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03. September 2010

Finanzmarkt-Regulierung

Ackermann warnt vor einer Staatspleite Griechenlands

18. März 2010 Josef Ackermann plädiert notfalls für eine Rettung Griechenlands. Deutsche Banken hätten beträchtliche Milliarden im Feuer gegenüber dem hochverschuldeten Land, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, der sein eigenes Institut davon jedoch ausnahm. „Wenn wir Griechenland nicht stabilisiert bekommen, werden die Banken das nächste Problem haben“, warnte Ackermann am Mittwochabend. Er wies den Vorwurf zurück, Spekulanten seien der Grund für die Krise in Griechenland. „Die Reaktion mancher Politiker legt eine Verwechslung von Ursache und Wirkung nahe“, betonte er.

Am Center for Financial Studies in Frankfurt präsentierte er einen auf sechs Punkten beruhenden Vorschlag eines Ordnungsrahmens für die Finanzmärkte. Ackermanns Überlegungen liegt die Überzeugung zugrunde, dass die jüngste Krise viele Ursachen gehabt habe, es aber „unstrittig und nicht zu leugnen“ sei, dass die größte Verantwortung bei den Banken selbst liege. Ackermann tritt erstens für eine sogenannte systemische Aufsicht ein, die den Gesamtmarkt mit „ganzheitlichem Blick“ beobachtet und nicht nur Teilmärkte überwacht. Sie solle unter anderem die Wirkung von Geld- und Finanzpolitik und von veränderten Bilanzierungsregeln auf die Stabilität der Finanzmärkte analysieren. Zudem müsse die Arbeit der für die systemische Aufsicht zuständigen Behörden global koordiniert werden.

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Zweitens brauchten die Eigenkapitalregeln Reformen: „Banken werden danach künftig mehr und hochwertigeres Kapital halten müssen.“ Im Detail hält der Schweizer zusätzliche Regeln wie höhere Kapitalanforderungen für bestimmte Geschäfte zwischen Banken für notwendig.

Mehr Beachtung solle drittens das lange von Aufsehern wie Banken unterschätzte Management von Liquiditätsrisiken finden: „Ein Grund dafür war sicher auch, dass vor der Krise Liquidität selbst in exotischen Marktsegmenten als selbstverständlich erschien. Die Krise hat damit gründlich aufgeräumt.“ Ackermann warnt allerdings vor zu rigiden Regeln und fordert ein international abgestimmtes Vorgehen der Aufsichtsbehörden, da internationale Finanzkonzerne ihre Liquidität auf der Konzernebene steuerten.

Als viertes Element nennt Ackermann eine „bessere Marktinfrastruktur“, die es erlaube, die Verflechtung der Marktteilnehmer untereinander zu reduzieren: „Unser Ziel muss deshalb sein, auch große und stark vernetzte Finanzinstitutionen im Falle ihres Scheiterns vom restlichen System zu isolieren und aus dem Markt ohne große systemische Verwerfungen ausscheiden zu lassen.“ Als Beispiel nennt er zentrale Gegenparteien für den Handel mit Derivaten und Devisen sowie die Standardisierung von Kontrakten.

Keine einfache Lösung sieht Ackermann für den fünften Punkt seiner Agenda: ein effektives Krisenmanagement. Hier nennt er frühzeitige Eingriffsrechte der Aufsicht, Kapitalaufnahmen zu vorab festgelegten Konditionen in schwierigen Zeiten, klare und möglichst einfache Unternehmensstrukturen, Stabilisierungsfonds für in Not geratene Banken sowie ein effizientes Insolvenzregime.

Als letzter Punkt findet sich die Forderung nach einer kompetenten und starken Aufsicht: „Es scheint mir bisweilen, dass wir gut beraten wären, etwas weniger Energie auf die Diskussion neuer Regulierungen und dafür etwas mehr auf die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter der Aufsichtsbehörden zu verwenden.“ Zudem wendet sich der Banker gegen eine nationale Zersplitterung der Aufsichtsbehörden in Europa. Eine fragmentierte Aufsicht gefährde die Finanzstabilität.

Derivate nicht verteufeln

Grundsätzlich sieht Ackermann die Finanzmärkte nicht auf ihre Funktion als Finanzierer der Volkswirtschaft beschränkt. Diese „dienende Funktion“ betrachtet er zwar als sehr wichtig. Aber die Finanzbranche ziehe ihre Existenzberechtigung nicht alleine aus der Versorgung der Realwirtschaft mit Finanzdienstleistungen: „Die Finanzbranche ist auch alleine wertschöpfend.“ Der Handel untereinander mit Wertpapieren beispielsweise schaffe Liquidität, die auch Unternehmen und Investoren zugutekomme.

Wegen dieses großen Nutzens sieht Ackermann Überlegungen als schädlich an, die entweder die Globalisierung der Finanzmärkte rückgängig machen oder - wie die von Paul Volcker - Bankgeschäfte in nützliche und schädliche unterteilen wollen.

Daher wendet er sich auch gegen eine Verteufelung von Derivaten: „Ohne Absicherungsinstrumente gegen Wechselkurs- und Rohstoffschwankungen gibt es keine globale Wirtschaft. Ohne Absicherung von Langlebigkeitsrisiken keine betrieblichen Pensionspläne. Ohne Emissionszertifikate und Wetterderivate fallen die Kosten zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels noch höher aus.“ Man dürfe in der politischen Debatte nicht den Eindruck erwecken, diese Instrumente dienten nur der Bereicherung einiger weniger Spekulanten.



Text: gb/Reuters./F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

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