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Anlage-Strategie
Wie gut Aktien bei Inflation zum Vermögenserhalt taugen
03. Februar 2012 Wegen der von den großen Notenbanken verfolgten expansiven Geldpolitik sorgen sich viele Anleger vor einer mittelfristig anziehenden Inflation. Besorgt um die Ersparnisse wird deswegen nach Anlagestrategien gesucht, die einen Schutz gegen die befürchtete Inflationsgefahr bieten. Auf der Suche nach Rat empfehlen Experten als Lösung zumeist Investments in Aktien.
Die Analystinnen Veronika Lammer und Dorina Huszar von der österreichischen Raiffeisen Research GmbH sind in einer Studie der Frage nachgegangen, wie gut sich Aktien in der Vergangenheit in Zeiten mit steigenden Preisen geschlagen haben. Sie untersuchten dazu die Entwicklung von Aktien und anderen Assetklassen in Amerika in den 1970er Jahren. Denn damals ereigneten sich gleich zwei große Inflationsschübe im Laufe von zehn Jahren hintereinander. Diese Phase eignet sich somit sehr gut dazu, die Wertentwicklung der verschiedenen Anlageklassen über eine längere inflationäre und disinflationäre Periode zu analysieren.
Studie untersucht Kursentwicklung während der Inflationsschübe in Amerika in den 1970er Jahren
Die erste zweistellige Inflationsphase zwischen Februar 1974 und April 1975 wurde dabei durch einen Angebotsschock im Lebensmittelsektor, durch die erste Ölkrise und durch Folgeerscheinungen einer vorübergehenden Lohn- und Preiskontrolle der Regierung Nixon ausgelöst. Die Preissteigerungen waren während des ersten Inflationsschubes im Dezember 1974 mit 12,2 Prozent p.a. am höchsten. Danach folgte bis Januar 1977 eine disinflationäre Periode. Die zweite zweistellige Inflationsperiode war zwischen März 1979 und Oktober 1981 zu beobachten. Als Hauptauslöser des zweiten Inflationsschubs können wieder höhere Lebensmittelpreise und die zweite Ölkrise angesehen werden.
Laut Lammer und Huszar erreichte die Inflationsrate ihr Maximum während der zweiten Periode im März 1980 mit 14,7 Prozent p.a. Einen weiteren wichtigen Einflussfaktor auf die Finanzwelt in der Periode stellte der Kurseinbruch an den internationalen Aktienmärkten dar, der sich zwischen 11. Januar 1973 und 06. Dezember 1974 ereignete. Im Hintergrund des Börsencrash in Amerika standen demnach der Arabisch-Israelische Krieg, die Watergate-Affäre, und die erste Ölkrise. Der Rücktritt von Präsident Richard Nixons im August 1974 führte zu einem Ausverkauf, der den S&P 500 schlussendlich im September auf nur noch 62 Punkte fallen ließ (ein Verlust von 50 Prozent innerhalb von 21 Monaten). Daran schloss sich 1975 eine rasche Kurserholung an.
Die damalige Performance der vier großen Assetklassen, Aktien, Anleihen, Immobilien- Investmentfonds und Edelmetalle wurde von Lammer und Huszar anhand verschiedener Indizes gemessen: Die durchschnittliche Performance der Aktien wurde mit Hilfe der drei großer Aktienindizes, des S&P 100, S&P MidCap 400 sowie des S&P SmallCap 600 ermittelt. Die durchschnittliche Performance der Anleihen wurde mit Hilfe der Barclays Corporate Intermediate, der Barclays Corporate Long und der Barclays Aggregate Government Indizes gemessen. Der FTSE/NAIRET All REITs Index stellt die durchschnittliche Performance der Immobilien-Investmentfonds dar. Und die Performance der Edelmetalle ist in der Untersuchung durch den S&P GSCI Precious Metal Index vertreten.
Um ein umfangreiches Bild über die Performanceentwicklung dieser vier Anlageklassen während der Periode zu erhalten, wurden die jeweiligen durchschnittlichen Performances einerseits für die Gesamtperiode (1974-1982) ermittelt. Andererseits wurde dargestellt, wie sich die verschiedenen Asset-Klassen während der zweistelligen Inflationsperiode zwischen 1979-1981, sowie zwischen den zwei Inflationsschüben (als die Inflationsrate sich zwischen 1976 und 1978 zwischen 6 Prozent und 9 Prozent bewegte) verhalten haben. Die durchschnittlichen Performances der zwei einander folgenden dreijährigen Perioden (1976-1978 und 1979-1981) waren überdies schon nicht mehr durch die Auswirkungen des Börsencrash 1973- 1974 betroffen. Dadurch ergibt sich laut Lammer und Huszar auch ein eindeutigeres Bild über das Verhältnis von Inflation und Performanceentwicklung der Anlageklassen.
Inflation war erwartungsgemäß nicht gut für die Performance von Anleihen
In der Phase von 1974 und 1982 haben amerikanische Anleihen am schwächsten performt. Ihre durchschnittliche nominelle Performance für die Periode 1974-1982 betrug 8,3 Prozent, die reale Performance lag bei -1 Prozent p.a. Aktien hatten eine bessere Performance, sie konnten einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 12,2 Prozent p.a. nominell oder von 2,9 Prozent p.a. real aufweisen. REITs erzielten die zweitbeste Performance der Periode. Sie weisen nominell +14,1 Prozent p.a. und real +4,8 Prozent p.a. auf. Edelmetalle führen das Feld mit +14,3 Prozent p.a. nominell und +5 Prozent p.a. real an.
Die Periode 1976-1978 umfasst 36 Monate, in denen sich die jährliche Inflation innerhalb eines weniger extremen Bereiches bewegte. Die durchschnittliche jährliche Inflationsrate in diesen Jahren lag bei 5,7 Prozent im Jahr 1976, bei 6,5 Prozent im Jahr 1977 und bei 7,7 Prozent im Jahr 1978. Die Bestperformer dieser Periode waren die REITs. Ihre Performance lag durchschnittlich nominal bei 15,2 Prozent oder real bei 8,5 Prozent p.a. Edelmetalle wurden mit nominell +13,9 Prozent p.a. und real + 7,2 Prozent p.a. auf den zweiten Platz verwiesen. Amerikanischen Aktien erreichten Platz drei. Nominell legten sie um 11,1 Prozent, real um 4,4 Prozent p.a. zu. Anleihen konnten auch während dieser drei Jahre nicht überzeugen. Obwohl ihre Performance nominal 6,6 Prozent p.a. betrug, lag sie real bei -0,1 Prozent p.a.
Dieselbe Reihenfolge lässt sich auch für die Periode 1979 bis 1981 ausmachen. In diesen Jahren war die durchschnittliche jährliche Inflation in Amerika zweistellig. Im Jahr 1979 lag die Inflationsrate bei 11,3 Prozent, im Jahr 1980 bei 13,5 Prozent und im Jahr 1981 bei 10,3 Prozent p.a. Anleihen haben auch während dieser Periode durchschnittlich am schwächsten performt. Wird die nominale Wertentwicklung des Indexes betrachtet, hat diese Anlageklasse im Jahresvergleich durchschnittlich noch um 3,4 Prozent p.a. zugelegt, real betrachtet hat sie schon um 8,3 Prozent p.a. an Wert verloren.
Aktien konnten sowohl nominell mit +16,5 Prozent p.a., als auch real mit +4,8 Prozent p.a. eine solide durchschnittliche Performance aufweisen, jedoch konnten sie mit diesem guten Ergebnis wiederum nur den dritten Platz erreichen. Edelmetalle erreichten wieder die zweitbeste durchschnittliche Performance der Periode. Nominal betrachtet haben sie im Schnitt um 17,4 Prozent, real um 5,7 Prozent p.a. zugelegt.
Aktien, Immobilien-Investmentfonds und Edelmetalle erwiesen sich als Inflationsschutz
REITs sind daher die Gewinner auch dieser hochinflationären Periode, bilanzieren Lammer und Huszar. Die Performance der Immobilien-Investmentfonds erreichte durchschnittlich nominell 22 Prozent, real 10,30 Prozent p.a. Realwerte, das heißt Aktien, Edelmetalle und Immobilien konnten während der zweistelligen Inflationsperioden ansehnliche reale Wertsteigerungen erzielen. Anleihen litten hingegen unter den Auswirkungen der extrem hohen Teuerungsrate und weisen über alle drei untersuchten Zeiträume negative reale Performances aus.
Die drei Assetklassen Aktien, Immobilien-Investmentfonds und Edelmetalle haben sowohl nominell als auch real eine positive durchschnittliche p.a. Performance verbucht. Sie haben sich somit als ein geeigneter Inflationsschutz während der untersuchten neun Jahre erwiesen. Anleihen haben während dieser Periode real durchschnittlich negativ performt. Aktien liegen in allen drei Perioden nur an dritter Stelle. Sie bieten im Vergleich zu (direkten) Immobilieninvestments aber den Vorteil der schnellen Vermarktbarkeit und gegenüber Edelmetallen den Vorteil der laufenden Erträge, halten Lammer und Huszar am Ende ihrer Studie fest.
Text: @JüB
Bildmaterial: F.A.Z., picture-alliance/ dpa
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