19. Mai 2013

Investoren

Wende nach fünf Jahren Finanzkrise

Von Bettina Schulz
16. Dezember 2012 Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Vergangene Woche haben auch die letzten Fondsmanager und Banken ihre Prognosen für das kommende Jahr vorgelegt. Die Stimmung ist relativ einheitlich: Fünf Jahre hat die Banken- und Finanzkrise seit Herbst 2007 gedauert. Fünf Jahre lang waren die Märkte geprägt von politischen Entscheidungen. Fünf Jahre lang beherrschte die Angst vor systemischen Risiken und einem Auseinanderbrechen der Währungsunion die Entscheidung der Fondsmanager. Die Investoren kamen aus dem erratischen „Risk on - Risk off“ nicht heraus.

Wieder mehr Ruhe an den Märkten?

Das kommende Jahr wird in den Augen dieser Investoren erstmals seit fünf Jahren wieder mehr Ruhe an die Märkte einkehren lassen. Der Blick wird sich wieder auf ökonomische Fundamentaldaten richten und mithin gewaltige Portfolioumschichtungen auslösen.
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Die vergangene Woche hat gezeigt, welch dramatischen Fortschritt die Finanzmärkte im vergangenen Jahr erlebt haben und wie viele Kernprobleme der Banken- und Finanzkrise nun korrigiert werden: Die Währungsunion hat die Grundzüge einer Bankenunion mit zentraler Aufsicht der EZB (SSM) beschlossen, womit von 2014 an eine von nationalen Interessen unabhängige Instanz die Banken beaufsichtigen wird, nachdem die nationalen Aufseher, auch in Deutschland, dies versäumt haben. Ein im nächsten Jahr geplantes Konzept zur Handhabung strauchelnder Banken wird dann sicherstellen, dass Banken ohne Kosten für den Steuerzahler zerschlagen oder gerettet werden, wie es Großbritannien und die Vereinigten Staaten vergangene Woche schon beschlossen haben.

„Heilungsprozess zu beobachten“

Griechenland hat nach dem erfolgreichen Schuldenrückkauf vergangene Woche die Zusage für die Auszahlung der nächsten Hilfsgelder von 49,1 Milliarden Euro erhalten. Davon werden 34,4 Milliarden Euro diese Woche gezahlt, das meiste für die Kapitalisierung der griechischen Banken. Damit ist bis Mitte 2013 das Zittern über Griechenland vorbei.
Der spanische Premierminister Mariano Rajoy hat vergangene Woche bekräftigt, dass die geplante Bankenaufsicht durch die EZB zeige, dass der Euro Bestand habe - für Spanien und die Investoren ein extrem wichtiges Signal. Das im Februar 2012 aufgestockte LTRO-Programm der EZB zur Liquiditätsausstattung der Banken hatte schon Anfang des Jahres das Risiko einer Bankenkrise reduziert. Das dann im September angekündigte Programm konditionierter Anleihekäufe der EZB hat dann den Marktteilnehmern die Angst genommen, die Währungsunion könnte zerbrechen.
„Der Heilungsprozess, den die EZB damit angestoßen hat, ist seither in einer zunehmenden Stabilität der europäischen Finanzmärkte und sinkenden Risikoprämien zu beobachten“, heißt es bei JP Morgan zum Jahresabschluss. Spanische Zweijahresrenditen sind von 7 auf weniger als 3 Prozent gesunken und die Kapitalflucht aus der Peripherie gebremst. Gleichzeitig haben umfangreiche Reformen und drastisch reduzierte Haushaltsdefizite in allen Peripherieländern gezeigt, welche Sanierungsanstrengungen die Länder trotz schwerer Rezession machen.
Für die Marktteilnehmer war es daher keine Überraschung, dass sowohl die Federal Reserve wie auch der künftige Gouverneur der Bank von England, Mark Carney, die extrem expansive Geldpolitik an volkswirtschaftlichen Größen ausrichten wollen, die das Augenmerk stärker auf die Genesung der Wirtschaft, Wachstum und eine Reduzierung der Arbeitslosigkeit lenken. Die globale Inflation ist im Herbst von 4,2 auf 1,5 Prozent gefallen - von Inflationsgefahren ist derzeit also keine Spur zu sehen.

Fokus auf das zweite Halbjahr 2013 gesetzt

Die Prognosen der Banken, Versicherer und Fondsmanager von vergangener Woche haben gezeigt, dass die Marktteilnehmer im ersten Quartal 2013 mit einer globalen Wachstumsschwäche rechnen, zumal die fiskalpolitischen Unsicherheiten (fiscal cliff) in den Vereinigten Staaten gelöst werden müssen. Für die zweite Jahreshälfte erwarten jedoch fast alle Großinvestoren, dass sich die Volkswirtschaften langsam erholen, angefangen mit China, Russland, Indien, Brasilien, dann den Vereinigten Staaten und zuletzt dem Euroraum. Die Rückmeldungen der Einkaufsmanager aus den Vereinigten Staaten, China und dem Euroraum zu ihren Einschätzungen im Dezember deuten schon auf steigende Aufträge hin.
Da der Höhepunkt der Schuldenkrise in der Währungsunion überstanden und sich der Blick der Investoren wieder auf das globale Wachstum richten könnte, rechnen viele Fondsmanager spätestens im Sommer mit einer sukzessiven Umschichtung der Investorenvermögen von Anleihen in Aktien. Zu den Umschichtungen gehört auch ein langsames Ende der Kapitalflucht, ein Zurückfließen von Vermögen in den Euro und an die peripheren Anleihemärkte, vor allem an den spanischen Anleihemarkt in Erwartung von Anleihekäufen durch die EZB. Die Aktienmärkte befinden sich schon in einer Jahresendrally, die dem Dax mit einem Stand von 7596 Punkten einen Jahresgewinn von 30 Prozent bringt.


Text: F.A.Z.
Bildmaterial: F.A.Z.

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