23. Mai 2013

E.ON und Gewerkschaften verhandeln wieder; kein Streik am Montag

Von Klaus Brune

In die festgefahrenen Gespräche zwischen dem Energiekonzern E.On und den Gewerkschaften über mehr Lohn ist am Wochenende überraschend noch einmal Bewegung gekommen.

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Nachdem beide Seiten am späten Freitag noch einmal Verhandlungen aufgenommen haben, verschoben di Gewerkschaften ver.di und IG BCE ihren für Montag geplanten unbefristeten Streik, um das neue Verhandlungsangebot zu prüfen. Bis zum 10. Februar ist ein unbefristeter Streik, der erste seit der Liberalisierung des Energiemarktes, vorerst vom Tisch.

In einer kurzen Mitteilung der Gewerkschaft ver.di hieß es am Samstag, die hohe Zustimmung der E.ON-Beschäftigten für einen Streik habe noch am Freitagabend für Bewegung im Tarifkonflikt gesorgt. In der kommenden Woche wolle die Große Tarifkommission nun entscheiden, ob auf Basis der neuen Vorschläge weiter verhandelt werden könne. Über die Inhalte der neuen Vorschläge wurde Stillschweigen vereinbart.

"Die zentrale Arbeitskampfleitung von ver.di hat aus diesem Grund beschlossen, den Arbeitskampf bis Sonntag, 10. Februar, 24 Uhr auszusetzen," so ver.di in der Mitteilung.

E.ON-Personalvorstand Regine Stachelhaus gab sich optimistisch. "Ich sehe uns auf einem guten Weg und halte eine kurzfristige Einigung nunmehr für möglich. Außerdem begrüße ich ausdrücklich, dass ein Streik zumindest vorerst verhindert werden konnte."

In einer Urabstimmung über den Arbeitskampf hatten die Gewerkschaften ver.di und IG BCE am Freitag jeweils Zustimmungsquoten von mehr als 90 Prozent erzielt. Nach ver.di-Angaben von Freitag stimmten 91,4 Prozent der eigenen Mitglieder für den Streik. Die IG BCE bezifferte die Zustimmung unter ihren Mitgliedern auf 96,9 Prozent. Schon am Montag wollten daher die Arbeitnehmer an einzelnen E.ON-Standorten die Arbeit niederlegen, wobei die Aktionen sowohl die Energieerzeugung als auch Service- und Abrechnungsabteilungen betreffen sollten.

Mit dem Arbeitskampf wollen ver.di und IG BCE den E.ON-Konzern zu Zugeständnissen im laufenden Tarifkonflikt zwingen. Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozent mehr Lohn, die Übernahme aller Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss für ein Jahr und die unbefristete Übernahme von mindestens 250 Auszubildenden im Jahr 2015. Nach Vorstellung der Arbeitnehmervertreter soll sich E.ON zudem auch in Zukunft verpflichten, bei Unternehmensausgründungen die Tarifbindung zu wahren.

Die E.ON SE hatte in der dritten Verhandlungsrunde 1,7 Prozent mehr Lohn angeboten. Die Arbeitnehmervertreter erklärten die Gespräche daraufhin Mitte Januar für gescheitert.

E.ON hatte zuvor angesichts der Streikpläne vor einem Risiko für die Versorgungssicherheit gewarnt. Jedes Kraftwerk, das am Netz sei, sei wichtig, sagte ein Unternehmenssprecher. Die Streiks belasten E.ON in einer ohnehin schwierigen Zeit. Das Unternehmen leidet unter der Energiewende in Deutschland und der sinkenden Stromnachfrage in Südeuropa. Unter anderem deshalb rechnet der Konzern für das angefangene Jahr mit einem deutlichen Gewinnrückgang. E.ON prüft die Schließung konventioneller Kraftwerke und reduziert die Investitionen. Weltweit will der Konzern rund 11.000 Stellen abbauen.

Ein Streik droht auch beim Energiekonzern RWE. Die Gewerkschaften hatten die Verhandlungen mit dem E.ON-Konkurrenten am Montagabend einstweilen abgebrochen. Sie wollen am Dienstag nächster Woche über weitere Schritte beraten. Auch RWE ist von sinkenden Margen betroffen. Bei dem Unternehmen sollen rund 10.000 Stellen wegfallen.

Kontakt zum Autor: klaus.brune@dowjones.com

(Hendrik Varnholt hat zu diesem Artikel beigetragen)

DJG/kgb

(END) Dow Jones Newswires

February 02, 2013 09:50 ET (14:50 GMT)



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