26. Mai 2013

Notenbanker warnen vor nachlassendem Reformeifer

Angesichts der Fortschritte bei der Bewältigung der Schuldenkrise in Europa haben führende deutsche Notenbanker vor einem Nachlassen der Anstrengungen gewarnt. In Interviews betonten

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Bundesbankpräsident Jens Weidmann und EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen, der Weg bis zum Ende der Euro-Krise werde noch lang sein.

Weidmann sagte der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, er glaube nicht, dass die Eurokrise bereits abgehakt ist. "Die Ursachen sind noch lange nicht beseitigt," warnte der Bundesbankpräsident. Ins gleiche Horn stieß Asmussen in einem Interview mit den Stuttgarter Nachrichten: "Wir können heute besser mit der Krise umgehen. Die Probleme sind aber nicht überwunden. Die Anpassungsprozesse, die Beseitigung der Struktur- und Wettbewerbsprobleme werden noch Jahre dauern", sagte das EZB-Direktoriumsmitglied.

Weidmann warnte die Politik davor, sich aus der Verantwortung für die Lösung der Krise zu stehlen: Es werde zur Gefahr, "wenn die Politik mit der Krise nichts mehr zu tun haben will und erwartet, dass die Notenbank die Kastanien aus dem Feuer holt," sagte der deutsche Bundesbankchef. Auch Asmussen warnte vor einem nachlassenden Reformeifer in der Eurozone. "Die Konstruktionsfehler der Währungsunion sind noch nicht beseitigt". Angesichts der gemachten Fortschritte zeigte sich Asmussen aber "vorsichtig optimistisch".

Weidmann wiederholte seine Kritik an Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank, und seiner Ankündigung, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von in Schwierigkeiten geratenen Eurozone-Ländern aufzukaufen. "Ich befürchte stabilitätspolitische Risiken und die Gefahr einer Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik," wird Weidmann von der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zitiert.

Auch Asmussen warnte, die EZB müsse "in der Tat aufpassen, dass wir unser Mandat nicht überdehnen. Das ist in Krisenzeiten manchmal erforderlich. Wenn wir uns normalen Zeiten nähern, müssen wir zurück aus diesem Krisenmodus", sagte Asmussen.

Unterstützung im Kampf gegen eine zu laxe Geldpolitik bekamen die beiden deutschen Notenbanker auch von EZB-Direktoriumsmitglied Yves Mersch. Der Luxemburger riet in der Börsen-Zeitung mit Blick auf die Möglichkeit weiterer Zinssenkungen zur Behutsamkeit. "Bei der Zinspolitik sind wir zwar noch nicht am Ende der Fahnenstange angekommen, obwohl das Ende nicht mehr so weit weg ist", sagte Mersch. Aber die Europäische Zentralbank solle sich auf das beschränken, was effektiv sei. "Und das scheinen mir derzeit nicht die konventionellen Maßnahmen zu sein", sagte der Notenbanker. "Unser Problem ist nicht das Zinsniveau, sondern dass die niedrigen Zinsen nicht da ankommen, wo sie gebraucht werden." Die Kreditvergabe der Banken in Europa sei weiter schwach.

Der Leitzins in der Eurozone steht seit Juli auf einem Rekordtiefstand von 0,75 Prozent. Anfang Dezember hatte EZB-Chef Mario Draghi angedeutet, dass es im Zentralbankrat Überlegungen über eine weitere Lockerung der Geldpolitik gibt. Draghi-Kritiker befürchten aber, dass ein nachlassender Druck der Finanzmärkte den Reformeifer in den Krisenstaaten rasch erlahmen lassen könnte.

Weidmann wiederholte frühere Aussagen, nach denen er trotz seines Konflikts mit Draghi über den Kurs in der Eurokrise nicht an Rücktritt gedacht habe. "Wenn alle Bundesbankpräsidenten zurückträten, was würde das bringen? Dann würden alle solange zurücktreten, bis einer kommt, der alles abnickt," zitiert ihn die Zeitung. Weidmanns Vorgänger bei der Bundesbank, Axel Weber, war im vergangenen Jahr zurückgetreten. Auch er hatte sich kritisch über den Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB geäußert.

Kontakt zum Autor: unternehmen.de@dowjones.com

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