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Suchen ist nicht alles
Google baut Dominanz im deutschen Internet aus
Von Holger Schmidt
20. September 2010 Ob Internetsuche, Videos (Youtube) oder Landkartendienste (Maps): Google dominiert das deutsche Internet. Die Folge: Rund 60 Prozent des Online-Werbegeschäfts in Deutschland fließt in die Taschen von Google. Doch auch das genügt dem Unternehmen längst nicht mehr, weil neben der Suche ein weiteres Wachstumsfeld dazukommen muss. Die Vermarktung grafischer Werbeflächen, das so genannte Displaygeschäft, soll Google die nächsten Milliarden bringen.
Doch in Deutschland ist das Geschäft bisher zäh angelaufen. Googles Werbemarktplatz Doubleclick, auf dem Unternehmen ihre übrig gebliebenen Werbeplätze einstellen können, ist bisher kein Renner. „Ein Anbieter von Werbeflächen, zum Beispiel ein Verlag, überlegt sich in Deutschland lange, ob er sein Inventar auf einem Marktplatz anbietet. Der amerikanische Markt ist weiter. Der deutsche Markt ist aber nur zwei, drei Jahre langsamer“, sagte Stefan Tweraser, Deutschland-Chef von Google, dieser Zeitung.
Das Unternehmen hat erst vor kurzem Mitarbeiter eingestellt, die den Markt bearbeiten sollen. „Das Geschäft springt jetzt an. Dass es in Deutschland auch funktioniert, hat drei Gründe: Marktplätze sind effizient, Kampagnen lassen sich sehr kurzfristig aufdrehen – und das auch international. Da mache ich mir keine Sorgen“, sagte Tweraser. Wohl aber der Rest der Werbebranche, der Googles Marktmacht fürchtet. „Mittelfristig will Google die gesamte Wertschöpfungskette zwischen Werbekunden und Publisher für sich gewinnen“, sagt Christoph Schuh, Vorstand von Tomorrow Focus, einem der größten deutschen Vermarkter von Werbeflächen im Internet. Wer Werbeflächen im Internet anbietet, zum Beispiel die Verlage, könnte die Werbung künftig direkt bei Google buchen. Agenturen und Vermarkter, die bisher zwischengeschaltet waren, könnten überflüssig werden, befürchtet Schuh.
Den Anfang macht die Übernahme von Doubleclick
Google kauft sich nach und nach die nötigen Unternehmen zusammen. Den Anfang macht die Übernahme von Doubleclick, dem Weltmarktführer für die Auslieferung graphischer Werbung. Doubleclick betreibt auch den größten Werbe-Marktplatz. Anfang Juni hat sich Google dann Invite Media einverleibt. Das Unternehmen kann in Echtzeit Gebote von Werbetreibenden verarbeiten. Im vergangenen November hatte Google schon den Online-Werbespezialisten Terracent akquiriert.
Erste Erfolge sind zu verzeichnen. „Im Display-Geschäft in unserem Werbenetzwerk läuft es inzwischen gut. Der Vorwurf, dass die Konversionsraten im Google-Contentnetzwerk nicht stimmen, hat sich gedreht. Wir bringen die Intelligenz aus der Suche in das Display-Geschäft ein. Und es funktioniert“, sagte Tweraser. Noch halten die meisten Anbieter der Werbeflächen in Deutschland zusammen und geben ihre Seiten Google nicht zur Vermarktung. Doch die Bastion dürfte sehr schnell aufbrachen, wenn Google seine Finanzkraft ausspielt. In Frankreich soll Google bereits Vereinbarungen mit großen Agenturen wie Publicis über eine Vermarktung der Restplätze geschlossen haben. In Deutschland, so wird befürchtet, könnte Google mit Sonderkonditionen für sein Suchmaschinengeschäft locken, um seinen Marktplatz zu füllen.
Und die nächste Baustelle, das mobile Internet, entwickelt sich gerade. Auf die Frage, womit im mobilen Internet künftig das Geld verdient wird, sagte der Google-Chef Eric Schmidt dieser Zeitung: „Heute ist es die Suchfunktion; das Wachstum ist hoch. Graphische Display-Werbung wird aber das nächste große Ding im mobilen Internet sein. Es lässt sich sehr gut an den Interessen der Menschen ausrichten.“ Auch in dem noch jungen Markt des mobilen Internet, das Schmidt in diesem Jahr zur Priorität Nummer eins erklärt hat, liegt das Unternehmen nach Messungen von Comscore schon vorn. „Die mobile Suche ist in den vergangenen drei Jahren um 500 Prozent gewachsen. Je schneller sich das mobile Internet technisch weiterentwickelt, desto größer wird die Bedeutung von Display“, sagt Tweraser.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2012.
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