangsgebäude gießen Mitarbeiter von Rensch-Haus gerade die Bodenplatte. Am Dan-Haus nebenan werden Dachrinnen montiert, das geradlinig designte Schwaben-Haus erhält einen grau-weißen Anstrich, und für das luxuriöse Huf-Haus liefert ein Kran riesige Wandelemente aus viel Glas an.
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22 Aussteller in Frechen

Innerhalb von drei Monaten bauen 22 Fertighaushersteller, darunter Branchengrößen wie Bien-Zenker, Weber-Haus, Fingerhaus und die Deutsche Fertighaus Holding (mit den Marken Okal, Massa und Allkauf), auf dem 18 000 Quadratmeter großen Areal ihre Musterhäuser auf.
Die Bauteile der Holzkonstruktion werden im Werk mit Dämmmaterial gefüllt und mit Werkstoffplatten verschlossen. Auch die Außendämmung, der Einbau von Fenstern und Türen, das Aufbringen des Grundputzes und die Befestigung von Fassadenelementen erfolgen dort. Auf der Baustelle montieren die Trupps die einzelnen Elemente in wenigen Tagen zu einem ausbaufähigen Haus. 18 Häuser sollen bis zur Eröffnung im September fertig sein.
Die Fertighauswelt Köln ist der dritte Musterhauspark, bei dem der Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF) als Betreiber fungiert. 2005 wurde ein Park in Langenhagen bei Hannover eröffnet, 2008 folgte Heßdorf bei Nürnberg. Der BDF kauft das Grundstück und vermietet die Parzellen an die Hersteller. In das jüngste Projekt investiert der Verband laut Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas rund 5 Millionen Euro, die Hersteller lassen sich den Bau der Häuser schätzungsweise 10 Millionen Euro kosten. Mehr als 50.000 Besucher im Jahr erwartet der BDF.

Eigenheim & Garten spielt die Rolle des Marktführers

Für die Branche sind die Musterhausparks der wichtigste Vertriebsweg. Meist gegen Eintrittsgeld gewähren sie Einblick in die Häuser und bieten Vorträge, Seminare und Beratungen. Auch ein Spielplatz und eine Cafeteria gehören in der Regel dazu. Bundesweit zeigen 16 große Ausstellungen von Hannover bis München Eigenheime. Bei manchen Schauen werden nur zehn Häuser präsentiert, auf anderen weit mehr. In Fellbach sind es sogar 6 (siehe Karte). Ferner gibt es rund 500 einzeln stehende Musterhäuser.
Als Markführer unter den Parkbetreibern gilt Eigenheim & Garten. In die vier großen Ausstellungen des Familienunternehmens aus Fellbach bei Stuttgart kommen jedes Jahr rund 280 000 Besucher, wie Geschäftsführer Andreas Speer berichtet. Für seine Bau- und Fertighausfachzeitschriften habe der Verleger Ottmar Strebel einst viele Musterhäuser besichtigt, erzählt Speer. Eine aufwendige Angelegenheit, da diese damals meist an den Werken der einzelnen Hersteller standen. Auf einer freien Fläche hinter dem Verlagsgebäude gründete Strebel 1971 eine der ersten Musterhausausstellungen Europas. Parks in Wuppertal (1974), Bad Vilbel bei Frankfurt (1983) und Poing bei München (1999) folgten.
Die vier Ausstellungen würden derzeit neu ausgerichtet, berichtet Speer. Künftig soll sich nicht mehr alles nur um Neubauten drehen. Auch zum Thema Umbau, Aufstockung und Sanierung will er Angebote schaffen. Nachholbedarf sieht der Geschäftsführer vor allem im Hinblick auf den großen Renovierungsbedarf zur Energieeinsparung.
So präsentiert sich in Poing nahe München seit einiger Zeit auch ein Dienstleister für energetische Haussanierungen dem Publikum. Zweitgrößter Betreiber ist der Unger-Park, der seinen Schwerpunkt in den östlichen Bundesländern hat. Darüber hinaus betätigen sich bisweilen Messegesellschaften als Organisatoren, wie etwa in Offenburg. In Mülheim-Kärlich wiederum hat sich der Hersteller Huf-Haus aus dem Westerwald mit einem privaten Partner für ein Musterhauszentrum zusammengetan.

Wachsende Branche

Die Branche wächst: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 13.118 Fertighäuser neu genehmigt, ein Plus von 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit legte die Fertigbauweise stärker zu als die konventionelle Nassbauweise, die ein Plus von nur 4 Prozent verzeichnete. Der Marktanteil der Fertighäuser kletterte von 14,6 auf 15,1 Prozent. Dabei zeigen sich innerhalb Deutschlands große Unterschiede. Während in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz jedes vierte neu genehmigte Eigenheim ein Fertighaus ist, beträgt der Anteil in Niedersachsen weniger als 5 Prozent.
Vom 2004 propagierten Ziel, ein Fünftel aller neuen Häuser in Deutschland zu stellen, ist die Branche aber noch ein ganzes Stück entfernt. Für das laufende Jahr gibt sich BDF-Hauptgeschäftsführer Klaas optimistisch: „Die Auftragsbücher sind voll.“ 2011 werde die Zahl der verkauften Fertighäuser im oberen einstelligen Prozentbereich zulegen, erwartet er.

Potential noch nicht ausgeschöpft

Mit dem neuen Park in Frechen will der BDF das Geschäft in Nordrhein-Westfalen forcieren. Um möglichst viel Aufmerksamkeit zu erregen, sei ein prominenter Standort wichtig gewesen, sagt der Verbands-Geschäftsführer. In der Tat können jeden Tag Tausende von Menschen bei der Autofahrt einen Blick auf die Häuser werfen, liegt die Fertighauswelt doch genau in der Kreuzung der vielbefahrenen Autobahnen A1 und A4 im Kölner Westen.
Dass es im nicht weit entfernten Wuppertal schon eine Ausstellung von Haus & Garten gibt, ficht Klaas nicht an: „Das Potential in der Region ist noch lange nicht ausgeschöpft.“ Der Marktanteil des Fertigbaus liege in Nordrhein-Westfalen bei unterdurchschnittlichen 11 Prozent.
Der Blick geht aber auch über die Grenze: „Wir zielen auch auf unsere Nachbarn in den Niederlanden und Belgien“, sagt Schwörer-Vertriebsleiter Hans Bachmeier. Dort versuche der Mittelständler gerade sein Geschäft auszuweiten. Nach Delft und Antwerpen wurden schon erste Häuser verkauft.


Text: F.A.S.
Bildmaterial: F.A.Z.

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