22. Mai 2013

PRESSESTIMME BÖRSEN-ZEITUNG

 
Mageres Rohstoffjahr, 
 
Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn 
 
Wer in den vergangenen zwölf Monaten in Rohstoffen investiert war, hatte wenig Grund zur Freude. Bei vielen Rohstoffgruppen befinden sich die Preise auf oder sogar unter den Niveaus von vor einem Jahr. Die Preisanstiege, die es im ersten Quartal gegeben hatte, haben sich längst eingeebnet. 
 
So ist beispielsweise Rohöl, je nach Kontrakt, wieder 5 bis 10% billiger, Industriemetalle wie Nickel haben um mehr als 10% nachgegeben. Bei den Edelmetallen halten sich die Verluste im einstelligen Prozentbereich. Und auch bei den Agrarrohstoffen gibt es zahlreiche Enttäuschungen. So verminderte sich etwa der Preis von Rohzucker um mehr als 25%. Die große Ausnahme sind die Preise für Getreide und Sojabohnen, die von der enormen Trockenheit des Sommers in den USA und Russland profitiert haben. Zwar hat in dem Segment seit Herbst wieder eine gewisse Normalisierung stattgefunden, die Weizenpreise beispielsweise liegen aber nach wie vor um rund 40% über dem Niveau von vor einem Jahr. 
 
Auf kurze Sicht, also bis Ende des Jahres, ist für Investoren an den Rohstoffmärkten keine Wende zum Besseren zu erwarten. Die Konjunktur liegt weltweit danieder, auch wenn Frühindikatoren bereits eine Erholung andeuten und bei institutionellen Investoren allmählich wieder ein wenig Konjunkturoptimismus zurückkehrt. Dieser bezieht sich aber erst auf das kommende Jahr. 
 
Gefährliche Klippe 
 
Zudem gilt es, eine gefährliche Klippe zu umschiffen: An den Märkten herrscht Unsicherheit darüber, ob es in den Verhandlungen zwischen Demokraten und Republikanern über den US-Staatshaushalt zu einer Einigung kommen wird und somit die automatischen Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen vermieden werden. Diese machen bis zu 5% des Bruttoinlandsprodukts aus. Kommt es zu keiner Einigung, würden die USA in eine ausgeprägte Rezession stürzen. Für die Rohstoffmärkte wäre dies aus Sicht der Investoren ein Desaster. Profitieren könnte davon höchstens der Goldpreis, wenn das Edelmetall wieder stärker seine traditionelle Rolle als "sicherer Hafen" in Krisenzeiten annimmt. 
 
Aber auch für den deutlich wahrscheinlicheren Fall, dass es den beiden politischen Parteien in den USA gelingt, ihre ideologischen Differenzen in dieser Sache zu überwinden, ist für die Rohstoffmärkte 2013 keineswegs eitel Sonnenschein angesagt. Für Anleger komme es im neuen Turnus darauf an, jeweils kurzfristig die richtigen Rohstoffgruppen auszuwählen, betonen viele Analysten. 
Zur Vorsicht mahnt etwa die Tatsache, dass die Internationale Energieagentur vor wenigen Tagen ihre Prognose für den weltweiten Ölverbrauch im kommenden Jahr erneut nach unten korrigiert hat. Damit ist beim Ölpreis zumindest aus jetziger Sicht wohl nur ein moderater Anstieg drin - zumal ein aktuelles Niveau von Brent Crude von rund 109 Dollar je Barrel ja auch nicht gerade als niedrig zu bezeichnen ist. 
 
Bei den Industriemetallen ist meist von einem ausreichenden bis steigenden Angebot die Rede. Mit Blick auf die auch 2013 wohl nicht in den Himmel weisenden Wachstumsraten der wichtigsten Volkswirtschaften deutet sich eher eine Fortsetzung der aktuellen Seitwärtsbewegung der Preise an. Selbst die Tatsache, dass China wieder darangeht, die staatlichen Vorräte aufzustocken, wird wohl keinen neuen Preisschub auslösen. 
 
Bei den Agrarrohstoffen ist zu berücksichtigen, dass bei bedeutenden Produktgruppen wie den Getreiden das Preisniveau nach wie vor hoch ist, was die Chancen für weitere Gewinne erheblich mindert. Allerdings gehen Analysten davon aus, dass wegen der aktuellen Knappheit bereits kleine Ausfälle ausreichen könnten, um für kräftige Preissteigerungen zu sorgen. 
 
Am besten sieht es derzeit wohl noch bei den Edelmetallen aus. So sagen etwa Edelmetallspezialisten der Deutschen Bank voraus, dass der Goldpreis, der aktuell bei rund 1720 Dollar je Feinunze steht, im kommenden Jahr über die Marke von 2000 Dollar klettern könnte. Hauptpreistreiber könnte dabei die anhaltend starke Stimulierung der Volkswirtschaften mit Zentralbankgeldern sein, die für eine Flutung der Märkte mit Liquidität sorgt und in der Folge Inflationsängste wecken könnte. Vor diesem Hintergrund lässt sich der aktuelle Preis, der deutlich unter dem Rekordniveau vom Herbst 2011 liegt, als eine Einstiegsgelegenheit werten. 
 
Das Rohstoffjahr 2013 wird also durchaus Chancen für Investoren bieten und damit wahrscheinlich besser verlaufen als der laufende Turnus. Die Chancen zu nutzen wird aber schwieriger als in den vergangenen Jahren, als fast alle Rohstoffgruppen Selbstläufer waren. 
 
Weitere Informationen: www.boersen-zeitung.de 
 
Dies ist eine Pressestimme der Börsen-Zeitung. Für Text und Inhalt ist ausschließlich die Börsen-Zeitung verantwortlich. 
Die geäußerten Ansichten reflektieren auch nicht die Ansichten von Dow Jones Newswires oder der Dow Jones and Company Inc. 
 

(END) Dow Jones Newswires

November 16, 2012 14:46 ET (19:46 GMT)

  Mehr zum Thema
Artikel
Kurse & Charts
Tools


Quicklinks
Spezialsuche:
Dax
F.A.Z.
Tec
Dow
Nas
21.05.2013 17:45 Uhr
Dax 8.472,20
+0,19 %
Dax
Tec
Dow
Nas
21.05.2013 17:35 Uhr
Tops & Flops Kurs in %
Infineon 6,64 € +2,91%
E.ON 13,23 € +2,08%
BASF SE NA O.N. 75,35 € +1,91%
Dt. Post 20,24 € +1,73%
ThyssenKrupp 15,25 € +1,46%
Volkswagen Vz 171,60 € −1,29%
Daimler 49,65 € −1,43%
Fresenius 94,02 € −1,86%
Dt. Bank 36,66 € −2,28%
COMMERZBANK AG 8,18 € −3,73%
22.05.2013 05:36 Uhr
Name Kurs in %
DAX 8.472,20 +0,19%
FAZ-INDEX 1.774,44 +0,12%
TecDAX 968,87 −0,25%
MDAX 14.200,90 +0,26%
SDAX 6.027,69 −0,04%
REX 444,97 −0,02%
Eurostoxx 50 2.821,65 −0,10%
F.A.Z. EURO 92,91 € −0,36%
Dow Jones 15.387,60 +0,34%
Nasdaq 100 3.026,45 +0,18%
S&P500 1.669,16 +0,17%
Nikkei225 15.558,50 +1,15%
EUR/USD 1,2923 +0,13%
Rohöl Brent Crude 104,79 $ --%
Gold 1.353,75 $ --%
Bund Future 144,85 € --%
Highlights
EUR/USD
EUR/GBP
EUR/JPY
EUR/CHF
22.05.2013 04:09 Uhr
 
        Vortag
1,2923
+0,13 %
Deutschland
Europa
21.05.2013 17:59 Uhr
Name Kurs in %
FAZ-INDEX 1.774,44 +0,12%
F.A.Z. BANKEN EUR 616,50 € −2,54%
F.A.Z. VERSICHERU... 21.463,40 € −0,13%
F.A.Z. IT + ELEKT... 4.136,00 € −0,19%
F.A.Z. BAU + IMMO... 3.479,68 € +0,63%
F.A.Z. CHEMIE + P... 2.574,62 € +1,02%
F.A.Z. VERS. + TE... 857,75 € +0,47%
F.A.Z. AUTO + ZUL... 3.466,37 € −0,67%
F.A.Z. MASCHINENB... 580,40 € +0,45%
F.A.Z. GRUNDSTOFF... 963,09 € +1,22%
F.A.Z. HANDEL + V... 1.284,90 € +0,72%
F.A.Z. KONSUMG. +... 1.310,23 € −0,09%
F.A.Z. ERNEUERB. ... 268,05 € +1,85%
20.05.2013 Uhr
Name Kurs in %
Gold 1.353,75 $ --%
Silber 21,66 $ --%
Platin 1.452,00 $ --%
Palladium 736,00 $ --%
Rohöl Brent Crude 104,79 $ --%
Gas 65,95 £ --%
Kaffee 140,80 $ --%
Zucker 16,94 $ --%
Orangensaft 143,85 $ --%
AMEX GOLD BUGS 601,37 --%
AMEX OIL 1.151,96 --%
Rogers International 24,14 +0,50%

Sie haben Fragen zu FAZfinance.NET?

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2001-2013

Quellen: TeleTrader Software AG, FWW GmbH, Morningstar Deutschland GmbH und weitere. Alle Börsendaten werden mit mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt. Realtime-Index-Daten in Zusammenarbeit mit der Boerse Stuttgart - Powered by Structured Solutions

 
© 2013 Morningstar, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Die hierin enthaltenen Informationen: (1) sind für Morningstar und/oder ihre Inhalte-Anbieter urheberrechtlich geschützt; (2) dürfen nicht vervielfältigt oder verbreitet werden; und (3) deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wird nicht garantiert. Weder Morningstar noch deren Inhalte-Anbieter sind verantwortlich für etwaige Schäden oder Verluste, die aus der Verwendung dieser Informationen entstehen. Die Wertentwicklungen in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.