20. Mai 2013

MÄRKTE EUROPA/Börsen wollen von Notenbanken erlöst werden

Von Jörn Rehren

Nach vier Tagen in erwartungsvoller Hab-Acht-Stellung hoffen die Finanzmärkte am Donnerstag endlich auf die Erlösung. Die Europäische Zentralbank und die Bank of England geben ihre Zinsentscheidungen bekannt und möglicherweise auch darüber hinaus gehende Maßnahmen, mit denen die darbende Konjunktur in Europa in Schwung gebracht werden soll.

Anders als an den Tagen zuvor fördern Gespräche mit Aktienhändlern aber eher Pessimismus zutage: Anleger hätten in den vergangenen Tagen "schon mehr als die von Ökonomen erwartete Zinssenkung von 25 Basispunkten eingepreist". Noch höher gesteckte Erwartungen - beispielsweise deutliche Hinweise der EZB darauf, erneut die Anleihen schuldengeplagter Staaten der Euro-Peripherie aufzukaufen - dürften aber kaum erfüllt werden, weil es dafür innerhalb der Notenbank zu viele Widerstände gibt. Zudem haben die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels zur direkten Finanzhilfe für die Banken zumindest vorübergehend den Druck auf die EZB gemindert, mit Anleihekäufen die Refinanzierungskosten südeuropäischer Länder zu drücken.

Der Euro-Stoxx-50 wird vorbörslich knapp behauptet mit 2.308 Punkten indiziert, der XDAX liegt 0,1 Prozent niedriger bei 6.555 Punkten.

"Wir werden heute das alte Muster 'Buy the rumour, sell the fact' erleben", sagt ein anderer Händler voraus. Die Notenbanker dürften zwar den Zins auf ein Rekordtief von 0,75 Prozent senken, um der schwachen Wirtschaft im Euroraum unter die Arme zu greifen. Die anschließenden Kommentare zur Konjunktur dürften jedoch "katastrophal" ausfallen - und Aktienkurse und den Euro unter Druck setzen, so die Prognose des Händlers.

Am Anleihemarkt notieren die Renditen der spanischen und italienischen Anleihen wenig verändert, nachdem sie am Vortag leicht angezogen hatten. Hier wartet der Markt gespannt auf die erste Auktion Spaniens nach den Gipfelbeschlüssen aus Brüssel. Angeboten werden Langläufer im Volumen von bis zu 3 Milliarden Euro.

Fast zwei Jahre war Irland vom Anleihemarkt ausgeschlossen. Jetzt will das unter dem europäischen Rettungsschirm stehende Land langsam wieder das Vertrauen der internationalen Kapitalgeber zurückgewinnen. Der erste Schritt soll am Donnerstag getan werden, wenn Irland zum ersten Mal seit September 2010 wieder Anleihen an den Markt bringen will - dreimonatige Schatzwechsel im Wert von 500 Millionen Euro.

Am Devisenmarkt zeigt sich der Euro im Vorfeld der Notenbankentscheidungen in Frankfurt und London wenig verändert. Händler sprechen von einem von Nervosität und Zurückhaltung geprägten Geschäft. "Bei der Pressekonferenz im Juni hat die EZB die Abwärtsrisiken für die Konjunktur betont und damit die Tür für eine Zinssenkung etwas weiter geöffnet", heißt es bei der Credit Suisse zur Erwartungshaltung des Marktes. "Allerdings hat Präsident Draghi auch zu verstehen gegeben, dass es keinen Konsens für eine Senkung gibt. Da die Eurozone im folgenden aber weiter enttäuscht hat, dürften nun zuletzt ablehnende Ratsmitglieder mit an Bord gekommen sein".

Eine Zinssenkung um 25 Basispunkte sei bereits eingepreist, so dass die Marktreaktion am Donnerstag begrenzt ausfallen könnte, bemerkt Analystin Sumino Kamei von der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ und weiter: "Selbst wenn eine größere Senkung um 50 Basispunkte kommen sollte, dürfte der Euro unter der zunehmenden Unsicherheit über die europäische Schuldenkrise leiden".

Die Analysten von Morgan Stanley prognostizieren für den Fall einer Leitzinssenkung um gleich 50 Basispunkte dagegen eine Erleichterungsrally bei riskanteren Anlageklassen. Die EZB würde damit ihre Bereitschaft demonstrieren, gegebenenfalls mit zusätzlichen Maßnahmen auf die konjunkturelle Entwicklung zu reagieren.

Am Aktienmarkt sorgt die Übernahme des restlichen Porsche-Anteils durch VW für Gesprächsstoff. "Die Übernahme zieht sich nun schon zweieinhalb Jahre hin, nun ist die Kuh endlich vom Eis", sagt ein Händler. Die vor allem vom VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech betriebene Übernahme sei "intern aufreibend" gewesen und habe "viele Management-Kapazitäten gebunden". Nun könnten sich beide Hersteller "wieder auf das Autobauen konzentrieren". Positiv für VW sei, dass mit dem nun vereinbarten Übernahme-Konstrukt 320 Millionen Euro an Kosten vermieden würden.

Für die VW-Aktie wird im Frühhandel ein Kursaufschlag von 2,4 Prozent gesehen, bei der Porsche-Aktie sind es sogar rund 6 Prozent. "Die Aktien von Porsche handeln weit unter dem Wert des Nettoanlagevermögens. VW zahlt einen recht hohen Aufschlag, was den Porsche-Kurs stützen dürfte", sagt ein Händler.

 
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GBP/USD   1,5604  +0,1%    1,5596         1,5594 

Kontakt zum Autor: joern.rehren@dowjones.com

DJG/reh/gos

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July 05, 2012 02:35 ET (06:35 GMT)

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