20. Mai 2013

MÄRKTE USA/Unternehmenszahlen und Fed-Hoffnungen beflügeln

Von Thomas Rossmann 

Gute Quartalsergebnisse und anhaltende Hoffnungen auf weitere geldpolitische Maßnahmen der US-Notenbank haben zur Wochenmitte die Kurse an Wall Street steigen lassen. Allerdings gaben weder eine erneute Anhörung von US-Notenbankpräsident Ben Bernanke noch das Beige Book Hinweise auf geplante Schritte der US-Notenbank. Positive Nachrichten gab es dagegen vom US-Immobilienmarkt, wo die Baubeginne im Juni auf den höchsten Stand seit Oktober 2008 geklettert sind. Intel waren trotz einer gesenkten Umsatzprognose für das Gesamtjahr Tagesgewinner im Dow-Jones-Index. Man habe mit einer solchen Nachricht gerechnet, hieß es zur Begründung.

Der Dow-Jones-Index (DJIA) verbesserte sich um 0,8 Prozent auf 12.909 Punkte. Der S&P-500 stieg um 0,7 Prozent auf 1.373 Punkte und der technologielastige Nasdaq-Composite schloss mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 2.943 Punkten. Der Umsatz zog leicht auf 0,72 (Dienstag: 0,70) Milliarden Aktien an. Auf die 1.867 (2.044) Kursgewinner kamen dabei 1.136 (988) -verlierer. Unverändert gingen 131 (124) Titel aus der Sitzung.

Nach ausgebliebenen Hinweisen auf weitere geldpolitische Maßnahmen durch die US-Notenbank bei den Anhörungen von Fed-Chairman Bernanke ruhten die Hoffnungen der Anleger auf der Veröffentlichung des Beige Book, dem Konjunkturbericht der Notenbank. Doch auch hier waren keine Indizien zu finden. "Die Aussagen des Beige Book erhöhen nicht die Wahrscheinlichkeit von weiteren geldpolitischen Maßnahmen, schließen sie aber auch nicht aus", fasste ein Analyst den Bericht zusammen.

Positive Nachrichten kamen vom US-Häusermarkt. Die Zahl der Baubeginne ist im Juni auf 760.000 gestiegen und damit das höchste Niveau seit Oktober 2008. Dies halte die Hoffnung auf eine Bodenbildung am Häusermarkt in den USA aufrecht, so ein Marktteilnehmer. Die Delle vom Mai sei mehr als wettgemacht worden. Der Immobilienmarkt erholt sich damit weiter von den Tiefs nach dem Beginn der Finanzkrise, als monatlich weniger als 500.000 Baubeginne gemeldet wurden.

Im Blickpunkt des Marktes stand zudem weiter die US-Berichtssaison. "Am Markt ist ein leichtes Aufatmen zu spüren, da die Unternehmen die die Erwartungen der Analysten verfehlt haben, dies nur knapp taten", sagte Maris Ogg von Tower Bridge Advisors. Dennoch rechnet die Analystin aufgrund der schwachen Konjunktur in den USA noch mit einigen negativen Überraschungen.

Am Devisenmarkt fiel der Euro zum Dollar wieder zurück, nachdem er in Asien zeitweise erneut über 1,23 Dollar geklettert war. Damit hatte er sich von dem zwischenzeitlichen Absturz am Dienstagnachmittag in Folge der fehlenden Aussagen Bernankes zu weiteren geldpolitischen Lockerungen erholt. Der Dollar zeigte sich vom Beige Book unbeeindruckt, ergänzte ein Händler. Der Euro wurde im späten US-Geschäft mit 1,2281 Dollar gehandelt.

Der Goldpreis litt unter dem weiterhin starken Dollar und dem erneuten Ausbleiben von Hinweisen auf weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen durch die US-Notenbank. Der Goldpreis notierte zum Settlement bei 1.570,80 Dollar, ein Abschlag von 1,2 Prozent.

Am Anleihemarkt zogen die Notierungen mit den sich wieder verstärkenden Sorgen um die Schuldenkrise in der Eurozone an. So stiegen die Renditen zehnjähriger spanischer Anleihen nach schwachen Daten vom spanischen Immobilienmarkt wieder bis knapp an die Marke von 7 Prozent. Einige Anleger seien mittlerweile schon etwas verärgert, dass der Politik kein Befreiungsschlag zur Lösung der Probleme gelingt, sagte ein Händler. Zudem seien die Schritte hin zu einer Fiskalunion zu zögerlich. Die Rendite der zehnjährigen US-Anleihe fiel auf 1,xx Prozent.

Der Ölpreis profitierte von einem Rückgang bei den wöchentlichen Lagerdaten aus den USA. Dieser blieb mit 800.000 Barrel zwar unter der Prognose eines Minus von 1,1 Millionen Barrel, stellte aber bereits den dritten deutlichen Rückgang in Folge dar. Die Daten drängten die Enttäuschung über ausgebliebene Hinweise von US-Notenbankpräsident Bernanke zu weiteren geldpolitischen Maßnahmen in den Hintergrund, so ein Händler. Der Ölpreis der Sorte WTI notierte zum Settlement bei 89,87 Dollar je Barrel, ein Plus von 0,7 Prozent gegenüber dem Vortag.

Auf Unternehmensseite hat die Bank of America vorbörslich die Ergebnisse für das zweite Quartal veröffentlicht. "Gut, aber nach den Ergebnissen der anderen US-Banken auch keine große Überraschung mehr", sagte ein Händler. Mit dem Gewinn von 0,19 Dollar je Aktie wurde der Konsens um fünf Cent übertroffen. Auch die Flüsterschätzung lag noch zwei Cent darunter. Mit einigen Details, etwa den Einnahmen im Privat- und Geschäftskundenbereich zeigten sich Analysten aber unzufrieden. Die Aktie verlor 4,9 Prozent und war damit schwächster Wert im Dow-Jones-Index. Dies belastete den gesamten Finanzsektor.

Intel hatte am Vorabend die Anleger zwar mit einer gesenkten Umsatzerwartung für das Gesamtjahr verschreckt, die Aktie legte aber dennoch um 3,3 Prozent zu. Am Markt sei dies durchaus erwartet worden, hieß es. Einige Analysten zeigten sich gar erleichtert, dass die Senkung der Zielsetzung nicht ganz so schlimm wie von manchen befürchtet ausgefallen sei. Beim Umsatz für das zweite Quartal traf der Konzern die Markterwartung, das Ergebnis lag leicht darüber. Im Dow-Jones-Index führten mit Intel, Cisco Systems, Microsoft, IBM und Hewlett-Packard gleich fünf Technologiewerte die Gewinnerliste an.

Gesucht waren auch die Industriewerte, nachdem Honeywell mit den Zahlen für das zweite Quartal die Erwartungen der Analysten übertroffen hatte. Zudem wurde der Ausblick auf das Gesamtjahr leicht angehoben. Die Honeywell-Aktie legte um 6,7 Prozent zu. Im Gefolge stieg die Aktie von Boeing um 1,1 Prozent und die Titel von United Technologies kletterten um 1,7 Prozent.

 
INDEX           zuletzt  +/- %  absolut 
DJIA          12.908,70   0,81   103,16 
S&P-500        1.372,78   0,67     9,11 
Nasdaq-Comp.   2.942,60   1,12    32,56 
Nasdaq-100     2.625,87   1,32    34,22 
 
Kupon   Laufzeit    Kurs    Veränderung  Rendite  Veränderung 
1/4%     2-jähr.  100 1/32    + 1/32     0,226%    -1,2 Bp 
3/8%     3-jähr.   99 26/32   + 2/32     0,308%    -1,8 Bp 
3/4%     5-jähr.  100 23/32   + 3/32     0,601%    -1,7 Bp 
1%       7-jähr.  100 6/32    + 3/32     0,970%    -1,3 Bp 
1 3/4%  10-jähr.  102 11/32   + 3/32     1,491%    -1,0 Bp 
3%      30-jähr.  108 13/32   + 2/32     2,592%    -0,2 Bp 
 
DEVISEN  zuletzt  '+/- %  Mi, 8.00 Uhr  Di, 17.57 Uhr 
EUR/USD   1,2281   0,05%        1,2275         1,2228 
EUR/JPY  96,7496  -0,21%       96,9509        96,6341 
EUR/CHF   1,2011   0,00%        1,2011         1,2011 
USD/JPY  78,7950  -0,24%       78,9850        79,0495 
GBP/USD   1,5651   0,06%        1,5642         1,5605 
 

Kontakt zum Autor: thomas.rossmann@dowjones.com

 
DJG/ros 
 

(END) Dow Jones Newswires

July 18, 2012 16:26 ET (20:26 GMT)

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