24. Mai 2013

MÄRKTE EUROPA/Standortbestimmung nach Abverkauf in Europa

Frankfurt--Nach dem Abverkauf am Vortag müssen sich die Börsen am Freitag zunächst einmal neu orientieren. EZB-Präsident Mario Draghi hatte Worten nur Worte folgen lassen und kein Handwerkszeug für die Lösung der Eurokrise aus dem Hut gezaubert. Marktteilnehmer schließen nicht aus, dass die Nachwehen der aus Sicht der Börsen enttäuschend verlaufenen Sitzungen von Fed und EZB zum Wochenschluss nochmals belasten könnten. Der Euro-Stoxx-50 wird zum Handelsstart in Europa mit 2.265 Punkten indiziert und damit zwei Punkte über dem Schlusskurs von Freitag. Beim DAX zeichnet sich eine unveränderte Eröffnung ab.

Die EZB dürfte nach Einschätzung der Credit Agricole nun erst Anfang September konkrete Maßnahmen zur Stützung der Eurozone ergreifen. "Bis dahin werden weiter dunkle Wolken über den Märkten hängen", sagt Analyst Anthony Lam. Die nur verbalen Interventionen Mario Draghis belasteten die Anleihemärkte der Peripherie am Donnerstag stark und schickten die Renditen spanischer Benchmarkanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren wieder über das als kritisch geltende Niveau von 7 Prozent.

Damit allerdings nicht genug. Aus dem Hause von J.P.Morgan (JPM) kommt am Morgen die Empfehlung an die Kunden, auf diesem Niveau die Staatsanleihen aus Spanien zu verkaufen. So geht JPM-Rentenstratege Gianluca Salford davon aus, dass die Renditen wieder auf das Niveau von 7,75 Prozent ansteigen werden. Auf diesem Niveau rentierten spanische Anleihen, bevor EZB-Präsident Mario Draghi die Hoffnungen auf ein Anleihekaufprogramm der Europäischen Notenbank schürte.

Am Nachmittag werden dann die Daten vom US-Arbeitsmarkt das Geschehen an den Börsen bestimmen. Die Erholung am US-Arbeitsmarkt dürfte damit auch im Juli schwach geblieben sein. Befragte Volkswirte erwarten, dass die Zahl der Beschäftigten im Juli um 95.000 zugenommen hat. Die Arbeitslosenquote wird unverändert bei 8,2 Prozent gesehen.

Michael Carey von der Credit Agricole rechnet mit einer Zunahme der Beschäftigung um 90.000 Stellen. "Sollten die Juli-Zahlen im Rahmen unserer Erwartungen ausfallen, dürfte das die Federal Reserve nicht beeindrucken", sagt der Analyst. Solange sich die Lage am US-Arbeitsmarkt nicht durchgreifend verbessere, werde die Fed an ihrer akkomodierenden Haltung auch nichts ändern.

Im Durchschnitt des zweiten Quartals hatte sich der monatliche Stellenzuwachs im Durchschnitt auf nur 75.000 belaufen, im ersten Jahresviertel waren es noch 225.000 gewesen. Experten schätzen, dass die USA einen monatlichen Stellenzuwachs von rund 200.000 benötigen, um allein das Bevölkerungswachstum zu kompensieren.

"Leicht positiv" lautet die erste Einschätzung eines Marktteilnehmers für die Ergebnisse der Allianz. Das operative Ergebnis liege knapp zehn Prozent über der Konsensschätzung der Analysten. Die Schaden-Kosten-Quote von 97,4 Prozent decke sich mit der Konsensprognose des Marktes. Beim Ergebnis gut abgeschnitten habe vor allem das Geschäft mit Lebens- und Krankenversicherungen. Der Aktienkurs könne sich damit ein wenig von den Vortagesverlusten erholen.

SAP hat den Patentstreit mit Oracle zumindest vorläufig beendet. "Ein Vergleich wird an der Börse in der Regel positiv bewertet", so ein Händler. Die Summe von 306 Millionen Euro, zu der noch die Kosten für den Rechtsstreit und Zinskosten dazukommen dürften, sollte keine Überraschung darstellen. Aus dem Hause der DZ-Bank heißt es, dass die Kosten für den Vergleich den Gesamtjahresausblick des Unternehmens nicht belasten würden.

Das Aktienrückkaufprogramm von Siemens dürfte den Aktienkurs stützen, erwarten Händler. Die Aktie werde im Vergleich zum DAX und zum Sektor relative Stärke zeigen - auch in den kommenden Monaten. "Mit einem Kursminus von fast 20 Prozent auf Jahressicht gehört die Aktie zu den schwachen Titeln im DAX. Siemens will sie wieder attraktiver machen", sagt ein Händler. Der Konzern könne die Käufe aus dem Cash-Bestand zahlen. Die Schätzungen von Analysten für den Cash-Flow aus dem operativen Geschäft belaufe sich für das laufende Jahr auf mehr als 4 Milliarden Euro.

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USD/JPY  78,2020  -0,1%   78,2460        78,2450 
GBP/USD   1,5516  +0,0%    1,5516         1,5500 
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Kontakt zum Autor:  thomas.leppert@dowjones.com 
DJG/thl/flf 

(END) Dow Jones Newswires

August 03, 2012 02:07 ET (06:07 GMT)

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