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KPN prüft gemeinsame Nutzung des deutschen Netzes mit Telefonica
Von Archibald Preuschat
BARCELONA--In Deutschland bahnt sich die Zusammenarbeit der beiden kleinsten Mobilfunkunternehmen an. Um Kosten einzusparen, prüft der niederländische
Telekomkonzern KPN für seine deutsche Tochter E-Plus die gemeinsame Nutzung des Mobilfunknetzes zusammen mit Wettbewerber Telefonica. Eine vollständig gemeinsame Netznutzung wäre für beide Seiten vorteilhaft, sagte KPN-Chef Eelco Blok auf einer Konferenz in Barcelona.KPN ist in Deutschland mit dem Mobilfunkanbieter E-Plus aktiv. Der spanische Telefonica-Konzern hat gerade seine deutsche Tochter an die Börse gebracht, die hierzulande unter dem Markennamen O2 bekannt ist. Die beiden Mobilfunkanbieter rangieren hinter der Deutschen Telekom und Vodafone auf Rang Drei und Vier der Mobilfunkunternehmen.
Vergangenen Sommer hatte Telefonica hinter den Kulissen schon einmal versucht, E-Plus zu übernehmen, war dabei jedoch gescheitert. Rund 11 Milliarden Euro hätte die Spanier eine solche Transaktion gekostet. Nach einer Herabstufung der Bonität konnte sich Telefonica aber keinen ausreichenden Kredit sichern, um die Übernahme zu stemmen. Synergien von 4 Milliarden Euro hätte ein Zusammenschluss damals ermöglicht, wie KPN-Mann Blok im Sommer gesagt hatte.
Am Mittwoch betonte der Manager, ein Großteil der Einsparungen sei bei einer gemeinsamen Netznutzung immer noch erreichbar. Details nannte er jedoch nicht. Es sei alles da, und Telefonica wisse das, sagte Blok während der Konferenz.
Einige Investoren hatten eher nicht mit einer Zusammenarbeit der beiden Mobilfunkunternehmen in Deutschland gerechnet. Im Sommer war der lateinamerikanische Telekomkonzern America Movil bei den Niederländern eingestiegen. Das Unternehmen des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim hält jetzt 28 Prozent an KPN. Slim sieht sich als Rivalen von Telefonica-Chef Cesar Alierta. America Movil und Telefonica sind in Lateinamerika die beiden wichtigsten Anbieter und kämpfen in großen Märkten wie Mexiko und Brasilien mit harten Bandagen um Marktanteile. Wegen dieses Wettbewerbs hatten die Beobachter eher nicht mit der sich nun andeutenden Zusammenarbeit gerechnet.
KPN-Chef Blok sagte nun, er glaube nicht, dass wichtige Aktionäre etwas gegen eine Zusammenarbeit haben würden. America Movil würde eine gute Transaktion sicher nicht blockieren.
Telefonica-Manager Angel Vila, der für Finanzen und die Unternehmensentwicklung verantwortlich ist, hielt sich auf der Konferenz bedeckt zu einer möglichen Zusammenarbeit mit KPN. Er sagte lediglich, Telefonica schaue sich Kooperationen bei der gemeinsamen Netznutzung an. Vila wollte aber nicht sagen, in welchen Märkten die hochverschuldeten Spanier dies prüfen. "Wir schauen uns das in vielen Ländern an, das ist der Weg vorwärts", sagte er nur.
Die Telekomanbieter in Europa ächzen unter einem scharfen Wettbewerb. Zusätzliche Probleme bereiten ihnen die schwächere Nachfrage wegen der Staatsschuldenkrise vor allem im Süden Europas. Dabei brauchen sie dringend Geld, denn sie müssen hohe Summen in die Hand nehmen, um die Netze mit neuen Technologien auszubauen und wettbewerbsfähig zu bleiben. Fusionen sind wegen Bedenken der Kartellwächter eher unwahrscheinlich. Deshalb haben Beobachter die gemeinsame Nutzung der Netze als natürliche Alternative gesehen, um dem Kostendruck zu begegnen.
Vivendi-Finanzchef Philippe Capron sagte auf der Konferenz, jeder rede mit jedem. Der Telekommarkt sei gerade am Übersprudeln. Der französische Mischkonzern betreibt in seinem Heimatmarkt mit der Tochter SFR ein Mobilfunknetz. Ob auch Vivendi eine Transaktion umsetzen will, wollte der Manager aber nicht sagen.
Analyst Nick Delfas von Morgan Stanley sagte dem Wall Street Journal schon vor der Konferenz, er halte die mögliche Zusammenarbeit eines großen Mobilfunkanbieters mit kleineren Wettbewerbern nicht für sinnvoll. Der kleine Anbieter würde von einer solchen Kooperation viel mehr profitieren als sein größerer Wettbewerber. In Deutschland sind E-Plus und O2 aber eben zwei kleine Anbieter, die im Vergleich zu Vodafone und der Deutschen Telekom noch einiges aufzuholen haben und die mit gebündelten Kräften schneller vorankämen.
Dabei sind O2 und E-Plus doch auch unterschiedlich. Telefonica will in den kommenden Jahren fast 700 Millionen Euro vor allem in das sehr schnelle LTE-Mobilfunknetz investieren. In Tests hatte die Telefonica-Tochter O2 zuletzt im Vergleich zur Telekom und zu Vodafone auch bei der Qualität der Datenübertragung recht gut abgeschnitten. E-Plus hatte hier eher Defizite gezeigt. Den Ausbau des Netzes mit dem neuen LTE-Mobilfunkstandard haben die Niederländer in Deutschland noch nicht einmal in Angriff genommen.
Kontakt zum Autor: archibald.preuschat@dowjones.com
DJG/DJN/jhe
(END) Dow Jones Newswires
November 14, 2012 13:27 ET (18:27 GMT)
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