21. Mai 2012

Europa-Börsen etwas fester - Keine Rally trotz Griechen-Einigung

FRANKFURT (Dow Jones)--Etwas fester sind die europäischen Aktienmärkte aus dem Donnerstagshandel gegangen. Nach frustrierendem Warten auf Neuigkeiten aus Griechenland löste jedoch selbst die Einigung dort über die Sparforderungen der Troika kein Freudenfeuerwerk aus. Auch der Bankensektor zeigte sich mit gemischten Vorzeichen. Lediglich die französischen Branchenwerte schlossen kräftig im Plus. Für gute Stimmung sorgten aber bessere Wochendaten vom US-Arbeitsmarkt. Die US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe gingen um 15.000 zurück, obwohl ein Anstieg um 3.000 erwartet worden war.

Die Entscheidung der EZB zugunsten unveränderter Zinsen war erwartet worden. Kräftige Kursgewinne gab es unter den Automobilwerten nach guten Geschäftszahlen von Daimler. Unter Druck standen die Versorgertitel nach schwachen Daten von GdF Suez. Der Euro-Stoxx-50 stieg um 0,4 Prozent oder 9 auf 2.522 Punkte und markierte im Verlauf ein neues Jahreshoch, der Stoxx-50 legte um 0,2 Prozent bzw 5 auf 2.490 Zähler zu.

Einigung mit Troika in Griechenland - Bankenpapiere reagieren gemischt

In Griechenland haben die Parteiführer der Regierungskoalition den Bedingungen der internationalen Geldgeber für ein zweites Rettungspaket zugestimmt. "Die Parteichefs haben den Forderungen zugestimmt", sagte Ministerpräsident Papademos. Alle offenen Fragen seien gelöst. Knackpunkt war nach einem Verhandlungsmarathon mit der sogenannten Troika aus EU, IWF und EZB eine Lücke bei den Einsparungen in Höhe von 300 Millionen Euro. Die Summe sollte ursprünglich aus dem Rentensystem kommen. Ein Regierungssprecher kündigte an, dass Griechenland die 300 Millionen Euro einsparen werde, ohne zu konkretisieren, an welcher Stelle das geschehen soll. Vor allem französische Bankenwerte bauten darauf ihre Gewinne aus. Societe Generale stiegen um 5,4 Prozent, Credit Agricole um 3,3 Prozent und BNP Paribas um 1,1 Prozent. Der Bankenindex legte nur 0,6 Prozent zu.

Eurogruppe tagt weiter

In Brüssel tagt unterdessen die Eurogruppe, um über das zweite Rettungspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro zu beraten. Auf einer Pressekonferenz zur EZB-Zinsentscheidung wollte Präsident Mario Draghi nichts dazu sagen, ob und inwiefern sich die Zentralbank an einem Schuldenerlass beteiligen wird. Auch wiesen einige deutsche Parlamentarier darauf hin, dass die Zahlungen an Athen noch nicht in trockenen Tüchern seien.

EZB belässt Zinsen gleich - Bank of England weitet Ankaufprogramm aus

Die Entscheidung der EZB für gleichbleibende Zinsen war vom Markt erwartet worden. Auf Interesse stießen jedoch Maßnahmen zur erleichterten Hinterlegung von Sicherheiten (Collaterals) bei der EZB. Sieben Notenbanken haben dies beantragt. "Etwas überraschend ist nur, dass Frankreich und Österreich mit dabei sind", sagte ein Händler. Von den anderen Ländern Irland, Spanien, Italien, Zypern und Portugal sei dies hingegen erwartet worden. Auch mit der Ausweitung des Anleihenkaufprogramms durch die Bank of England um 50 Milliarden auf 325 Milliarden Pfund Sterling hatte der Markt gerechnet.

Bilanzsaison in vollem Gange - Zahlen überwiegend enttäuschend

Auf Unternehmensseite legten zahlreiche Großunternehmen ihre Geschäftsbereichte vor. Die meisten fielen entsprechend des schwachen vierten Quartals enttäuschend aus. So hieß es zu den Zahlen der Credit Suisse, "schlecht wie bereits die Zahlen von Deutscher Bank und UBS". Wie den anderen Kreditinstituten hätten auch der schweizerischen Großbank ein schwaches Investmentbanking, Restrukturierungskosten sowie der Abbau risikogewichteter Aktiva die Bilanz verhagelt. Die Aktien verloren 3,5 Prozent auf 24,35 Franken.

Enttäuschend sind den Analysten von Cheuvreux zufolge auch die Geschäftszahlen von ING ausgefallen. Dass die Markterwartungen verfehlt wurden, resultiere jedoch in erster Linie aus Einmaleffekten, die sich bei stabileren Finanzmärkten abschwächten oder gar umkehrten. Die Aktien des niederländischen Finanzkonzerns sanken in Amsterdam um 5,4 Prozent auf 6,87 Euro.

Der Minengigant Rio Tinto hat im vergangenen Jahr den operativen Gewinn um 10 Prozent auf 28,5 Milliarden Dollar gesteigert. Die Abschreibungen auf das Aluminiumgeschäft waren jedoch deutlich höher als erwartet. Die Aktie gab in London um 1,5 Prozent auf 3.815 Pence nach.

Ernüchterung auch bei den Geschäftszahlen von Vodafone. Einnahmen, Ergebnis und freier Barmittelfluss bewegten sich allesamt in die falsche Richtung, kommentierten die Analysten von Liberum. Allerdings biete das britische Telekommunikationsunternehmen mit einer für 2013 zu erwartenden Dividendenrendite von 6 Prozent bessere Anlageperspektiven als die Wettbewerber aus dem Euroraum. Vodafone honorierten dies mit einem Anstieg um 0,5 Prozent auf 174,50 Pence.

GdF Suez zieht Versorgertitel nach unten - Autowerte gesucht

Ein enttäuschender Ausblick drückte die Anteilsscheine von GdF Suez um 4,8 Prozent auf 20,30 Euro. Die Ertragsziele seien etwas niedriger, als der Markt erwartet habe, hieß es im Handel. Dies belastete den ganzen Sektor, der 1,4 Prozent verlor. Zudem berichteten Händler von kräftigen Umschichtungen aus den defensiven Versorgeraktien in Automobiltitel.

Diese zeigten sich in Rally-Laune und zogen im Schnitt um 2,9 Prozent an. Anlass gaben gute Zahlen von Daimler, die um 4,6 Prozent auf 46,68 Euro sprangen. Die Stuttgarter haben beim operativen Gewinn 2011 etwas besser angeschnitten als von Analysten im Konsens erwartet. Vor allem die vorgeschlagene Dividende von 2,20 Euro je Aktie trieb den Kurs. Sie lag deutlich über der Konsensprognose von 2,04 Euro.

Europäische Schlussstände von Donnerstag, den 9. Februar 2012:

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             Index          Schluss-  Entwicklung  Entwicklung   Entwicklung 
                               stand      absolut         in %          seit 
                                                                Jahresbeginn 
Europa       Euro-Stoxx-50   2522,34         9,42        +0,4%           8,9 
             Stoxx-50        2490,18         4,52        +0,2%           5,1 
             Stoxx-600        263,64         0,63        +0,2%           7,8 
Frankfurt    XETRA-DAX       6788,80        40,04        +0,6%          15,1 
London       FTSE-100        5895,47        19,54        +0,3%           5,9 
Paris        CAC-40          3424,71        14,71        +0,4%           8,4 
Amsterdam    AEX              325,12        -0,21        -0,1%           4,0 
Athen        ATHEX-20         345,07         3,41        +1,0%          30,3 
Brüssel      BEL-20          2270,63        -9,59        -0,4%           9,0 
Budapest     BUX            19453,71      -270,63        -1,4%          14,6 
Helsinki     OMXH-25         2203,30        -4,55        -0,2%          13,5 
Istanbul     NAT30          73125,48     -1210,25        -1,6%          18,5 
Kopenhagen   OMXC-20          437,97         0,62        +0,1%          12,3 
Madrid       IBEX-35         8902,10        52,80        +0,6%           3,9 
Mailand      FTSE-MIB       16653,83       -15,39        -0,1%          10,4 
Moskau       RTS             1638,09        -5,44        -0,3%          18,5 
Oslo         OBX              383,30         4,62        +1,2%           7,2 
Prag         PX              1025,80         1,60        +0,2%          12,6 
Stockholm    OMXS-30         1077,12         2,51        +0,2%           9,0 
Warschau     WIG-20          2364,29       -12,36        -0,5%          10,3 
Wien         ATX             2245,70         7,08        +0,3%          18,7 
Zürich       SMI             6169,63        13,77        +0,2%           3,9 
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DJG/mod/flf 

(END) Dow Jones Newswires

February 09, 2012 12:35 ET (17:35 GMT)

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