23. Mai 2013

Frankreich

Der Feldherr

Von Günther Nonnenmacher
03. Februar 2013 In der Innenpolitik hat der französische Präsident François Hollande einen teils unentschlossenen, teils auf Versöhnung (zum Beispiel zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern) zielenden Kurs gesteuert. Kaum jemand hätte ihm zugetraut, dass er schon im ersten Jahr seiner Amtszeit auch als Kriegsherr dastehen würde. Im Nachhinein wirkt das militärische Eingreifen in Mali zwar so überraschend nicht: Wären die aus dem Norden vorrückenden Rebellen, Dschihadisten und Terroristen nicht schnell gestoppt worden, hätten sie wichtige strategische Ziele im Süden des Landes, vielleicht sogar die Hauptstadt Bamako, besetzt, und das politische Szenario in Westafrika hätte sich von Grund auf verändert.
Aber dass der ausgewiesene Antikolonialist Hollande, der aus seiner Abneigung gegen das französisch-afrikanische Dickicht aus Wirtschaftskorruption und strategischer Ambition nie einen Hehl gemacht hat, eines der wichtigsten Instrumente dieser berüchtigten „Francafrique“, nämlich die französischen Truppenstützpunkte in Afrika, ohne langes Zögern genutzt hat, hätten ihm dennoch nicht viele zugetraut. War es dem „Sponti“ Sarkozy mit seinem raschen Eingreifen in Libyen gelungen, Zustimmung auch auf der politischen Linken zu gewinnen, so hat der als Zauderer verschrieene Hollande mit seiner Entschlossenheit im Falle Malis vorerst die Nation hinter sich geschart.
  Mehr zum Thema
Artikel
Tools

Vom Taktierer zum Staatsmann

Der durchschlagende Erfolg des Hochgeschwindigkeitsfeldzugs vom Süden in den Norden Malis hat Paris neues Ansehen in Afrika und die politische Unterstützung der zivilisierten Welt gewonnen. Frankreich hat überdies seine militärischen Fähigkeiten (mit logistischer Unterstützung seiner Verbündeten) demonstriert und damit auch seinen Anspruch auf Mitbestimmung in der Weltpolitik unterstrichen.
Die entscheidende Frage wird nun sein, ob Hollande auch den richtigen Zeitpunkt trifft, um die Kriegführung in andere, in afrikanische Hände zu legen. Sein Verteidigungsminister hat bereits bekundet, dass die Verfolgung der in die Wüste geflohenen oder in Nachbarländer ausgewichenen Dschihadisten nicht mehr die Angelegenheit des französischen Militärs sein solle – damit soll ein „afghanisches Szenario“ oder der von allen Militärs gefürchtete „mission creep“ verhindert werden. Dazu gehört allerdings, dass die afrikanischen Truppen möglichst schnell in den Stand versetzt werden, die Weiterführung des Kampfes zu übernehmen – keine leichte Aufgabe für die europäischen Ausbilder, die das bewerkstelligen sollen. Dazu gehört weiterhin ein politischer Prozess, der den gescheiterten Staat Mali in Richtung Demokratie und nationale Aussöhnung bewegt – auch dieser Weg ist noch weit.
Es lässt sich ausschließen, dass Hollande in diesen Krieg gezogen ist, um sein innenpolitisches Ansehen aufzubessern. Aber die positive Veränderung an seinem Bild – vom Taktierer zum Staatsmann – wird er gerne in Kauf nehmen. Der Erfolg in Mali könnte ihm Zeit und Raum schaffen, um innenpolitische Reformen anzupacken oder weiterzuführen. Dazu gehört die Sanierung der Staatsfinanzen, vor allem aber die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Industrie, von der die Regierung in den vergangenen Monaten nur Hiobsbotschaften hören musste – vom kränkelnden Automobilsektor bis zu Entlassungen im ganzen Land.

Widerstand im öffentlichen Dienst

Ein erster Schritt in diese Richtung, der im Ausland unterschätzt wurde, war ein Abkommen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Flexibilität, das die Arbeitgeber nach einem Verhandlungsmarathon zumindest mit einer der großen Gewerkschaften, der „reformistischen“ CFDT, geschlossen haben. Zwar wurde es von der ehemals kommunistischen CGT, die im öffentlichen Dienst und in den Staatsbetrieben besonders stark ist, abgelehnt. Aber es war doch ein Durchbruch, dass nicht der Gesetzgeber Regeln festlegen musste, sondern eine für Frankreich neue Form von Sozialpartnerschaft das Tageslicht erblickte.
Am schwierigsten wird es für Hollande werden, den aufgeblähten öffentlichen Dienst auf ein vernünftiges Maß zurückzuschneiden. Denn in diesem geschützten Sektor findet sich das Gros der linken Wähler. Deren Widerstand wird politisch verlängert von der Linksfront und von der französischen Spielart der Grünen (die mehrheitlich Linksradikale sind). Ohne deren Abgeordnete hat Hollande in der zweiten Parlamentskammer, im Senat, keine Mehrheit – und das ist ihm schon mehrfach vorgeführt worden.

Arbeitslosigkeit als Hauptproblem

Von der eigentlichen Opposition in der Nationalversammlung, von den bürgerlichen Parteien, droht Hollande vorerst keine Gefahr. Die ehemalige Präsidentenpartei UMP erholt sich gerade langsam von einem erbitterten Führungsstreit. Weil ihr Vorsitzender neu gewählt werden muss, wird sie in den nächsten Monaten weitgehend mit sich selbst beschäftigt sein.
Wenn die Expedition nach Mali erst einmal in den Hintergrund getreten ist, wird Frankreich wieder auf sein Hauptproblem verwiesen: die stetig wachsende Arbeitslosigkeit. Hollande hat Besserung am Jahresende versprochen. Kann er nicht Wort halten, wird der Lorbeer des Kriegsherrn schnell verwelken. Das hat schon sein Vorgänger Sarkozy erfahren müssen.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: AFP

Quicklinks
Spezialsuche:
Dax
F.A.Z.
Tec
Dow
Nas
23.05.2013 15:39 Uhr
Dax 8.312,85
−2,56 %
Dax
Tec
Dow
Nas
23.05.2013 15:25 Uhr
Tops & Flops Kurs in %
Merck 124,40 € +0,73%
FMC 53,50 € −0,78%
E.ON 13,21 € −0,94%
Beiersdorf 70,02 € −0,95%
Fresenius 95,17 € −1,21%
Volkswagen Vz 165,90 € −3,83%
Dt. Bank 35,61 € −4,25%
Daimler 47,45 € −4,53%
Infineon 6,31 € −4,67%
COMMERZBANK AG 7,90 € −5,58%
23.05.2013 15:49 Uhr
Name Kurs in %
DAX 8.312,85 −2,56%
FAZ-INDEX 1.742,62 −2,44%
TecDAX 957,22 −1,90%
MDAX 13.947,70 −2,18%
SDAX 5.930,51 −1,48%
REX 445,09 +0,05%
Eurostoxx 50 2.765,32 −2,46%
F.A.Z. EURO 91,20 € −2,32%
Dow Jones 15.218,30 −0,58%
Nasdaq 100 2.972,51 −0,89%
S&P500 1.655,35 −0,83%
Nikkei225 14.484,00 −7,32%
EUR/USD 1,2909 +0,43%
Rohöl Brent Crude 101,21 $ −1,08%
Gold 1.385,25 $ +0,47%
Bund Future 144,74 € +0,30%
Highlights
EUR/USD
EUR/GBP
EUR/JPY
EUR/CHF
23.05.2013 15:49 Uhr
 
        Vortag
1,2909
+0,43 %
Deutschland
Europa
23.05.2013 15:40 Uhr
Name Kurs in %
FAZ-INDEX 1.742,62 −2,44%
F.A.Z. BANKEN EUR 599,12 € −4,32%
F.A.Z. VERSICHERU... 20.947,30 € −3,19%
F.A.Z. IT + ELEKT... 4.068,73 € −2,18%
F.A.Z. BAU + IMMO... 3.371,93 € −2,54%
F.A.Z. CHEMIE + P... 2.545,48 € −1,90%
F.A.Z. VERS. + TE... 850,17 € −1,46%
F.A.Z. AUTO + ZUL... 3.343,19 € −3,64%
F.A.Z. MASCHINENB... 572,34 € −1,51%
F.A.Z. GRUNDSTOFF... 945,02 € −2,71%
F.A.Z. HANDEL + V... 1.278,92 € −2,70%
F.A.Z. KONSUMG. +... 1.291,60 € −1,49%
F.A.Z. ERNEUERB. ... 269,83 € −2,88%
23.05.2013 Uhr
Name Kurs in %
Gold 1.385,25 $ +0,47%
Silber 22,62 $ +0,80%
Platin 1.465,00 $ −0,20%
Palladium 752,00 $ +1,35%
Rohöl Brent Crude 101,21 $ −1,08%
Gas 0,66 £ −0,05%
Kaffee 1,29 $ −2,90%
Zucker 0,17 $ −1,66%
Orangensaft 1,46 $ +2,59%
AMEX GOLD BUGS 601,37 --%
AMEX OIL 1.151,96 --%
Rogers International 24,14 +0,50%

Sie haben Fragen zu FAZfinance.NET?

Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2001-2013

Quellen: TeleTrader Software AG, FWW GmbH, Morningstar Deutschland GmbH und weitere. Alle Börsendaten werden mit mindestens 15 Minuten Verzögerung dargestellt. Realtime-Index-Daten in Zusammenarbeit mit der Boerse Stuttgart - Powered by Structured Solutions

 
© 2013 Morningstar, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Die hierin enthaltenen Informationen: (1) sind für Morningstar und/oder ihre Inhalte-Anbieter urheberrechtlich geschützt; (2) dürfen nicht vervielfältigt oder verbreitet werden; und (3) deren Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität wird nicht garantiert. Weder Morningstar noch deren Inhalte-Anbieter sind verantwortlich für etwaige Schäden oder Verluste, die aus der Verwendung dieser Informationen entstehen. Die Wertentwicklungen in der Vergangenheit ist keine Garantie für zukünftige Ergebnisse.