21. Mai 2012

Börse aus regionaler Sicht

Die besten Aktien aus Rhein-Main 2011

Von Thorsten Winter
26. Dezember 2011 

Top mit Kohlefasern

Der Sieger an der Börse heißt 2011 SGL Carbon. Folgerichtig kommt an der Aktie des Wiesbadener Herstellers von Kohlenstoffprodukten auch kein anderes Papier eines Konzerns mit Sitz im Rhein-Main-Gebiet vorbei. Ein Plus von 36 Prozent steht seit Jahresbeginn zu Buche. Doch zeigt der Fall SGL auch, wie schnell es an der Börse abwärtsgehen kann, wenn hinter einem Auftrieb nicht allein gute Geschäftszahlen und die begründete Hoffnung auf noch bessere Geschäfte in der Zukunft stehen. Um die ehedem aus dem Hoechst-Konzern hervorgegangene SGL balgten sich im Jahresverlauf die Auto-Hersteller BMW und VW. Zudem hält BMW-Großaktionärin Susanne Klatten ein dickes Paket an SGL-Aktien.
Diese Gemengelage nährte Spekulationen um eine Übernahme. Bis der Finanzvorstand in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eine Woche vor Weihnachten die Luft aus dieser Übernahmespekulationsblase ließ. „Wir sehen eher das Gegenteil“, meinte Jürgen Muth auf die Frage, ob Klatten aufstocken werde. Danach kam der Kurs von 48 Euro auf 37 Euro zurück. Das ändert aber nichts an dem Umstand, dass nicht nur Autobauer hoffen, mit SGL-Karbonfasern leichtere Wagen zu bauen. Denn Carbon- und Graphitprodukte punkten überall dort, wo Stahl, Aluminium oder Kupfer versagen.
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Überraschungssieg im Dax

Der Dax kennt in diesem Jahr nur ein halbes Dutzend Gewinneraktien - und die besten drei stammen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Mit einem Kursplus von gut 28 Prozent rangiert die Merck KGaA aus Darmstadt an der Spitze. Dahinter folgen Dialyse-Spezialist Fresenius Medical Care KGaA und die Konzernmutter Fresenius SE & Co., beide mit Sitz in Bad Homburg. Sie können zweistellige Kursgewinne vorweisen. Auffallend ist zum einen: Die drei Dax-Sieger zählen zu den als defensiv geltenden Pharmatiteln, deren Kurse in turbulenten Zeiten vergleichsweise wenig schwanken und die verlässliche Dividenden bieten. Vor diesem Hintergrund liegen auch Werte wie Glaxo-Smith-Kline, Roche oder Sanofi im Plus.
Dennoch war mit Merck nicht unbedingt an der Dax-Spitze zu rechnen, gehört zu dem Konzern doch auch eine Chemiesparte, die stärker vom Auf und Ab der Wirtschaft abhängt als das Geschäft mit Arzneimitteln. Zudem hatte Merck für das erste Quartal einen Verlust ausgewiesen und nicht zuletzt Nackenschläge in der Forschung einstecken müssen. So schaffte es eine Pille gegen multiple Sklerose nicht auf den Markt, und ein Krebsmittel erhielt nicht die Zulassung gegen Lungentumore. Dann legte Merck aber Ende Oktober unerwartet starke Geschäftszahlen vor, was an der Börse grundsätzlich gut ankommt. Der Umsatz soll auf zehn bis 10,2 Milliarden Euro klettern, nach 8,2 Milliarden Euro im Vorjahr. Das operative Ergebnis wird bei etwa eine Milliarde erwartet. Gleichzeitig will Merck weiter Schulden abbauen.

Der Sonderfall aus Maintal

Schon in den vergangenen beiden Jahren gehörte das Papier der Drillisch AG zu den besten „Rhein-Main-Aktien“. Auch diesmal dürfen sich Aktionäre des Unternehmens aus Maintal über Kursgewinne freuen. Die Aufwärtsbewegung hat einen einfachen Grund. Drillisch kauft Telefonminuten von Netzbetreibern wie Vodafone und O2, vertreibt sie mit eigenen Marken weiter und verdient dabei gutes Geld. Zudem hält Drillisch ein dickes Aktienpaket am Mitbewerber Freenet, der ansehnliche Dividenden ausschüttet - so wie die Maintaler es auch tun. Angesichts dessen legte die Drillisch-Aktie seit Jahresbeginn um rund 40 Prozent zu - bis ein Streit mit der Deutschen Telekom AG im August das Papier abstürzen ließ: Von 8,30 Euro ging es hinunter auf 5,00 Euro.
Der Anlass: Die Telekom hält Drillisch vor, rund 29 000 Mobilfunkanschlüsse aktiviert zu haben, ohne dass tatsächlich Kundenverhältnisse zugrunde gelegen hätten. Drillisch weist das zurück - und hebt hervor, die Geschäftsbeziehungen mit der Telekom einen Tag vor der fristlosen Kündigung durch die Bonner selbst fristgerecht gekündigt zu haben. In der Folge haben sich die Streithähne wechselseitig angezeigt. Die Drillisch-Aktie hat sich gleichwohl deutlich erholt; sie liegt nun elf Prozent über dem Januar-Niveau.

Der Börsen-Neuling aus Maintal

In einem miesen Aktienjahr wie 2011 den Sprung an die Börse zu wagen, ist schon eine Leistung an sich. Die Norma AG aus Maintal hat diesen Sprung geschafft und ist dafür mit einem Bruttoerlös von rund 147 Millionen Euro belohnt worden. Ihre Aktionäre müssen sich allerdings noch gedulden. Denn die Börse honoriert bisher weder den Mut des Unternehmens, das sein Geld mit Schlauchschellen und Verbindungsteilen verdient, noch die guten Geschäftszahlen. Die Aktie liegt ein Viertel unter dem Ausgabekurs und hinkt dem Kleinwerte-Index SDax hinterher, in dem sie gelistet ist.
Das Minus war allerdings schon deutlicher ausgefallen, Norma hat in den vergangenen Handelstagen an der Börse mächtig aufgeholt und das Tief von 11,65 Euro hinter sich gelassen. Und wenn der Konzern die Prognosen seines Vorstands bestätigen kann, weiter gute Zahlen liefert und zudem Anleger wieder mehr auf Industriewerte setzen, dürfte der Ausgabekurs wieder in Sichtweite kommen. Norma ist, gemessen an der Erwartungen der Aktienanalysten, mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 günstig und bietet eine Dividendenrendite von 3,25 Prozent.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: picture-alliance/ dpa/dpaweb, Röth, Frank, Wohlfahrt, Rainer

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Metro 24,00 € +3,23%
Merck 76,04 € +2,84%
MAN 80,39 € +2,83%
ADIDAS AG NA O.N. 60,85 € +2,79%
Daimler 37,19 € +0,41%
Fresenius 75,74 € +0,21%
E.ON 15,16 € −0,30%
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