18. Mai 2013

MÄRKTE EUROPA/Spannung vor Notenbanksitzungen steigt

Von Steffen Gosenheimer

Der Mut der vergangenen Handelstage scheint die Akteure an den Finanzmärkten etwas zu verlassen. Im gleichen Maße wie die Spannung vor den Sitzungen der Bank of England (BoE) und der Europäischen Zentralbank (EZB) steigt, scheinen sie auf Nummer sicher zu gehen und sich zurückzuziehen. Bei dünnen Umsätzen bewegen sich die großen Aktien-Indizes kaum, während der Euro zum Dollar nachgibt und die Renditen der Anleihen der südeuropäischen Länder Spanien und Italien leicht anziehen.

Der Euro-Stoxx-50 gibt am Vormittag um 0,2 Prozent nach auf 2.308 Punkte, der DAX legt um 0,1 Prozent zu auf 6.573 Zähler.

Nach vier Tagen in erwartungsvoller Hab-Acht-Stellung und mit meist steigenden Aktienkursen hoffen die Finanzmärkte auf die Erlösung durch die Notenbanken. Anders als an den Tagen zuvor fördern Gespräche mit Aktienhändlern aber eher Pessimismus zutage: Anleger hätten in den vergangenen Tagen "schon mehr als die von Ökonomen erwartete Zinssenkung von 25 Basispunkten eingepreist". Noch höher gesteckte Erwartungen - beispielsweise deutliche Hinweise der EZB darauf, erneut die Anleihen schuldengeplagter Staaten der Euro-Peripherie aufzukaufen - dürften aber kaum erfüllt werden, heißt es im Handel.

Zudem hätten die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels zur direkten Finanzhilfe für die Banken den Druck auf die EZB gemindert, mit Anleihekäufen die Refinanzierungskosten südeuropäischer Länder zu drücken.

"Wir werden heute das alte Muster 'Buy the rumour, sell the fact' erleben", prophezeit ein anderer Händler. Er glaubt, dass die EZB zwar den Zins auf ein Rekordtief von 0,75 Prozent senken wird, die anschließenden Kommentare zur Konjunktur dürften jedoch "katastrophal" ausfallen - und die Aktienkurse und den Euro unter Druck setzen.

Letzterer zeigt sich mit Ständen von knapp 1,2530 Dollar wenig verändert, aber eher am unteren Rand seiner jüngsten Spanne. Händler sprechen von einem von Nervosität und Zurückhaltung geprägten Geschäft. Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte sei bereits eingepreist, so dass die Marktreaktion am Donnerstag begrenzt ausfallen könnte, bemerkt Analystin Sumino Kamei von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ und weiter: "Selbst wenn eine größere Senkung um 50 Basispunkte kommen sollte, dürfte der Euro unter der zunehmenden Unsicherheit über die europäische Schuldenkrise leiden".

Die Analysten von Morgan Stanley prognostizieren für den Fall einer Leitzinssenkung um gleich 50 Basispunkte dagegen eine Erleichterungsrally bei riskanteren Anlageklassen. Die EZB würde damit ihre Bereitschaft demonstrieren, gegebenenfalls mit zusätzlichen Maßnahmen auf die konjunkturelle Entwicklung zu reagieren.

Am Anleihemarkt steigen die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen weiter. Zehnjährige spanische Titel rentieren wieder mit 6,47 Prozent, nachdem es am Mittwochmittag noch weniger als 6,20 Prozent waren. In den Tagen nach dem Gipfel waren die Renditen aber deutlich zurückgekommen von Ständen über 7 Prozent. Hier wartet der Markt neben der EZB-Sitzung auch auf die erste Auktion Spaniens nach den Gipfelbeschlüssen aus Brüssel. Angeboten werden Langläufer im Volumen von bis zu 3 Milliarden Euro.

Fast zwei Jahre war Irland vom Anleihemarkt ausgeschlossen. Jetzt will das unter dem europäischen Rettungsschirm stehende Land langsam wieder das Vertrauen der internationalen Kapitalgeber zurückgewinnen. Der erste Schritt soll am Donnerstag getan werden, wenn Irland zum ersten Mal seit September 2010 wieder Anleihen an den Markt bringen will - dreimonatige Schatzwechsel im Wert von 500 Millionen Euro.

Am Aktienmarkt sorgt die Übernahme des restlichen Porsche-Anteils durch VW für positiven Gesprächsstoff. Die Kurse der beiden Unternehmen legen im frühen Handel deutlich zu. Für VW geht es um 5,2 Prozent nach oben auf 134,65 Euro, Porsche ziehen um 3,3 Prozent an auf 43,36 Euro. Der Index der Auowerte ist mit einem Plus von gut 2 Prozent bislang mit Abstand Tagessieger.

"Die Übernahme zieht sich nun schon zweieinhalb Jahre hin, nun ist die Kuh endlich vom Eis", sagt ein Händler. Positiv für VW sei insbesondere, dass Kosten in Höhe von 320 Millionen Euro bei dem nun vereinbarten Übernahme-Konstrukt nicht anfielen. Zu Porsche heißt es: "Die Aktien handeln weit unter dem Wert des Nettoanlagevermögens. VW zahlt einen recht hohen Aufschlag, was den Porsche-Kurs stützen dürfte", sagt ein Händler.

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Kontakt zum Autor: Steffen.Gosenheimer@dowjones.com

DJG/gos/cln

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July 05, 2012 04:08 ET (08:08 GMT)

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