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Staatsanleihen
Wenig gute Investment-Aussichten in Europa
Von Martin Hock
20. September 2011 Stiftungsfonds gelten als besonders konservativ und wertbeständig. Müssen sei auch sein, sind sie doch auf die Bedürfnisse von Stiftungen ausgerichtet und durch diese Verbindung indirekt gesetzlich auf die Substanzerhaltung verpflichtet und daher zumeist sehr konservativ ausgerichtet.
Doch die jüngste Krise bekam auch ihnen nicht, liegen doch die meisten Fonds im laufenden Jahr im Minus, auch wenn sich die Verluste vergleichsweise moderat ausnehmen. Auch für Chris Childs, den Manager des F&C HVB-Stiftungsfonds hätte das Jahr, in dem der Fonds sein zehnjähriges Bestehen feiert, besser laufen können.
„In den Händen der Politiker“
„Eine schwierige Frage“, antwortet Childs, darauf, ob er mit diesem Jahr zufrieden sei. Es sei ein sehr schweres Jahr, in dem man entweder gute oder schlechte Risiken habe, aber nichts dazwischen. Die Korrelationen zwischen den Anlageklassen und innerhalb dieser seien hoch - das alles mache es schwierig, ein Portfolio zu bauen.
Die Märkte spiegeln damit die Situation der Weltwirtschaft wider, entweder sei die Lage gut oder schlecht und für Fondsmanager heiße das, man komme entweder groß raus oder sehe nicht gut aus. „Wir sind in den Händen der Politiker“, sagt Childs. „Zunächst einmal in Europa, aber auch in den Vereinigten Staaten. Der einzige vernünftige Ort sind derzeit die Schwellenländer.“ Das ist natürlich eine wenig günstige Lage für den Manager eines in Europa anlegenden Mischfonds.
„Der Markt braucht eine überzeugende Lösung“
Aber der Brite sieht an den Aktienmärkten durchaus Hoffnungsschimmer. Zwar sei der jüngste Kursrutsch deutlich stärker als im Mai des vergangenen Jahres, doch die Situation am Derivatemarkt längst nicht so dramatisch wie seinerzeit. Gegenüber 2008 sei auch die Besorgnis hinsichtlich der Bankenbilanzen deutlich geringer, die Handelsbücher seien jetzt eher konservativ bestückt und die Risiken der Hedge-Fonds unterdurchschnittlich. Das unterscheide die Situation deutlich von 2008, sehe man vom vergleichbaren Ausmaß des Abverkaufs ab.
„Was der Markt braucht, ist eine überzeugende Lösung für die Krise. Im Mai 2010 war das die Gründung des EFSF-Rettungsschirms“, sagt Childs, fügt jedoch hinzu, dass er Maßnahmen wie den Kauf von Anleihen oder die Übernahme von Banken durch den EFSF lediglich für kurzfristig wirksam hält. „Das Problem sind die neuen Schulden. Und es ist größer als Griechenland. Ganz Europa hat über seine Verhältnisse gelebt.“
Enge Korrelation an den Aktienmärkten
Was macht also ein Stiftungsfondsmanager in einer solchen Zeit? „Als Fondsmanager wird man dafür bezahlt, Risiken einzugehen. Ohne das kann man einen Fonds nur begrenzte Zeit laufen lassen“, antwortet der Brite. Derzeit handele man also mit einem Zeithorizont von Tagen statt Monaten und sei stets bereit, Positionen aufzulösen.
Zu schaffen macht den Profis auch das derzeit extrem hohe Korrelationsniveau. Die implizite Korrelation etwa des S&P-500-Index hat sich auf 82 Prozent verdoppelt, was bedeutet, dass die Kursbewegungen sich zu mehr als vier Fünfteln durch Marktbewegungen erklären und unternehmensspezifische Faktoren nur wenig Bedeutung haben.
„Angesichts des hohen Korrelationsniveaus ist es extrem schwierig, allein durch Stock-Picking Erträge zu erzielen. Das bedeutet, dass die Macht der Diversifizierung verloren gegangen ist. Wir leben in einer Makro-Umwelt, in der etwa 25 Prozent allen Handels über Indexfonds läuft.“ Das habe definitiv die Korrelation an den Märkten erhöht. Wie man so sage: Wenn die Märkte fallen, ist die Korrelation das einzige, was steigt.
Anleihen sind kaum eine Alternative
Anleihen seien nicht unbedingt eine Alternative. Mit Aktien habe man wenigsten in gewisser Weise einen Sachwert. Anleihen als Nominalwert seien in einer Situation wie der in Europa, irgendwo zwischen einem japanischen und einem inflationären Szenario keine gute Wahl. Das Anlagespektrum sei sehr viel breiter geworden. Doch spiegelt diese Differenzierung der Renditen die Risiken wider, so dass die Renditen für als solide geltende Staatsanleihen wie Bundesanleihen derzeit mim negativen Bereich liegen, während höhere Renditen mit höheren Risiken korrespondieren. Tradern biete dies natürlich Chancen, sagt Childs. „Aber für Anleger wie einen Stiftungsfonds ist das ein schwieriges Umfeld.“
Das soll auch längerfristig nicht besser werden. Zwar rechnet der Brite nicht mit einer dramatischen Zuspitzung, aber auch nicht mit einer raschen Besserung. „Man kann und sollte von der Entwicklung in Japan lernen“, sagt Childs. Die demographischen Daten in Europa seien derzeit noch nicht so schlecht wie seinerzeit in Japan, das gebe Spielräume. Er rechnet damit, dass die europäische Politik, ein Gleichgewicht zwischen Wachstum, Entschuldung und Inflation anstreben werde. Ein Teil der Schulden werde abgeschrieben oder irgendwo geparkt werden, einen Teil werde die Inflation aufzehren.
Das spricht auch gegen Bundesanleihen: „Der Hauptunterschied zwischen Bundesanleihen und japanischen Schatzanweisungen ist die Inflation.“ Dadurch würfen japanische Renten real noch eine Rendite ab, bei Bundesanleihen lege man drauf. Das werde sich nicht wesentlich ändern, auch wenn über die Inflationserwartungen die langfristigen Zinsen wieder steigen würden. „Unter diesen Umständen sind Anleihen aber nicht eben ein großartiges Investment.“
Text: FAZ.NET
Bildmaterial: F.A.Z.
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