25. Mai 2013

MÄRKTE EUROPA/Deutschland stützt Europas Börsen

Von Benjamin Krieger 

Nach zwei verlustreichen Börsentagen haben Europas Börsen zum Wochenausklang etwas Boden gut gemacht. Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar überraschend stark aufgehellt, das sorgte für Aktienkäufe. Wasser in den Wein schüttete jedoch Volkswagen: Die Prognosen des größten europäischen Autobauers für 2013 sind laut einem Händlern "eine Katastrophe" und drückten den Kurs um sieben Prozent. Der DAX erholte sich dagegen um ein Prozent auf 7.662 Punkte. Der Euro-Stoxx-50 rückte sogar um 1,9 Prozent auf 2.630 Zähler vor.

Nach einem überraschend deutlichen Rückschlag Ende vergangenen Jahres ist die deutsche Wirtschaft Anfang 2013 wieder auf Wachstumskurs. Das vom ifo-Institut ermittelte Geschäftsklima ist im Februar auf 107,4 gestiegen von 104,3 im Januar. Der ifo-Index ist damit auf den höchsten Stand seit April 2012 geklettert. Volkswirte hatten lediglich mit einem leichten Anstieg auf 104,7 gerechnet.

"Die Erwartungen einer konjunkturellen Erholung in Deutschland wird davon unterstützt und Deutschland wird eine Rezession ungeachtet des schwachen Schlussquartals 2012 vermeiden", so Analyst Ralf Umlauf von der Helaba. "Die Stimmung hat sich in allen Sektoren verbessert mit Ausnahme des Einzelhandels", sagte Violante di Canossa von der Credit Suisse.

Alle europäischen Börsenplätze meldeten daraufhin Kursgewinne. Sie reichten von 0,7 Prozent in London über 1,4 Prozent in Mailand bis zu bis zu 2,2 Prozent in Paris. Die positive Stimmung machte sich auch am Anleihemarkt bemerkbar. Dort gaben die Renditen von Papieren der Peripheriestaaten der Eurozone nach.

Niedrige Rückzahlung von EZB-Geld drückt Euro

Schwäche zeigte hingegen der Euro. Die Gemeinschaftswährung wertete nach der Bekanntgabe des Rückzahlungsvolumens aus dem zweiten Dreijahrestender der Europäischen Zentralbank ab und fiel zum US-Dollar unter 1,32 auf den tiefsten Stand seit dem 10. Januar. Allein im Februar hat der Euro rund fünf US-Cent eingebüßt. Insgesamt 356 Banken wollen insgesamt 61 Milliarden Euro vorzeitig an die EZB zurückzuzahlen. Das ist nur etwa halb so viel wie am Markt erwartet wurde. In Folge dieser niedrigen Rückzahlungen weitete sich die Zinsdifferenz zwischen der Eurozone und dem Dollar-Raum zugunsten des Greenback aus.

"Die geringere Bereitschaft der europäischen Banken, die EZB-Gelder zurückzuzahlen, dürfte auch mit den Parlamentswahlen in Italien am Wochenende zusammenhängen", sagte ein Händler. Die Banken hielten extra Liquidität vor, sollte es nach einem Sieg Silvio Berlusconis Anfang kommender Woche zu Marktturbulenzen kommen. Schließlich könnten die Geldhäuser schon am Mittwoch, wenn Klarheit über das Wahlergebnis besteht, Gelder aus dem Tender an die EZB zurückgeben.

Die als sicheres Investment geltenden Bundesanleihen profitierten von den geringen Rückzahlungen der Banken. Der Terminkontrakt auf Bundesanleihen stieg auf den höchsten Stand seit einem Monat.

VW-Aktie fällt nach schwacher Prognose weit zurück

An den Aktienmärkten war VW das dominierende Thema. Die Aktie erlebte ein Kursdebakel, sie fiel um sieben Prozent. Die Wolfsburger wollen in diesem Jahr operativ etwa so viel Gewinn machen wie im vergangenen. Das reichte den Investoren aber nicht. Denn im zurückliegenden Jahr hat Europas größter Autobauer operativ 11,5 Milliarden Euro verdient. Analysten rechnen für 2013 jedoch mit rund 14 Milliarden Euro.

Auch der Dividendenvorschlag von 3,56 Euro je Vorzugsaktie unterbietet laut einem Analysten die Konsensschätzung von 3,85 Euro. Nach den schlechten Nachrichten aus Wolfsburg verloren auch die Kurse der Tochter Porsche sowie die von BMW, Peugeot und Renault. Der europäische Automobilsektor gab als einziger Sektor um 1,3 Prozent nach.

Aktien von Air France-KLM fielen um 6,7 Prozent. Die Fluggesellschaft sieht sich vor einem kritischen Jahr 2013. Die Rückkehr in die Gewinnzone werde schwierig, nachdem sich der Nettoverlust im vergangenen Jahr um 47 Prozent ausgeweitet hat.

Die Aktie des Wettbewerbers Air Berlin sprang dagegen um 8,5 Prozent nach oben und kommt damit auf ein Wochenplus von rund 35 Prozent. Die angeschlagene Fluggesellschaft hat nach vier Jahren in der Verlustzone 2012 überraschend einen kleinen Gewinn erzielt. Die Deutsche Bank sprach von einer positiven Überraschung.

Mit einem Kursplus von fast sechs Prozent profitierte auch die Aktie von Fuchs Petrolub von soliden Geschäftszahlen. Die Kaufempfehlung eines spekulativen Börsenbriefes löste bei der Nordex-Aktie eine Kurs-Rally von acht Prozent aus.

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Europäische Schlussindizes von Freitag, 22. Februar: 
 
.            Index               Schluss-  Entwicklung  Entwicklung   Entwicklung 
.                                   stand      absolut         in %          seit 
.                                                                    Jahresbeginn 
Europa       Euro-Stoxx-50       2.628,81        49,05        +1,9%          -0,3 
.            Stoxx-50            2.633,43        37,34        +1,4%           2,2 
.            Stoxx-600      288,49                3,63        +1,3%           3,2 
Frankfurt    XETRA-DAX           7.661,91        78,34        +1,0%           0,7 
London       FTSE-100            6.335,70        44,16        +0,7%           7,4 
Paris        CAC-40              3.706,28        81,48        +2,3%           1,8 
Amsterdam    AEX            339,87                3,49        +1,0%          -0,8 
Athen        ATHEX-20       335,05                1,93        +0,6%           8,2 
Brüssel      BEL-20              2.550,92        41,48        +1,7%           3,0 
Budapest     BUX                18.866,70       116,86        +0,6%           3,8 
Helsinki     OMXH-25             2.369,87        24,22        +1,0%           7,2 
Istanbul     ISE NAT. 30        93.664,45     -1944,32        -2,0%          -4,2 
Kopenhagen   OMXC-20        539,49                3,36        +0,6%           8,7 
Lissabon     PSI 20              6.088,71        28,15        +0,5%           8,2 
Madrid       IBEX-35             8.014,50       164,50        +2,1%           0,1 
Mailand      FTSE-MIB           16.233,28       223,73        +1,4%          -0,2 
Moskau       RTS                 1.551,04         2,28        +0,1%           1,6 
Oslo         OBX            434,62                1,27        +0,3%           5,9 
Prag         PX                  1.000,07         7,01        +0,7%          -3,7 
Stockholm    OMXS-30             1.205,10        16,15        +1,4%           9,1 
Warschau     WIG-20              2.437,24         0,77        +0,0%          -5,9 
Wien         ATX                 2.421,64        36,43        +1,5%           0,9 
Zürich       SMI                 7.554,38        48,67        +0,6%          10,7 
 
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EUR/JPY  122,8703  -0,39%      123,3536       122,7645 
EUR/CHF    1,2264  -0,18%        1,2285         1,2291 
USD/JPY   93,3425   0,04%       93,3050        92,9430 
GBP/USD    1,5255  -0,19%        1,5284         1,5260 
=== 

Kontakt zum Autor: benjamin.krieger@dowjones.com

 
DJG/bek/ros 
 

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February 22, 2013 12:05 ET (17:05 GMT)

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