22. Mai 2012

PRESSESTIMME BÖRSEN-ZEITUNG

 
Nette Überraschung, 
 
Marktkommentar von Dieter Kuckelkorn 
 
Für die europäischen Anleger war es eine nette Überraschung zum Wochenende: Der US-Aktienmarkt hat sich im Januar in einem ausgesprochen positiven Zustand präsentiert. Mit 243000 zusätzlichen von den US-Unternehmen gemeldeten Jobs ist die Konsensschätzung weit übertroffen worden. Die Arbeitslosenquote ist auf ein Dreijahrestief von 8,3% gesunken. Und bei der Befragung der privaten Haushalte, auf deren Basis die Berechnung der Arbeitslosenquote ruht, ist sogar herausgekommen, dass im Januar netto 847000 Amerikaner mehr in Lohn und Brot standen als im Dezember. Das ist eine erstaunlich hohe Zahl. 
 
Damit hat sich nun klar bestätigt, dass die konjunkturelle Lage in den USA längst nicht so düster ist, wie sie noch vor dem Jahreswechsel erschien. Die Arbeitsmarktzahlen dürften auch die Zweifel zerstreuen, die zuletzt aufgrund einiger weniger positiv ausgefallener US-Makrodaten entstanden waren. Und auch in Europa dürfte der Optimismus der Anleger weiter zunehmen. Dies hat sich am Freitag daran gezeigt, dass der Dax weiter zulegen konnte, und zwar um immerhin 1,7% auf 6767 Punkte - trotz der bereits fast schwindelerregenden Performance, die er seit Jahresbeginn gezeigt hat. Der deutsche Leitindex ist seit Anfang Januar um sage und schreibe 14,7% geklettert. Dies ist nicht nur der beste Auftakt seit Einführung des Index im Jahr 1988. Es handelt sich sogar um das bislang beste Jahr seit 1973 - solange brauchbare simulierte Rückrechnungen für den Dax existieren. 
 
Vom Jahrestief abgesetzt 
 
Auch der Euro hat bislang profitiert. Er hat sich in den vergangenen Handelstagen mit Kursen oberhalb von 1,32 Dollar wieder deutlich vom bisherigen Jahrestief per Mitte Januar von 1,26 Dollar gelöst (siehe Chart). Dass er am Freitag mit nur noch knapp über 1,31 Dollar eine gewisse Schwäche zeigte, sollte nicht beunruhigen: Die amerikanischen Arbeitsmarktzahlen stützen kurzfristig, wie zu erwarten war, eher die US-Devise. 
 
Für die Eurozone sollten sich die Anleger allerdings darüber im Klaren sein, das die Reaktionen an den Kapitalmärkten nicht allein auf die sich aufhellende konjunkturelle Lage zurückzuführen ist. Vermutlich ist der Effekt der gigantischen Liquiditätsspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) stärker. Dafür spricht jedenfalls, dass die aktuelle Saison der Quartalsberichte der Unternehmen diesseits des Atlantiks nicht übermäßig positiv ausgefallen ist - was die Aktienanleger aber derzeit kaum interessiert. Zu fragen ist also, wie lange noch die Investoren die durchaus vorhandenen negativen Faktoren komplett ausblenden. So ist es derzeit zwar denkbar, dass der Dax bis auf 7000 Punkte oder sogar knapp darüber vorrückt. Ein solches Niveau dürfte aber nicht nachhaltig sein. Die meisten Analysten haben daher Dax-Kursziele für das Ende des ersten und des zweiten Quartals von teilweise deutlich unter 7000 Punkten postuliert. Und auch beim Euro rechnen die meisten Experten zumindest für das erste Halbjahr nicht damit, dass dieser gegenüber dem Greenback noch weitere und vor allem nachhaltige Bodengewinne erzielt. 
 
Griechenland belastet 
 
In der gerade beendeten Handelswoche hatten der europäische Aktienmarkt und die Gemeinschaftswährung auch von der Hoffnung profitiert, dass die Beteiligung der Banken an der Umschuldung Griechenlands festgezurrt werden kann. Da nun aber ein für den Montag geplantes Treffen der EU-Finanzminister abgesagt worden ist, erscheint eine schnelle Einigung als eher unwahrscheinlich. EU-Diplomaten warnen bereits nachdrücklich, dass die Zeit abläuft. Und selbst wenn es zu einer Einigung in den Verhandlungen kommt, ist noch nicht klar, wie hoch die Quote ist, mit der beim Schuldentausch mitgemacht wird. Der Erfolg der Umschuldung ist also auch nach einer Einigung noch nicht sicher. 
 
Zudem bereitet auch die immer größer werdende Finanzlücke Griechenlands Sorgen. Statt 130 Mrd. Euro muss das zweite Hilfspaket jetzt bis zu 150 Mrd. Euro schwer werden. Dies hat die Frage einer Einbeziehung der EZB aufgeworfen, wobei sich die Notenbank aus durchaus verständlichen Gründen dagegen sperrt. 
 
Wenn sich die obersten Notenbanker der Eurozone am Donnerstag zur Zinssitzung treffen, werden sie somit aller Voraussicht nach nichts beschließen, das den Märkten weiteren Auftrieb gibt. Eine weitere Zinssenkung gilt als unwahrscheinlich. Auch dürfte wohl noch nicht ein dritter Langfristtender zum weiteren Ausbau der Liquiditätsversorgung der Eurozone beschlossen werden. Es könnte am Donnerstag höchstens Andeutungen in dieser Richtung geben, denn die Versorgung der Realwirtschaft der Eurozone mit Krediten - eine wichtige Größe, die die Zentralbanker im Blick haben - war zuletzt nicht besonders üppig. Ob allein vage Hinweise auf einen weiteren Tender ausreichen, um die Märkte anzutreiben, ist jedoch fraglich. 
 
Weitere Informationen: www.boersen-zeitung.de 
 
Dies ist eine Pressestimme der Börsen-Zeitung. Für Text und Inhalt ist ausschließlich die Börsen-Zeitung verantwortlich. 
Die geäußerten Ansichten reflektieren auch nicht die Ansichten von Dow Jones Newswires oder der Dow Jones and Company Inc. 
 

(END) Dow Jones Newswires

February 03, 2012 14:23 ET (19:23 GMT)

  Mehr zum Thema
Artikel
Kurse & Charts
Tools


Quicklinks
Spezialsuche:
Dax
F.A.Z.
Tec
Dow
Nas
21.05.2012 17:45 Uhr
Dax 6.331,04
+0,95 %
Dax
Tec
Dow
Nas
21.05.2012 17:35 Uhr
Tops & Flops Kurs in %
Commerzbank 1,44 € +3,24%
Metro 24,00 € +3,23%
Merck 76,04 € +2,84%
MAN 80,39 € +2,83%
ADIDAS AG NA O.N. 60,85 € +2,79%
Daimler 37,19 € +0,41%
Fresenius 75,74 € +0,21%
E.ON 15,16 € −0,30%
RWE 29,73 € −0,87%
Henkel Vz 53,67 € −1,25%
22.05.2012 00:29 Uhr
Name Kurs in %
DAX 6.331,04 +0,95%
FAZ-INDEX 1.383,93 +1,01%
TecDAX 751,40 +1,20%
MDAX 10.169,50 +1,25%
SDAX 4.760,62 −0,15%
REX 433,59 −0,19%
Eurostoxx 50 2.150,16 +0,26%
F.A.Z. EURO 69,59 +0,55%
Dow Jones 12.504,50 +1,09%
Nasdaq 100 2.545,43 +2,70%
S&P500 1.315,99 +1,60%
Nikkei225 8.633,89 +0,26%
EUR/USD 1,2811 +0,04%
Rohöl Brent Crude 109,30 $ +2,32%
Gold 1.592,50 $ +0,19%
Bund Future 143,47 € −0,16%
Highlights
EUR/USD
EUR/GBP
EUR/JPY
EUR/CHF
22.05.2012 00:29 Uhr
 
        Vortag
1,2811
+0,04 %
Deutschland
Europa
21.05.2012 18:00 Uhr
Name Kurs in %
FAZ-INDEX 1.383,93 +1,01%
F.A.Z. BANKEN EUR 533,03 +1,84%
F.A.Z. VERSICHERU... 14.137,90 +0,78%
F.A.Z. IT + ELEKT... 3.271,32 +0,89%
F.A.Z. BAU + IMMO... 2.391,28 +1,30%
F.A.Z. CHEMIE + P... 1.903,76 +1,08%
F.A.Z. VERS. + TE... 837,70 +0,31%
F.A.Z. AUTO + ZUL... 2.603,02 +0,90%
F.A.Z. MASCHINENB... 466,84 +2,15%
F.A.Z. GRUNDSTOFF... 958,99 +1,42%
F.A.Z. HANDEL + V... 949,65 +1,08%
F.A.Z. KONSUMG. +... 1.001,31 +1,38%
F.A.Z. ERNEUERB. ... 261,06 −2,33%
21.05.2012 Uhr
Name Kurs in %
Gold 1.592,50 $ +0,19%
Silber 28,39 $ −0,32%
Platin 1.468,00 $ +0,69%
Palladium 617,00 $ +1,82%
Rohöl Brent Crude 109,30 $ +2,32%
Gas 0,54 £ +0,56%
Kaffee 1,81 $ +1,77%
Zucker 0,21 $ +0,93%
Orangensaft 1,04 $ −0,72%
AMEX GOLD BUGS 601,37 --%
AMEX OIL 1.151,96 --%
Rogers International 24,14 +0,50%

Sie haben Fragen zu FAZfinance.NET?

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2001-2012

Quellen: TeleTrader Software AG, FWW GmbH, Morningstar Deutschland GmbH und weitere. Alle Börsendaten werden mit mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt. Realtime-Index-Daten in Zusammenarbeit mit der Boerse Stuttgart - Powered by Structured Solutions

 
© 2012 Morningstar, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Die hierin enthaltenen Informationen: (1) sind für Morningstar und/oder ihre Inhalte-Anbieter urheberrechtlich geschützt; (2) dürfen nicht vervielfältigt oder verbreitet werden; und (3) deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wird nicht garantiert. Weder Morningstar noch deren Inhalte-Anbieter sind verantwortlich für etwaige Schäden oder Verluste, die aus der Verwendung dieser Informationen entstehen. Die Wertentwicklungen in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.