19. Mai 2013

MÄRKTE EUROPA/Konjunkturdaten treiben Kurse an - trotz Euro-Krise

   Von Herbert Rude 

FRANKFURT--Gute Konjunkturdaten haben die Bären an den Aktienmärkten am Dienstag auf dem falschen Fuß erwischt. Der DAX beendete die jüngste Konsolidierungsstrecke und stieg um 0,8 Prozent auf 6.438 Punkte, der Euro-Stoxx zog um 0,6 Prozent an. Im Schlussgeschäft kamen die Kurse allerdings etwas vom Tageshoch zurück, weil die Euro-Krise die Märkte wieder einholte. Der Euro fiel wieder auf das jüngste Zweijahrestief von 1,2235 US-Dollar.

Laut Bundesbank-Präsident Jens Weidmann stellen weder der ESM-Vertrag noch der Fiskalpakt die Währungsunion auf ein gesundes Fundament. Die Aussagen verunsicherten vor allem die Devisenhändler. Außerdem litt der Euro unter Aussagen des italienischen Premiers und Finanzministers Mario Monti, nach denen auch Italien Hilfen des ESM beanspruchen könnte. "Das ist die logische Folgen der aufgeweichten Auflagen", sagt Ulrich Leuchtmann, Devisenanalyst der Commerzbank. "Der Gang unter den Rettungsschirm tut keinem mehr weh", ergänzt er. Der Euro werde wohl weiter fallen, zunächst in die Gegend von 1,2150 US-Dollar.

Dass die Aktienkurse stiegen, lag an einem Stimmungsumschwung nach überraschend guten Zahlen aus Italien und Großbritannien. Die italienische Industrieproduktion ist im Mai um 0,8 Prozent gestiegen, erwartet worden war ein Rückgang um ein halbes Prozent. Die britische Industrie hat im Mai sogar ein Prozent mehr hergestellt als im April, auch hier war ein Minus erwartet worden. "Das hat die Stimmung gedreht", sagt ein Händler.

"Mit der heutigen Entwicklung scheint sich das Blatt zu Gunsten der Bullen zu ändern", meint Stephen Schneider, Marktanalyst der WGZ-Bank. Sollte es bei der Tendenz bleiben, dürfte die Dynamik den DAX über den Widerstand bei gut 6.615 Punkte hieven. "Als nächstes Ziel käme dann ein Niveau von etwa 6.900 Punkten in Betracht", meint Schneider.

Julius Bär warnt zwar, der kurzfristige Ausblick für Aktien bleibe schwierig. Es gebe aber erste Anzeichen einer Erholung: "Nichts überstürzen, aber bereitstehen", rät Julius-Bär-Analyst Christoph Rinniker.

Der Markt wartet nun weiter auf die Ergebnisse der mündlichen Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht. Die Karlsruher Verfassungshüter entscheiden über Klagen gegen den europäischen Rettungsschirm ESM und den Fiskalpakt. Viele Marktteilnehmer bleiben deshalb auch trotz der guten Konjunkturdaten skeptisch: "Im vergangenen Jahr, als das Bundesverfasssungsgericht den Rettungsplan für Griechenland für verfassungsgemäß erklärt hat, gab es eine kurze Rally", erinnert sich Chris Beauchamp von IG Index. Um den Euro zu retten, brauche es aber mehr als gut begründete Urteile deutscher Gerichte. Selbst wenn das oberste Gericht die Verfassungsmäßigkeit des ESM feststellen sollte, habe dieser noch lange nicht die Feuerkraft, Spanien und Italien auch wirklich zu retten.

Dass die Richter mündlich über die Eilanträge verhandeln, zeigt, welch hohe Priorität sie dem Verfahren beimessen. In der Regel wird über solche Eilverfahren schriftlich entschieden. Das Urteil des Zweiten Senats wird schon Ende Juli erwartet. Wichtig ist, ob das Gericht bis zu seiner endgültigen Entscheidung die beiden Verträge blockiert. Damit wäre Bundespräsident Joachim Gauck untersagt, mit seiner Unterschrift die Gesetze auszufertigen. Sie könnten somit nicht in Kraft treten.

Das Finanzministertreffen in Brüssel hat keine Weg weisenden Ergebnisse gebracht. Spanien wurde ein Jahr mehr Zeit zur Rückführung seines übermäßigen Defizits eingeräumt. Das Land hat nun Zeit bis 2014, um sein Defizit unter die vom Maastricht-Vertrag geforderten drei Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken.

Technologiewerte mit Intel-Coup vorne dabei

An der Spitze der Gewinner lagen Autoaktien mit einem Plus von 1,6 Prozent. VW stiegen um 1,8 Prozent, nachdem der PKW-Bereich von Volkswagen das Absatzwachstum im Juni noch einmal beschleunigt hat. Der Index der Technologie-Aktien gewann ebenfalls 1,6 Prozent. Intel steigt mit 4 Milliarden bei ASML ein. ASML-Aktien schossen um knapp 9 Prozent in die Höhe. Die Titel von Infineon stiegen um 2,5 Prozent. Der Coup Intels hat schwache Prognosen von Advanced Micro Devices (AMD) in den Hintergrund gedrängt, obwohl sie als weiteres Warnsignal für Halbleiterwerte bewertet werden. Der Chip-Hersteller rechnet nun für das zweite Quartal mit einem Umsatzrückgang von 11 Prozent, nachdem er zuvor eine Spanne von minus 3 bis plus 3 Prozent für den Umsatz prognostiziert hatte.

Europäische Schlussbörsen vom Dienstag, 10. Juli 
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.            Index          Schluss-  Entwicklung  Entwicklung   Entwicklung 
.                              stand      absolut         in %          seit 
.                                                               Jahresbeginn 
Europa       Euro-Stoxx-50   2241,85        13,94        +0,6%          -3,2 
.            Stoxx-50        2426,17        12,31        +0,5%           2,4 
.            Stoxx-600        255,60         2,14        +0,8%           4,5 
Frankfurt    XETRA-DAX       6438,33        50,76        +0,8%           9,2 
London       FTSE-100        5664,07        36,74        +0,7%           1,7 
Paris        CAC-40          3175,41        18,61        +0,6%           0,5 
Amsterdam    AEX              312,41         4,01        +1,3%           0,0 
Athen        ATHEX-20         224,26       -10,03        -4,3%         -15,3 
Brüssel      BEL-20          2216,80        22,49        +1,0%           6,4 
Budapest     BUX            17182,22        61,03        +0,4%           1,2 
Helsinki     OMXH-25         1894,91        25,35        +1,4%          -2,4 
Istanbul     NAT30          74426,00      1394,97        +1,9%          20,6 
Kopenhagen   OMXC-20          464,19         6,15        +1,3%          19,0 
Lissabon     PSI 20          4752,19        42,45        +0,9%         -12,7 
Madrid       IBEX-35         6688,30        38,60        +0,6%         -21,5 
Mailand      FTSE-MIB       13868,27        55,62        +0,4%          -8,1 
Moskau       RTS             1372,80        26,14        +1,9%          -0,7 
Oslo         OBX              381,99         9,11        +2,4%           6,8 
Prag         PX               904,20        -4,20        -0,5%          -0,8 
Stockholm    OMXS-30         1028,09         7,65        +0,7%           4,1 
Warschau     WIG-20          2247,02         5,47        +0,2%           4,8 
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Zürich       SMI             6191,20        30,42        +0,5%           4,3 
 
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USD/JPY  79,4450   0,09%       79,3750        79,6550 
GBP/USD   1,5504  -0,03%        1,5509         1,5509 
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Kontakt zum Autor: herbert.rude@dowjones.com

DJG/hru/raz 

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July 10, 2012 12:18 ET (16:18 GMT)

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