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03. September 2010

Aktien

Ein Portfolio erfolgreicher Vermögensverwalter

Von John Dorfman, Bloomberg News/Dorfman Investments

27. Oktober 2004 Ich werfe regelmäßig einen Blick auf die Portfolios von Vermögensverwaltern, die ich bewundere. Klar, es handelt sich dabei um meine Konkurrenz. Na und? Gelegentlich greife ich die eine oder andere Idee auf, die es sich zu stehlen lohnt. Einmal im Jahr präsentiere ich dann im Rahmen dieser Kolumne ein paar ausgewählte Titel, die andere, von mir respektierte Vermögensverwalter halten - manche von ihnen zählen sogar zu meinen Freunden. Das Ergebnis meiner Wahl bezeichne ich dem Umstand entsprechend als „Purloined-Portfolio“ („purloin“ zu deutsch „entwenden“).

Die gestohlenen Früchte vom vergangenen Jahr erzielten ein Plus von 31 Prozent; im Vergleich dazu legte der Standard & Poor's 500 Index um zwölf Prozent zu. Die angegeben Performancezahlen verstehen sich inklusive Dividenden. Sie basieren auf Wochenkursen und beziehen sich auf den Zeitraum bis einschließlich 22. Oktober.

Frühere Purloined-Portfolios konnten sogar noch besser abschneiden: Wenn Sie in meine Auswahl vom Jahr 2002 investiert und die Positionen zwei Jahre lang gehalten hätten, wäre Ihnen ein Plus von 54 Prozent gegenüber 26 Prozent für den S&P 500 sicher gewesen. Hätten Sie analog zu meiner raffinierten Auswahl des Jahres 2001 gekauft und die einzelnen Positionen über drei Jahre lang gehalten, würden Sie nunmehr auf einem Gewinn von 87 Prozent sitzen; der S&P 500 konnte vergleichsweise dazu nur um 7,3 Prozent zulegen. Hätten Sie schließlich in die Komponenten des Purloined-Portfolios aus dem Jahr 2000 investiert und über vier Jahre lang an ihrem Engagement festgehalten, würde Ihre Investition heute mit 37 Prozent im Plus stehen, während der S&P 17 Prozent an Wert eingebüßt hat.

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Aspen ist jung, aber vielversprechend

Ich bin nicht so dumm zu glauben, daß diese Glückssträhne unendlich lange anhalten kann - aber lassen Sie es uns ganz einfach versuchen. In diesem Jahr werde ich Ideen von den gleichen Managern klauen, die ich schon im vergangenen Jahr „bestohlen“ habe: Scott Black, David Dreman, Randall Eley, Jean-Marie Eveillard, Kenneth Heebner, David A. Katz und Charles Royce.

Meine Einzeltitelauswahl basiert auf den Einreichungen der Manager an die amerikanische Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde SEC. In den meisten Fällen datieren die Informationen vom 30. Juni, so daß der ein oder andere Manager die von mir erwähnte Position bereits verkauft haben kann.

Teekey Shipping mit schnellem Wachstum

Scott Black ist President der Delphi Management Inc. in Boston und leitet den Kobren Delphi Value Fund. Im vergangenen Jahr reizte mich seine Position in Teekey Shipping Corp.- ein Unternehmen, dessen Kurs seither um 114 Prozent zugelegt hat. In diesem Jahr heißt das Unternehmen, das ich von Black stehle, Aspen Insurance Holdings Ltd.. Aspen ist eine Holdinggesellschaft für Sach-, Schadenshaftpflicht- und Rückversicherer mit Sitz in Hamilton, Bermuda. Das noch junge Unternehmen verzeichnet ein rasches Wachstum. Seine Einnahmen stiegen sprunghaft von 129 Millionen Dollar im Jahr 2002 (dem Jahr seines Börsengangs) auf 839 Millionen Dollar im Jahr 2003.

Bei Aspen handelt es sich insofern um eine riskante Anlage, als seine Unternehmenshistorie noch sehr kurz ist. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von sechs, einem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV, Vermögenswerte abzüglich Verbindlichkeiten je Aktie) von 1,1 und einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 1,4 finde ich die Holding jedoch attraktiv bewertet.

Bank of America mit hoher Dividendenrendite

David Dreman, mein Mentor im Wertpapiergeschäft, ist Chairman von Dreman Value Management in Jersey City, New Jersey, und Manager des Scudder-Dreman High Return Equity Fund. Dreman hat sich in diesem Jahr mit Anteilsscheinen der Bank of America Corp eingedeckt. Dies scheint mir ein vernünftiger Schritt gewesen zu sein, denn die Aktie wirft eine Dividendenrendite von 4,1 Prozent ab und notiert mit einem KGV von zwölf bzw. einem KBV von 1,8. Einige meiner Kunden halten den Titel ebenfalls.

Exxon Mobil und Petrobras mit exzellenter Eigenkapitalrendite

Randall Eley ist President von Edgar Lomax Co. in Springfield, Virginia, und leitet den Edgar Lomax Value Fund. Die größte Position in seinem Fonds ist der Energieriese Exxon Mobil Corp. (XOM). Als führender Ölkonzern in den Vereinigten Staaten ist Exxon mit weniger als elf Prozent des Eigenkapitals verschuldet. Die im vergangenen Jahr erwirtschaftete Eigenkapitalrendite belief sich auf 26 Prozent.

Ken Heebner ist General Partner bei Capital Growth Management in Boston und leitet den CGM Focus Fund. Er verfügt über viele interessante Einzeltitel, darunter Petroleo Brasileiro SA - besser bekannt als Petrobras -, auf das ich mich konzentrieren werde. Petrobras ist ein integriertes Öl- und Erdgasunternehmen mit Sitz in Rio de Janeiro, Brasilien, und - gemessen an der Marktkapitalisierung - das größte Unternehmen in Lateinamerika. Seine Aktien notieren mit einem KGV von sieben, einem KBV von 2,3 bzw. einem KUV von 1,2 und damit mit einem Abschlag gegenüber den meisten internationalen Ölkonzernen. Die Verschuldung liegt für meinen Geschmack etwas zu hoch, ist aber mit 86 Prozent des Eigenkapitals noch annehmbar. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Petrobras eine glänzende Eigenkapitalrendite von 43 Prozent. Seine American Depositary Receipts werden an der New York Stock Exchange gehandelt.

Sherwin-Williams, Vishayund Schnitzer Steel günstig bewertet

Jean-Marie Eveillard verwaltet mehrere Investmentfonds für Arnhold & S Bleichroeder GL in New York mit, darunter den First Eagle U.S. Value Fund. Zu seinen größeren Engagements zählt Sherwin-Williams Co.. Bei dem in Cleveland, Ohio, ansässigen Unternehmen handelt es sich um den größten amerikanischen Hersteller von Farben, die er unter dem Namen Sherwin-Williams, Dutch Boy sowie anderen Labels verkauft. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Sherwin-Williams, der seit mindestens 17 Jahren gewinnbringend arbeitet, eine Eigenkapitalrendite von 24 Prozent. Die Aktie notiert mit einem KGV von 16 bzw. einem KUV von 1,0 und scheint mir auf diesem Niveau vernünftig bewertet.

Als Chief Investment Officer bei Matrix Asset Advisors Inc. in New York leitet David A. Katz den Matrix Advisors Value Fund. Eine seiner Positionen, die mich so fasziniert, lautet auf Vishay Intertechnology Inc. Das in Malvern, Pennsylvania, angesiedelte Halbleiterunternehmen sieht mit einem KGV von 21 zwar nicht gerade billig aus, doch seine jüngste Ertragslage war gedrückt. Günstig bewertet scheint Vishay dagegen mit seinem KBV von 0,76 bzw. seinem KUV von 0,82.

Charles Royce ist President von Royce & Associates LLC in New York und Manager bzw. Co-Manager von mehr als einem Dutzend offener und geschlossener Fonds, darunter der Royce Focus Trust. Zu seinen Beständen gehören Anteilsscheine von Schnitzer Steel Industries Inc., die ich für ein paar meiner Kunden ebenfalls besitze. Schnitzer mit Sitz in Portland, Oregon, recycelt Stahlschrott, liefert Eisenschrott und produziert Stahl. Ich fühle mich von den Bewertungen des Unternehmens angesprochen: Das KGV liegt bei acht und das KUV bei 1,2.

Natürlich gibt es für gestohlene Ideen genausowenig eine Garantie wie für Ideen, die man selbst entwickelt hat. Trotzdem schlage ich vor, daß Sie es als Fassadenkletterer einfach mal probieren.



Text: Bearbeitung: @thwi

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