20. Mai 2013

MÄRKTE EUROPA/Rückenwind von der Wall Street schiebt Europa ins Plus

Von Thomas Leppert 

Nach einem schwachen Handelsstart haben die europäischen Börsen am Donnerstag im Tagesverlauf zugelegt. Während am Morgen die enttäuschenden Zahlen von Apple verstimmten, überzeugten gute Wirtschaftsdaten aus Deutschland und den USA im weiteren Handel. Apple verlor zum Handelsstart in New York 50 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung. Der breite S&P-500-Index steckte diese Belastung aber überraschend gut weg und klettert erstmals seit dem 12. Dezember 2007 sogar wieder über 1.500 Punkte. Das beflügelte die Börsen in Europa. Der Euro-Stoxx-50 schloss mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 2.723 Punkten. Für den deutschen Aktienmarkt ging es um 0,5 Prozent auf 7.748,13 Punkte nach oben.

Die Nachrichtenlage liefert momentan Argumente für die Bullen wie die Bären unter den Marktteilnehmern in Europa. Die Schere der wirtschaftlichen Entwicklung innerhalb der Eurozone geht weiter auseinander. Während die deutsche Wirtschaft die Trendwende zu schaffen scheint, droht die französische Volkswirtschaft im Januar zu schrumpfen. In Spanien ist die Arbeitslosenquote im vierten Quartal auf ein neues Rekordhoch von 26 Prozent gestiegen.

Frankreichs Einkaufsmanager-Indizes sind im Januar nochmals gefallen. Der Index für das Service-Gewerbe sogar auf den niedrigsten Stand seit 2009. Volkswirte hatten dagegen mit einer Stabilisierung zum Jahresbeginn gerechnet. "Der scharfe Einbruch der Umfragewerte lässt Zweifel aufkommen, ob sich die Konjunktur in diesem Jahr wieder erholt", sagte Annalisa Piazza vom Londoner Broker Newedge.

Die deutsche Wirtschaft hat dagegen zum Jahreswechsel die Trendwende vollzogen. Der Einkaufsmanager-Index für den Dienstleistungssektor sprang im Januar auf das höchste Niveau seit 19 Monaten. "Die deutschen Werte überraschen deutlich positiv", sagte Ulrich Wortberg von der Helaba. Gute Daten kamen am Nachmittag aber auch aus den USA. Von dort kommen nicht nur überzeugende Wachstumssignale, auch die Erholung am Arbeitsmarkt setzt sich fort. Dies deuten die weiter sinkenden wöchentlichen Erstanträge an.

Bei den Technologiewerten verläuft die Berichtssaison bislang holprig. Weder Apple noch Wettbewerber Nokia konnten überzeugen. Der Technologieriese Apple, bislang für vorsichtige Prognosen bekannt, will von Januar bis März zwischen 41 und 43 Milliarden Dollar umsetzen. Analysten hatten aber mit gut 45 Milliarden gerechnet. Die Apple-Aktie verliert in den USA 10 Prozent auf 466,66 Dollar. In der Eröffnung fiel die Aktie auf den niedrigsten Stand seit Februar 2012.

Auch die endgültigen Geschäftszahlen des finnischen Handyherstellers Nokia kamen an der Börse nicht gut an, die Aktien schlossen in Helsinki mit einem Abschlag von 5,5 Prozent bei 3,29 Euro. Bei Nokia geht es langsam bergauf. Der tief gefallene einstige Handy-Marktführer hat sich nach sechs verlustreichen Quartalen in Folge zum Abschlussquartal 2012 überraschend in die Gewinnzone zurückgekämpft. Von einer Trendwende wollen Analysten aber im Moment noch nicht sprechen. "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer", so Analyst Peter Cunningham von Canalys. Der Technologie-Sektor schloss 0,3 Prozent leichter. Am Freitag wird sich zeigen, ob Samsung der lachende Dritte im Bunde sein wird.

Den Gewinner am deutschen Aktienmarkt stellte die Aktie der Deutschen Bank mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 36,33 Euro. Am Freitag können die europäischen Banken das erste Mal einen Betrag aus dem Dreijahrestender an die Europäische Zentralbank zurückzahlen. Sollte das Volumen hoch ausfallen, wird das am Kapitalmarkt dahingehend gewertet, dass die Banken nicht mehr am Tropf der Zentralbank hängen. Die Commerzbank will zudem sparen und in den kommenden Jahren massiv Stellen streichen. Wie befürchtet will die Commerzbank bis zu 6.000 Jobs in Deutschland abbauen. Der Aktienkurs stieg um 1,5 Prozent auf 1,65 Euro, der europäische Bankensektor notierte 1,2 Prozent fester.

Die Airbus-Mutter EADS sieht sich im laufenden Jahr erneut auf Rekordkurs. "Wir sind durchaus positiv und gehen von Rekord zu Rekord", sagte der EADS-Vorstandsvorsitzende Tom Enders im Gespräch mit dem Wall Street Journal Deutschland. Im abgelaufenen Jahr habe EADS den Umsatz "deutlich zweistellig gesteigert und wir wachsen natürlich auch zweistellig, was die Profitabilität betrifft", so Enders. Die Aktie schloss mit 34,69 Euro leicht im Plus. Seit Jahresbeginn haben die EADS-Titel ihren Aktionären bereits einen Zugewinn von 18 Prozent beschert.

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Europäische Schlussindizes am Donnerstag, 24. Januar: 
 
.            Index           Schluss-  Entwicklung  Entwicklung   Entwicklung 
.                               stand      absolut         in %          seit 
.                                                                Jahresbeginn 
Europa       Euro-Stoxx-50    2722,96        14,68        +0,5%          17,5 
.            Stoxx-50         2654,17         4,53        +0,2%          12,0 
.            Stoxx-600         288,89         0,67        +0,2%          18,1 
Frankfurt    XETRA-DAX        7748,13        40,59        +0,5%          31,4 
London       FTSE-100         6264,91        67,27        +1,1%          12,5 
Paris        CAC-40           3752,17        26,00        +0,7%          18,7 
Amsterdam    AEX               354,13         1,12        +0,3%          13,3 
Athen        ATHEX-20          332,23       -12,91        -3,7%          25,4 
Brüssel      BEL-20           2554,00        18,52        +0,7%          22,6 
Budapest     BUX             19184,75        16,23        +0,1%          13,0 
Helsinki     OMXH-25          2336,86       -25,17        -1,1%          20,3 
Istanbul     ISE NAT. 30    108094,29        23,60        +0,0%          10,6 
Kopenhagen   OMXC-20           536,63        -1,28        -0,2%          37,6 
Lissabon     PSI 20           6337,59       -55,35        -0,9%          11,1 
Madrid       IBEX-35          8613,30        52,30        +0,6%           6,1 
Mailand      FTSE-MIB        17756,63       177,63        +1,0%          17,7 
Oslo         OBX               433,07         0,41        +0,1%          21,1 
Prag         PX               1021,86        -4,96        -0,5%          -1,6 
Stockholm    OMXS-30          1146,93         6,11        +0,5%          16,1 
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Wien         ATX              2444,57         5,12        +0,2%          29,2 
Zürich       SMI              7457,74        65,79        +0,9% 
 
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EUR/USD    1,3370   0,23%        1,3340         1,3307 
EUR/JPY  120,4302   1,07%      119,1553       117,6497 
EUR/CHF    1,2426   0,15%        1,2407         1,2368 
USD/JPY   90,0640   0,82%       89,3290        88,4360 
GBP/USD    1,5779  -0,39%        1,5841         1,5849 
=== 

Kontakt zum Autor: thomas.leppert@dowjones.com

 
DJG/thl/ros 
 

(END) Dow Jones Newswires

January 24, 2013 12:52 ET (17:52 GMT)

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