23. Mai 2013

Die Bundesnetzagentur senkt Entgelte, die Branche jault auf

Von Archibald Preuschat

Die Bundesnetzagentur hat die Gebühren, die Mobilfunknetzbetreiber Wettbewerbern für Handygespräche in ihr eigenes Netz berechnen dürfen, drastisch gesenkt.

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Die Gebühr halbiert sich fast von knapp vier Eurocent auf 1,85 Eurocent pro Minute. Die Branche heult geschlossen auf. Ob die Verbraucher demnächst billiger mobil telefonieren können, erscheint dennoch zumindest fraglich.

Durch die Absenkung gehen den vier Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone, E-Plus und Telefonica Deutschland zusammen rund eine halbe Milliarde Euro pro Jahr flöten, so rechnet die Deutsche Telekom vor.

Ein Sprecher des nach Kunden drittgrößten Anbieters E-Plus, einer Tochter des niederländischen Telekomkonzerns KPN, mag diese Zahl weder kommentieren noch dementieren.

Am lautesten heult Vodafone auf: "Das ist eine dramatische Absenkung, mit der erneut Geld aus dem Markt gezogen wird. Geld, das für den Ausbau neuer digitaler Infrastrukturen und für die Erreichung der Breitbandziele des Bundes wie der EU dringend benötigt wird. Wir sehen dies als völlig falsches Signal, insbesondere weil die deutsche Telekommunikationsindustrie derzeit Milliarden Euro in den LTE-Ausbau investiert," heißt es in einer Mitteilung.

Aber auch die Telekom fand deutliche Worte: "Die Bundesnetzagentur folgt mit ihrer Entscheidung leider der vollkommen verfehlten EU-Regulierungspolitik im Mobilfunk der vergangenen zehn Jahre. Durch diese einseitige Politik hat die europäische Mobilfunkindustrie ihre einst weltweit führende Rolle verloren", beklagt der Bonner Konzern.

Da könnte sogar etwas dran sein: Der Anteil Europas am weltweiten Telekommunikationsmarkt ist im Jahr 2011 auf 25 Prozent von zuvor 31 Prozent abgesunken. Schuld daran sind Umsätze, die bereits im dritten Jahr in Folge sinken.

Auch wenn die großen Anbieter, Telekom und Vodafone, von der Entscheidung stärker betroffen sein dürften, weil sie mehr Kunden haben - auch die kleineren Anbieter hätten das Geld gerne in der Kasse.

Fast wortgleich wie die beiden Marktführer äußert sich E-Plus dann auch in einer Stellungnahme: "Wir halten Absenkungen wie diese in der derzeitigen Hochinvestitionsphase beim Ausbau mobiler Breitbandnetze grundsätzlich für das falsche Signal. Entscheidungen wie diese sind kontraproduktiv für die politischen Ziele einer Breitbandgesellschaft."

Telefonica Deutschland, die über die Marke O2 im Markt vertreten ist, wollte sich nicht äußern.

Die Bundesnetzagentur begründet ihre Entscheidung übrigens mit der zunehmenden Bedeutung des mobilen Internets, die die Bedeutung und damit auch die Kosten mobiler Telefonate zurück drängen.

Mitte nächster Woche beginnt laut der Agentur ein vierwöchiges nationales Konsultationsverfahren zu den Entscheidungsentwürfen. Anschließend wird die Bundesnetzagentur ihren Vorschlag mitsamt der Begründung der EU- Kommission und den nationalen Regulierungsbehörden der übrigen EU-Länder übermitteln, damit diese dazu Stellung nehmen können.

Für die Netzbetreiber gibt es allerdings nur noch wenig Hoffnung. Die Chance, dass der Beschluss der Bundesnetzagentur nicht rechtskräftig wird, ist trotz einiger weiterer formaler Hürden klein.

Fraglich ist, ob die Verbraucher auch etwas von der Absenkung spüren werden. Immerhin haben im Frühjahr einige preisaggressive Anbieter die Kosten für Tarife, die unbegrenzt Anrufe in alle Netze ermöglichen, gesenkt.

Bereits Im Jahr 2008 hat die Europäische Kommission berechnet, dass durch die Senkung der Entgelte der europäischen Telekommunikations-Branche in den kommenden fünf Jahren 26 Milliarden Euro an Einnahmen entzogen werden, während die europäischen Mobiltelefonierer lediglich mit einer Milliarde Euro entlastet werden.

Kontakt zum Autor: archibald.preuschat@dowjones.com

DJG/apr/sha

(END) Dow Jones Newswires

November 16, 2012 14:46 ET (19:46 GMT)



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