22. Mai 2013

MÄRKTE EUROPA/Wassertreten vor dem Tag der Notenbanken

Abwarten hieß am Mittwoch an den europäischen Börsen das Gebot des Tages. Denn Impulse waren absolute Mangelware. Die Wall Street blieb auf Grund des Independence-Day gleich ganz geschlossen. Für Donnerstag ist mit etwas mehr Schwung zu rechnen. Denn dann stehen die Notenbanksitzungen der Bank of England wie auch der Europäischen Zentralbank an. Den Handel am Mittwoch beendete der Euro-Stoxx-50 mit einem Minus von 0,3 Prozent bei 2.312 Punkten. Für den DAX ging es 0,2 Prozent auf 6.565 Zähler nach unten.

Bei der Bank of England wird erwartet, dass der Leitzins auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent bestätigt und das Anleihekaufprogramm um 50 Milliarden Pfund Sterling aufgestockt wird. Von der EZB erhofft sich der Markt mehrheitlich eine Zinssenkung um mindestens 25 Basispunkte auf dann 0,75 Prozent. Einige Akteure halten daneben weitere Maßnahmen für denkbar, beispielsweise die Auflage eines dritten Liquiditätstenders oder den Kauf von Staatsanleihen.

Aber es gibt auch Stimmen, die eine Zinssenkung für das falsche Signal halten. Für Martin Hüfner, Chefvolkswirt bei Assenagon, hilft eine Zinssenkung weder der Konjunktur noch den Banken und auch nicht der Staatsfinanzierung in Italien und Spanien. Vielmehr sei wichtig, dass derjenige, der den Euro sanieren wolle, das Vertrauen der Marktakteure erhalte. Und dies sei durch niedrige Zinsen nicht zu erreichen.

Die entscheidende Frage sei nun, wieviel die Märkte von der erwarteten Zinssenkung schon vorweggenommen haben, hieß es im Handel. So hat der DAX seit dem EU-Gipfelbeschluss in der Vorwoche rund 400 Punkte zugelegt. Sollte die EZB enttäuschen und nur eine Senkung um 25 Basispunkte oder gar nichts beschließen, dürfte dies den Aktienmarkt wieder Punkte kosten.

An den Anleihemärkten bezogen die Investoren bereits eine leicht defensive Haltung gegenüber der EZB-Entscheidung. So zogen die Renditen der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen um 16 Basispunkte auf 6,33 Prozent an, die italienischen gewannen 13 Basispunkte auf 5,73 Prozent. Auch der Euro kam im späten Handel deutlicher unter Abgabedruck und notierte nur noch bei 1,2535 gegenüber dem Dollar.

Vor allem gegenüber der Schwedischen Krone macht sich die aktuelle Schwäche der Gemeinschaftswährung bemerkbar. Der Euro fiel mit 8,6790 Kronen auf den tiefsten Stand seit elfeinhalb Jahren und damit auf das tiefste Niveau seit Einführung des Euro. Die schwedische Notenbank hatte den Leitzins am Vormittag bei 1,5 Prozent bestätigt.

Zu den Verlierern gehörten einmal mehr die Finanzwerte. Dieser Sektor ist besonders anfällig gegenüber der Zinsentscheidung. Nachdem die Branchentitel zuletzt sehr gut gelaufen waren, nahmen Investoren zunächst ein wenig Risiko heraus. So gab der europäische Sektor der Versicherer um 0,8 Prozent nach, der der Banken um 0,5 Prozent. Barclays büßten mit der Anhörung des früheren CEO vor einem britischen Parlamentsausschuss 0,6 Prozent ein. Dem Manager werden Manipulationen bei der britischen Großbank vorgeworfen.

Zu den größten Verlierern gehörten die Aktien der europäischen Versorger, deren Index um 0,5 Prozent nachgab. Hier belastete das Minus des Schwergewichts E.ON, das um 1,6 Prozent fiel. Die Einigung von E.ON mit Gazprom beurteilten Analysten zwar als positiv, allerdings dürften die Entwicklungen auf den Energiemärkten in Deutschland sowie den nord- und südeuropäischen Staaten weiterhin negativen Einfluss auf das operative Geschäft von E.ON haben, so die Analysten der Citigroup. Die Kollegen von J.P.Morgan merkten an, dass sich damit auch der letzte der vier Kurskatalysatoren, die man identifiziert habe, erledigt habe. Beide Häuser stuften die Aktie ab: Citigroup auf "Sell" und J.P.Morgan auf "Neutral".

Europäische Schlussstände von Mittwoch, den 4. Juli 2012:

=== 
             Index          Schluss-  Entwicklung  Entwicklung   Entwicklung 
                               stand      absolut         in %          seit 
                                                                Jahresbeginn 
Europa       Euro-Stoxx-50   2312,41        -8,02        -0,3%          -0,2 
             Stoxx-50        2440,95        -1,91        -0,1%           3,0 
             Stoxx-600        257,33        -0,06        -0,0%           5,2 
Frankfurt    XETRA-DAX       6564,80       -13,41        -0,2%          11,3 
London       FTSE-100        5684,47        -3,26        -0,1%           2,1 
Paris        CAC-40          3267,75        -3,45        -0,1%           3,4 
Amsterdam    AEX              314,83         0,49        +0,2%           0,8 
Athen        ATHEX-20         238,32        10,83        +4,8%         -10,0 
Brüssel      BEL-20          2263,73        -3,51        -0,2%           8,7 
Budapest     BUX            17394,21       -67,14        -0,4%           2,5 
Helsinki     OMXH-25         1931,14        -3,10        -0,2%          -0,6 
Istanbul     NAT30          74426,00      1394,97        +1,9%          20,6 
Kopenhagen   OMXC-20          459,61         1,35        +0,3%          17,9 
Lissabon     PSI 20          4893,93        51,91        +1,1%         -10,0 
Madrid       IBEX-35         7219,50       -51,00        -0,7%         -16,3 
Mailand      FTSE-MIB       14381,20      -113,21        -0,8%          -4,7 
Moskau       RTS             1404,84        13,76        +1,0%           1,7 
Oslo         OBX              383,81        -3,34        -0,9%           7,3 
Prag         PX               916,30         3,60        +0,4%           0,6 
Stockholm    OMXS-30         1038,42        -1,74        -0,2%           5,1 
Warschau     WIG-20          2262,27        -8,27        -0,4%           5,5 
Wien         ATX             2015,03        -6,44        -0,3%           6,5 
Zürich       SMI             6201,31         7,23        +0,1%           4,5 
 
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EUR/USD    1,2535  -0,51%        1,2599         1,2621 
EUR/JPY  100,0631  -0,42%      100,4853       100,6952 
EUR/CHF    1,2012  -0,01%        1,2013         1,2011 
USD/JPY   79,8120   0,07%       79,7590        79,7800 
GBP/USD    1,5603  -0,48%        1,5678         1,5705 
=== 
Kontakt zum Autor:  thomas.leppert@dowjones.com 
DJG/thl/flf 

(END) Dow Jones Newswires

July 04, 2012 12:48 ET (16:48 GMT)

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