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Finanzen
Das schlechte Image der Aktie erfordert ein Umdenken der Politik
02. November 2012 Die Chefin des Deutschen Aktieninstituts, Christine Bortenlänger, führt das schlechte Image der Aktie in Deutschland auch auf falsche politische Weichenstellungen zurück. Bei Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will sich Bortenlänger für ein Umdenken stark machen. „Wir wollen uns gemeinsam mit den Sparkassen bei Frau Aigner dafür einsetzen, dass der Wahnsinn mit den Produktinformationsblättern zurückgeführt wird“, sagte Bortenlänger der Nachrichtenagentur dpa in Frankfurt.
„Berater sollen wieder in die Lage versetzt werden, über die Aktie zu beraten. Das geht nicht, wenn für jede einzelne Aktie ein Produktinformationsblatt gefordert wird. Sinnvoller wäre ein Infoblatt für das Produkt Aktie“, sagte die langjährige Chefin der Münchner Börse, die seit 1. September geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Aktieninstituts (DAI) in Frankfurt ist. Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon hatte erklärt, er wolle sich für eine „gesunde, kluge Aktienkultur“ in Deutschland einsetzen.
Zu viele der Infoblätter sind unverständlich
Ein Sprecher des Ministeriums entgegnete: „Es ist ein Irrtum zu glauben, weniger Information führe zu mehr Vertrauen. Die Verbraucher haben einen Anspruch auf volle Transparenz. Deshalb ist es wichtig und richtig, dass es die Produktinformationen gibt.“
Seit gut einem Jahr sind die Beipackzettel Pflicht, die Funktionsweise, Risiken und Kosten von Finanzprodukten kompakt zusammenfassen. Nachbesserungsbedarf sieht auch Ministerium: Zu viele der Infoblätter seien nicht so verständlich und vergleichbar wie verlangt. In einem gemeinsamen Arbeitskreis wird nun nachgebessert.
„Wir haben das in Deutschland nie richtig gelernt“
Dass Aktien für viele Deutsche ein rotes Tuch und Börsen als Zockermärkte verschrien sind, erklärt Bortenlänger zudem mit fehlender Aufklärung über Finanzthemen: „Wir haben das in Deutschland nie richtig gelernt. Oft fehlt schon die Basis, wie man mit Geld umgeht. Ökonomische Bildung sollte in der Grundschule beginnen.“
Die 45-Jährige, die sich schon als Jugendliche für das Geschehen auf dem Börsenparkett begeistern ließ, wirbt: „Wer einen Siemens-Kühlschrank kauft, Apple-Produkte mag oder gerne BMW fährt, kann guten Gewissens auch Geld in solche Unternehmen investieren.“ Langfristig gesehen schlage die Aktie die meisten anderen Anlageformen: „Die Aktie ist in einer Niedrigzinsphase, wie wir sie aktuell erleben, das einzige Papier, das mindestens Vermögenserhalt und zusätzlich Rendite verspricht.“
Die Euro-Schuldenkrise trieb viele Anleger in Deutschland zurück in Aktien als Sachwerte: Im ersten Halbjahr 2012 steckten nach Zahlen des DAI durchschnittlich 10,2 Millionen Anleger Geld in Aktien und/ oder Aktienfonds. Das waren 1,9 Millionen mehr als ein Jahr zuvor und 1,5 Millionen mehr als Ende 2011. Ein stärkeres Plus gab es zuletzt im Jahr 2000, als die vermeintliche „Volksaktie“ Telekom die Massen lockte. Weit entfernt sind jedoch weiterhin sowohl die deutschen Aktionärszahlen zu Zeiten des Börsenbooms 2001 (fast 13 Millionen) als auch die Aktionärsquoten angelsächsischer Länder.
Text: faz.net mit LHE
Bildmaterial: Hoang Le, Kien
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2013.
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